Pastor Christoph Potowski: „Gelernt, dass Kirchhellen ein Dorf ist“

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Christoph Potowski ist der neue Pastor in Kirchhellen. Im Interview berichtet der 35-Jährige von seinen ersten Tagen im Dorf.

Kirchhellen

, 05.08.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Außerdem verrät der neue Pastor, worauf er sich jetzt freut, und erzählt von seinem Verständnis von Kirche.

Herr Potowski, Sie sind nun als neuer Pastor in der Gemeinde St. Johannes die Nachfolge von Ulrich Witte angetreten. Wie ist Ihr erster Eindruck vom Dorf?

Der erste Eindruck ist positiv, auch wenn ich durch Corona noch nicht viele Menschen sprechen konnte. Ich habe bereits einen kleinen Rundgang durch Kirchhellen gemacht und gelernt, dass Kirchhellen ein Dorf ist und keine Stadt (lacht). In Grafenwald und Feldhausen war ich auch schon.

Was haben Sie noch in den ersten Tagen gemacht?

Ich bin gerade mal seit zwei Wochen hier und erst mal eingezogen. Die richtige Arbeit beginn ab dem 15. August mit der Einführung in Feldhausen. Trotzdem habe ich bereits ein paar Menschen aus dem Kirchenvorstand und dem Bauausschuss kennengelernt und Termine für die nächsten Tage mit dem Pfarreirat vereinbart.

Erzählen Sie etwas über sich: Was haben Sie gemacht, bevor Sie nach Kirchhellen gekommen sind?

Bevor ich nach Kirchhellen gekommen bin, war ich drei Jahre Kaplan in Xanten. Dort war ich die letzten zwei Jahre auch Pfarrverwalter. Davor war ich vier Jahre lang Kaplan in Stadtlohn.

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Was hat Sie dazu bewegt, Priester zu werden?

In der Abiturzeit habe ich gemerkt, dass das für mich ein erfüllender Weg ist. Ich konnte mich darauf einlassen, dass ich meinen Glauben und meine Gottesbeziehung so leben kann. Nach dem Abitur ging ich nach Münster ins Priesterseminar und anschließend habe ich zehn Semester Theologie studiert. Anschließend habe ich ein Gemeindejahr zur Vorbereitung auf die Diakon- und Priesterweihe absolviert.

Mit welchen Zielen beginnen Sie jetzt Ihre Arbeit in Kirchhellen?

Aufgrund der ganzen Veränderung im letzten Jahr ist mein erstes Ziel, dass ich erst mal hingucken und hinhören will. Ich will die Menschen der Gemeinde kennenlernen und herausfinden, was sie brauchen und suchen. Was ist gut? Was möchten sie verändern?

Aktuell befindet sich die Gemeinde in unruhigen Zeiten. Erst der überraschende Abschied von Ulrich Witte, dann die Corona-Pandemie und jetzt noch der Umbau der Johannes-Kirche. Welche Herausforderungen sehen Sie in der Gemeinde?

Momentan finden aufgrund des Umbaus und der Corona-Pandemie die Gottesdienste draußen statt. Das hat damit zu tun, dass das Pfarrheim nicht groß genug ist, um dort die Corona-Regeln einhalten zu können. Wir müssen gemeinsam überlegen, wie und wo wir zukünftig hinkönnen. Da müssen wir kreativ werden, damit wir auch Gottesdienste feiern können, wenn es wieder kälter wird. Gerade im Hinblick auf Weihnachten.

Sie treten nicht allein diese Stelle an, sondern werden von drei weiteren Seelsorgern sowie Pater Periya Madalaimuthu unterstützt. Wie wird die zukünftige Arbeit im Team aussehen?

Unterstützt werde ich erstmal von den Pastoralreferenten Werner Koschinski und Dennis Humberg. Und im November kommt dann noch Pfarrer Heinrich Bösing. Zusammen mit Pater Periya hat Kirchhellen dann wieder drei Pastoren. Wir treffen uns nächste Woche, um zu besprechen, wie wir zukünftig die Aufgaben aufteilen.

Worauf freuen Sie sich in den nächsten Wochen?

Wir müssen die Gruppen und Vereine in Kirchhellen erst mal kennenlernen. Bisher kenne ich nur Namen von einer Liste. Jetzt freue ich mich darauf, diesen Menschen auch zu begegnen. Unter Corona-Bedingungen ist das natürlich erschwert, aber dafür haben wir ja Masken. Es juckt mich schon in den Fingern, jetzt loszulegen.

Mit 35 Jahren gehören Sie zu einer anderen Generation als Ihre Vorgänger. Was für Impulse möchten Sie setzen? Was ist Ihr Verständnis von Kirche?

Ich bin natürlich in einer anderen Kirche groß geworden als andere Priestergenerationen. Ich komme selbst aus Lünen und dort gab es immer schon eine andere Kirchenbindung. Vieles, was vertraut war, gab es schon in meiner Kindheit nicht mehr. Es war nicht selbstverständlich, katholisch zu sein oder zu glauben. Mir ist es wichtig, dass wir neben den traditionellen Wegen, die durchaus ihre Berechtigung haben, auch andere Wege der Verkündigung wählen. Als Beispiel bieten Soziale Medien eine große Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die wir mit unseren Pfarrbrief niemals erreichen würden. Darum gibt es jetzt auch einen Instagram-Account der Gemeinde.

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Da ist die Herausforderung wahrscheinlich, den Spagat zwischen Tradition und Moderne zu schaffen …

Wir müssen uns in der Kirche deutlich vor Augen führen, dass wir verschiedene Zielgruppen haben. Die einen mögen es ganz traditionell, die anderen nicht. Wir müssen möglichst viele mitnehmen. Das sehe ich als meine Aufgabe als Pastor, dass man möglichst vielen Menschen die Möglichkeit bietet, bei uns anzudocken. Die Menschen sollen spüren, dass sie so, wie sie sind, dabei sein können. Meine pastorale Grundhaltung lautet: „Komm, wie du bist!“

Wie ist Christoph Potowski privat? Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Ich mache mittlerweile wieder gerne Sport. Ich rudere, allerdings nur auf meinem Rudergerät. Ich bin gerne im Garten und mit Freunden unterwegs. Außerdem lese ich und bin interessiert an Kunst.

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