RVR übernimmt bis 2035 weitere 20 Halden von der RAG

rnProsper Haniel

Die Sicht reichte übers ganze Revier, als die RAG am Mittwochmorgen auf der Halde Haniel eine zukunftsweisende Vereinbarung und einen neuen Besitzer ihrer Bergehalden vorstellte.

Kirchhellen

, 24.06.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Bergehalden mehr sind als aufgetürmtes, taubes Gestein, das beim Kohleabbau anfällt, könnte man kaum irgendwo eindrucksvoller unter Beweis stellen als auf der Halde Haniel. Dorthin hatte am Mittwoch die RAG eingeladen, um über die Übergabe von 20 Halden an den Regionalverband Ruhr (RVR) zu informieren. Beide Vertragspartner hatten ihr Spitzenpersonal geschickt.

Ein „guter Tag für den RVR, die RAG und das gesamte Ruhrgebiet“

Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel und die Beigeordnete Nina Frense vertraten den RVR, dem schon jetzt 37 Halden gehören und der bis 2035 weitere 20 Landschaftsbauwerke in seinen Besitz nehmen wird. RAG-Vorstandsvorsitzender Peter Schrimpf und Finanzvorstand Michael Kalthoff zeigten sich auf dem obersten Plateau der von 1963 bis 2006 aufgeschütteten Bergehalde in direkter Nachbarschaft zur Zeche Prosper Haniel davon überzeugt, dass man hier gemeinsam einen „guten Tag für den RVR, die RAG und das gesamte Ruhrgebiet“ feiere.

RAG hilft dem RVR mit zehn Millionen Euro

„Die Berge der Metropole Ruhr sind mehr als Aussichtspunkte“, erklärte Karola Geiß-Netthöfel. „Als Landmarken sind sie Identifikationspunkte in der Städtelandschaft und durch ihre vielfältigen Inszenierungen ein Alleinstellungsmerkmal in der Region.“ Für die Sicherstellung ihrer öffentlichen Nutzung sei der RVR besser aufgestellt als die RAG, konstatierte Peter Schrimpf.

Dennoch stehe das Unternehmen zu seinem Wort, die Zeit nach dem Steinkohlebergbau im Sinne der Menschen in der Region nachhaltig zu gestalten.

Damit dem RVR das gelingen kann, gibt die RAG die Halden inklusive eines Finanzpakets von etwa zehn Millionen Euro her, verriet Michael Kalthoff. Schließlich spare die RAG ja auch bei den Unterhaltungskosten. So sei eine Win-Win-Situation entstanden.

Halden sollen nicht allein schmückendes Beiwerk sein

Die Beigeordnete Nina Frense, seit drei Jahren Teil der „spannenden und aufregenden“ Verhandlungen, will die Halden nicht allein als schmückendes Beiwerk verstehen, sondern sieht sie als wichtigen Baustein zur Gestaltung einer klimaschonenden Region an. „Wir wollen jetzt gemeinsam mit den Städten Förderkulissen erschließen, um die Halden nutzbar zu machen“, kündigte Frense an.

Haldenstandorte RAG, RVR

So verteilt sich der Haldenbesitz der RAG: Rot eingezeichnet die Haldenstandorte, in Gelb der Grundbesitz des RVR. © RVR

Zunächst wird der RVR wohl sein Augenmerk auf die schon jetzt touristisch genutzten Flächen legen, wie zum Beispiel die Halde Haniel mit Amphitheater, Halden-Kreuzweg und den 105 bunt gestalteten Bahnschwellen des baskischen Bildhauers Agustín Ibarrola, die 2002 im Rahmen der RuhrTriennale entstanden und das fast 120 Meter hohe Haldenplateau zu einem geradezu magischen Ort machen.

Halden können Teil der Internationalen Gartenausstellung werden

Die weiteren touristisch bedeutsamen Halden sind Kohlenhuck in Moers, Lohberg- Nord in Dinslaken, Mottbruch in Gladbeck, Scholven und Rungenberg in Gelsenkirchen, Haus Aden 2 in Bergkamen sowie Humbert in Hamm. Einige sind sogar als Standorte der Internationalen Gartenausstellung Metropole Ruhr 2027 im Gespräch.

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Die anderen elf Halden sollen die grüne Freizeit- und Erholungsinfrastruktur der Metropole Ruhr erweitern. Auf sechs Halden gibt es schon Anlagen zur Energieerzeugung, weitere kommen potenziell als Standorte für Windkraft oder Photovoltaik in Betracht. Die ersten der 20 Halden aus dem neuen Vertragswerk werden 2021 aus der Bergaufsicht entlassen und zum RVR übergehen. Die Abschlussbetriebsverfahren der anderen, darunter auch die Halde Haniel, werden schrittweise bis 2035 beendet und peu à peu dem RVR überlassen.

Der abgeschlossene Kaufvertrag soll dem Regionalverband Planungssicherheit geben und ein Rahmennutzungskonzept ermöglichen. Der Investionsaufwand für die Qualifizierung der Halden wurde von Gutachtern auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Die Akquise von Fördermitteln hat vermutlich schon begonnen.

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