Wird hier bald nicht mehr gespielt? Der Sportentwicklungsplan Bottrop sieht die Schließung der Anlage des TSV Feldhausen vor. © Alexander Große-Beck
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Platz soll geschlossen werden – der TSV Feldhausen kämpft ums Überleben

Im Sportentwicklungsplan der Stadt Bottrop stehen gleich mehrere neue Projekte für Kirchhellen. Doch der Plan empfiehlt auch die Aufgabe einer Sportanlage.

War es das für den TSV Feldhausen? In einer Sitzung am 12. November (Freitag) soll der Bottroper Ausschuss für den Sport- und Bäderbetrieb die Fortschreibung des Sportentwicklungsplans (SEP) diskutieren. Und der empfiehlt die Aufgabe der Sportanlage des TSV an der Marienstraße.

Die Verfasser stützen sich dabei auf eine Auswertung von Mannschaftsgrößen, Belegungsplänen der Sportanlagen und der Entwicklung der Bevölkerungsstruktur der jeweiligen Stadtteile. Neben der Anlage in Feldhausen sollen auf Empfehlung des SEP auch die Bezirkssportanlage Ebel und die an der Paßstraße in Bottrop zugemacht werden.

Vorstand TSV Feldhausen
TSV-Vorsitzender Andreas Rettschlag (M.) und sein Team sahen sich zuletzt eigentlich auf einem guten Weg. © Alexander Große-Beck © Alexander Große-Beck

Andreas Rettschlag, Vorsitzender des TSV Feldhausen, zeigte sich davon völlig überrascht: „Am 6. Oktober hatte ich noch ein Gespräch mit dem Ausschuss. Dort hieß es, dass man darüber nachdenkt. Einige Tage später habe ich aus der Zeitung erfahren, dass es scheinbar schon beschlossene Sache ist.“

Auch den vorgeschlagenen Ausweichmöglichkeiten auf den Anlagen des VfL Grafenwald und des VfB Kirchhellen begegnet Rettschlag mit Skepsis: „Der VfB ist zu voll, und man kann Kindern auch nicht zumuten, zehn Kilometer bis zur Sportanlage in Grafenwald zu fahren.“ Der TSV-Vorsitzende kündigte an: „Wir versuchen jetzt, auf politischem Wege dagegen vorzugehen.“

Zusammen mit der Bürgerinitiative „Feldhausen gegen Neubaupläne im Ortsteil“ hat der TSV eine Online-Petition „Unser Fußballplatz muss bleiben!“ gestartet. „Die Resonanz ist sehr gut. Wir haben schon 300 Unterstützer“, berichtete die 2. TSV-Vorsitzende Heidi Brinkmann am Dienstag.

Schließung war schon 2015 ein Thema

Schon im Jahr 2015 stand die Schließung der Feldhausener Sportanlage im Raum. Jürgen Heidtmann vom Sport- und Bäderbetrieb erklärte, dass dem TSV Feldhausen damals noch eine Chance gegeben werden sollte, seine Jugendarbeit zu intensivieren. 2017 erlitten diese Bemühungen durch den Tod von Jugendtrainer Heiner Dieckmann einen herben Rückschlag. 2020 keimte neue Hoffnung, als sich das Vorstandsteam um Andreas Rettschlag neu formierte und im Senioren- wie im Jugendbereich um neue Spieler warb. Doch dann folgte die Corona-Krise.

Andreas Rettschlag sah trotzdem Licht am Horizont: „Seit einer Weile erfahren wir durch einen guten Zuwachs in der Jugend einen Aufwind. Die rückläufigen Mitgliederzahlen beziehen sich auf die Corona-Zeit. Dass sich in den vergangenen Wochen rund 40 Jugendliche bei uns neu angemeldet haben, wird nicht berücksichtigt.“

Noch setzen der Vorsitzende, seine Vorstandskollegen und die Vereinsmitglieder auf die Online-Petition und die Politik. Doch die hatte den Sport- und Bäderbetrieb einst ausdrücklich angewiesen, im SEP auf rückläufige Mitgliederzahlen im Fußball und das veränderte Sportverhalten der Bevölkerung zu reagieren.

Calisthenics, Kunstrasen und Brunenwasser-Anlage

Plan sieht auch Investitionen vor




Für Kirchhellen sieht der Sportentwicklungsplan des Bottroper Sport- und Bäderbetriebes neben der Schließung der Anlage des TSV Feldhausen auch neue Projekte und Investitionen vor.

So sollen auf den ehemaligen Tennisplätzen der TSG Kirchhellen ein Beach-Soccer-Feld und eine Calisthenics-Anlage entstehen, um das veränderte Sportverhalten der Bevölkerung aufzugreifen.

Im kommenden Jahr soll zudem das Tennen-Kleinspielfeld auf der Sportanlage Kirchhellen in einen Kunstrasenplatz umgewandelt werden. Um auf Dauer Unterhaltungskosten einzusparen, soll unter anderem die Sportanlage Grafenwald eine Brunnenwasser-Anlage erhalten.

Die Gesamtkosten der Maßnahmen bezüglich der Sportanlagen liegen laut SEP insgesamt bei 2,9 Millionen Euro. Gleichzeitig könne dadurch aber der Betriebskostenzuschuss jährlich um rund 80.000 Euro gesenkt werden.

Bei der Vorstellung der Fortschreibung des Sportentwicklungsplanes kündigte die Stadt Bottrop an, dass diese in der Sitzung des Ausschusses Sport- und Bäderbetrieb am 27. Oktober besprochen werde. Dieser Termin wurde nun um zwei Wochen auf den 12. November verschoben. Zeitgewinn für den TSV.

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Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner