Rainer Weiß und Jan Marien bringen die Kirchhellener Geschichte in Form

Archivare des Heimatvereins

Sammeln, sortieren, recherchieren. Immer auf der Suche nach neuen oder alten Fotos, Schriften, Büchern von Kirchhellen sind die zwei Archivare des Heimatvereins, Rainer Weiß und Jan Marien. Fast jeden Montagabend treffen sie sich in einem kleinen Raum im Heimathaus, ihrem neuen Archiv, und machen sich an die Arbeit.

KIRCHHELLEN

von Von Michelle Hoffmann

, 10.01.2017, 17:16 Uhr / Lesedauer: 3 min
Auch die Technik wird in die Arbeit von Rainer Weiß (l.) und Jan Marien (r.) einbezogen. Alle Materialien werden eingescannt und digital gespeichert.

Auch die Technik wird in die Arbeit von Rainer Weiß (l.) und Jan Marien (r.) einbezogen. Alle Materialien werden eingescannt und digital gespeichert.

Bevor das Heimathaus fertig renoviert war, hatte der Heimatverein sein Archiv nebenan im Hof Jünger. Die Idee war – mit der Eröffnung des Heimathauses – mit allen Dokumenten der Kirchhellener Geschichte umzuziehen, „aber dafür haben wir jetzt schon zu viel Material und da wir ja immer neue Sachen dazubekommen, sind Platzreserven nicht schlecht“, erklärt Rainer Weiß.

Wie lang die Reserven allerdings reichen, ist eine andere Sache. Das Archiv umfasst jetzt schon 4500 Fotos, dazu Zeitungsartikel, Todesanzeigen, handgefertigte Notizen auf altem Papier und um die 2500 Bücher. Seit Montag ist es noch ein Buch mehr. Denn da brachte Heimatvereinsvorsitzender Peter Pawliczek noch ein mehrere Zentimeter dickes Buch vorbei. Es wird natürlich dem Bestand hinzugefügt. „Jetzt wissen Sie, was ich meine“, sagt Rainer Weiß schmunzelnd. „Im alten Archiv hätte ich nicht mehr gewusst, wohin damit.“

Klare Ordnung

Wo genau das neue Buch hingehört, müssen die beiden Archivare erst noch entscheiden. Denn da gibt es eine klare Ordnung. Im alten Raum findet man alle Bücher, in denen es nur am Rande um Kirchhellen geht. „Das sind zum Beispiel Bücher über das Ruhrgebiet oder über Eisenbahnstrecken in der Umgebung“, erklärt der junge Archivar Jan Marien. „Im neuen Raum sind die Bücher, die allein von Kirchhellen handeln oder in Kirchhellen geschrieben wurden“, sagt der Student weiter. Die Werke stammen aus den verschiedensten Zeiten der Kirchhellener Geschichte.

Damit die älteren Bücher nicht zu Staub zerfallen, haben die Archivare weiße Baumwollhandschuhe, die sie im Umgang mit den Büchern tragen. „Das älteste Buch ist ein Gebetsbuch aus dem Jahr 1789“, sagt Weiß, nachdem er einem Blick in den Computer geworfen hat, wo alle Bücher in einer Exeltabelle erfasst sind. Für die beiden Ehrenamtlichen steht derzeit vor allem Sortierarbeit auf dem Programm. Denn viele historische Dokumente befinden sich ungeordnet in großen Kartons. Jedes der 4500 Fotos und jedes Papierstück – ob es nun ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1917 oder eine handgeschriebene Notiz von Johann Breuker ist – wird sowohl in einen Ordner abgeheftet oder in ein Album geklebt als auch eingescannt und digital gespeichert. „Nach und nach lichtet sich das Chaos, die unsortierten Pappkartons weichen nach Themen sortierten Ordnern in aufgeräumten Regalen“, sagt Weiß.

Material der Fotos als Anhaltspunkt

Die Einordnung der Fotos erweist sich jedoch als schwierig für die beiden Ehrenamtlichen. Der Grund: „Die alten Fotos können nicht datiert werden, es sei denn, sie wurden schon damals mit einem Datum versehen“, erklärt Rainer Weiß. „Einen ungefähren Anhaltspunkt für die zeitliche Einordnung bietet uns oft die Beschaffenheit und das Material der Fotos. Ältere sind auf Karton gedruckt, die neueren auf Fotopapier“, sagt er weiter.

Ab und an kommt es auch vor, dass sich ein Foto dazwischen schummelt, dessen Motiv gar nichts mit Kirchhellen zu tun hat. „Letztens hatten wir ein Foto von einem alten Haus, aber ich wusste das absolut nicht in Kirchhellen einzuordnen. Nach einer längeren Recherche stellte sich dann heraus, dass das Haus damals in Dorsten stand“, sagt Jan Marien.

Die Materialien im Archiv spiegeln einen Großteil der Kirchellener Geschichte wider. Hier werden Sachen aufbewahrt, die Informationen erhalten, an die man sonst nicht kommt. „Im Prinzip ist ein Archiv das Gegenstück von einem Museum. Während dort dreidimensionale Rudimente aufbewahrt werden, findet man in einem Archiv die Flachware“, sagt Weiß.

Aktuelle Fotos

„Zu unseren Aufgaben gehört auch, dass wir wichtige aktuelle Zeitungsartikel oder Fotos sammeln und archivieren, damit auch unsere Nachfolger auf die Informationen unserer Zeit zugreifen können, wie wir es jetzt mit den Materialen aus den letzten Jahrhunderten tun“, sagt Weiß. „Natürlich ist es durch das Internet einfacher geworden, aber nicht alles wird ewig gespeichert und gerade die lokalen Informationen stehen oft gar nicht online“, sagt er weiter. Momentan ist Jan Marien dabei, eine Auflistung von allen Kirchhellener Häusern um 1914 zu erstellen. „Der Zeitraum um 1914 herum ist günstig, da uns von dem Jahr eine gedruckte Adressliste vorliegt, die man abarbeiten kann“, sagt er.

Die Archivare arbeiten montags ab 18 Uhr im Archivraum im Heimathaus am Hof Jünger. Wer Informationen oder Bilder von Häusern hat, die 1914 in Kirchhellen standen, kann sich bei Jan Marien per E-Mail (j.marien@heimatverein-kirchhellen.de) melden, oder montags zum Heimathaus kommen.