Priester macht eine Pause vom Alltag

Ein Jahr Kirchhellen

Zum 10. Mal macht Professor und Priester Père Raymond Sobakin aus Benin (Staat in Westafrika) in Kirchhellen eine Pause vom Alltag. Seit 1. August ist der 49-Jährige wieder als Urlaubsvertretung von Pastor Manfred Stücker vor Ort. Doch dieses Mal bleibt er nicht nur ein bis zwei Monate, sondern ein ganzes Jahr.

Kirchhellen

, 19.08.2016 / Lesedauer: 3 min
Priester macht eine Pause vom Alltag

Pater Raymond Sobakin ist seit Anfang August wieder in Kirchhellen. Dieses Mal wird er ein ganzes Jahr bleiben.

Denn der Priester, der in seiner Heimat im Priesterseminar lehrt, legt ein Sabbatjahr ein. „Ich werde mindestens bis Juli 2017 bleiben. Zehn Jahre Priesterseminar waren anstrengend, da habe ich mir eine Pause vom Intellektuellen verdient“, erzählt Sobakin beim Treffen in seiner Wohnung, von der aus man Kirche und Pfarrheim sehen kann. Lesen und sich bilden möchte er natürlich auch in diesem Sabbatjahr, „aber dann, wann ich Lust habe und ohne Zwang“.

Hauptsächlich wird er aber in Kirchhellen als Seelsorger unterwegs sein. Am Anfang sei das gar nicht so leicht gewesen, erzählt der Priester. Er sei fremd gewesen und auch die deutsche Sprache habe er noch nicht gut gesprochen. „Aber man hat sich kennengelernt und inzwischen kommen wir gut klar“, sagt er in gut verständlichem Deutsch. Dass er Deutsch recht schnell gelernt hat, liegt wahrscheinlich auch an seiner Vorliebe für Sprachen. Das Deutsche hat es ihm besonders angetan: „Im Deutschen kommt das Verb in einem Satz ganz oft am Ende. Das zwingt einen, ganz genau und bis zum Ende zuzuhören.“ Pastor Manfred Stücker lernte er während seines Studiums der Bibelwissenschaften in Rom im Jahr 2004 kennen. Damals arbeitete Stücker noch in Greven. Raymond Sobakin hörte, dass ein deutscher Pastor auf der Suche nach einem Vertreter sei, bewarb sich und bekam den Job. Seitdem verbindet die beiden eine Freundschaft, die auch nicht abriss, als Stücker nach Kirchhellen versetzt wurde.

Sohn eines Bauern

„Die Menschen in Kirchhellen sind sehr nett. Da ich der Sohn eines Bauern bin, fühle ich mich zwischen den Höfen hier zu Hause“, erzählt Sobakin. Trotzdem weiß er schon jetzt, dass ihm seine Heimat und vor allem seine dortige Familie und seine Freunde fehlen werden. „Dank der Entwicklung der Kommunikationsmittel ist es aber zu schaffen“, sagt der 49-Jährige und schmunzelt.

Außerdem sei er als Missionar ausgebildet, in die Welt zu gehen und den Glauben zu verbreiten und zu leben. „Und das geht nur, wenn ich mich dort, wo ich arbeite, auch zu Hause fühle“, so der Priester. Während seiner Urlaubsvertretung wird Sobakin Messen halten, die Beichte abnehmen sowie Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen mitgestalten. Im Januar ist er sogar extra aus Benin für eine Taufe nach Kirchhellen gekommen. Auf die Arbeit freut er sich, denn er findet, dass man als Priester nicht nur „in die Papiere gucken“, sondern auch mit den Menschen in Kontakt treten sollte.

Umgebung erkunden

Während die Liturgie in Kirchhellen die gleiche wie in seiner Heimat ist, gibt es größere Unterschiede bei der Musik. „In Benin wird viel gesungen und getrommelt“, erzählt der Priester. Nach dem Ende der Urlaubsvertretung möchte er neben seinen seelsorgerischen Tätigkeiten auch die nähere Umgebung besser kennenlernen – und natürlich sein Deutsch weiter verbessern. 

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