Betonsäule verschließt den Grafenwälder Zugang zur Steinkohle für immer

rnAbschied vom Bergbau

Eine Säule aus 46.000 Kubikmetern Beton wird in einigen Wochen Schacht 9 verschließen. Damit wird der Zugang zu den Kohlevorräten unter der Kirchhellener Erde verschlossen. Für immer.

Kirchhellen

, 26.12.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende der 1950er-Jahre kam der Bergbau auf seiner Nordwanderung auch nach Kirchhellen. In Grafenwald, an der Straße Vossundern, wurde Schacht 9 abgeteuft. 1960 erreichte man die Tiefe von 622 Metern und der Seil- und Wetterschacht ging in Betrieb. 1988 wurde der Schacht noch einmal tiefer geteuft, bis auf 1013 Meter. Jetzt, nach dem offiziellen Ende des Steinkohlebergbaus, hat man damit begonnen, den Schacht mit seinen 7,25 Metern Durchmesser zuzugießen. Mit Beton. Für immer.

Betonsäule verschließt den Grafenwälder Zugang zur Steinkohle für immer

Der Bagger schaufelt den Kirchhellener Sand in die Mischmaschine. Zement und Wasser kommen hinzu. Eine provisorische Schallschutzmauer schützt die Anwohner vor dem Lärm. © Petra Berkenbusch

Dafür wurden bereits im September und Oktober rund 55.000 Tonnen aus der Kirchheller Heide zum Vossundern transportiert. Weitere 33.000 Tonnen lagern an Schacht 10. Die Verfüllung der beiden Schächte müsse parallel und ohne Unterbrechungen erfolgen, erklärte Guido Dahmen von der Ruhrkohle AG. Schacht 10 am Alten Postweg war ein Frischwetterschacht und mündete zuletzt in 1300 Metern Tiefe in den tief gelegenen Steinkohlenvorräten des Verbundbergwerks Prosper-Haniel.

Eine Säule aus 46.000 Kubikmetern Beton

An beiden Kirchhellener Standorten wird derzeit ohne Unterbrechung 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche Beton gemischt und in den Schacht geleitet. An Schacht 10 fällt der Beton auf ein eigens errichtetes Widerlager auf „halber Strecke“ und bildet dort einen festen Pfropfen. Darunter soll das Grubenwasser noch ungehindert fließen können.

Betonsäule verschließt den Grafenwälder Zugang zur Steinkohle für immer

Achim Flachmeier (l.) und Guido Dahmen schauen zu, wie das Förderband den Beton transportiert. © Petra Berkenbusch

Im Schacht 9 fällt der vor Ort in riesigen Mischmaschinen angerührte Beton über ein Förderband einfach in die Tiefe, ein sogenannter „freier Versturz“. In sechs bis acht Wochen soll die Säule aus 46.000 Kubikmetern Beton stehen. Spätestens nach 56 Tagen soll sie dann den erforderlichen Aushärtungsgrad erreicht haben, erklärte Guido Dahmen. Acht bis zehn Leute sind damit in drei Schichten rund um die Uhr beschäftigt.

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Unter Tage wurde gründlichst aufgeräumt

Bevor die das Füllmaterial aus Sand, Zement und Wasser herstellen durften, haben Bergleute unter Tage aufgeräumt - „geraubt“, sagen die Kumpel. Alles musste raus, bis zum letzten Kabel. „Da unten soll nichts bleiben, was eines Tages ins Grundwasser gelangen könnte“, berichtet Achim Flachmeier, einer der letzten Bergleute auf Prosper-Haniel.

Betonsäule verschließt den Grafenwälder Zugang zur Steinkohle für immer

Bergmann Achim Flachmeier war beim Pressetermin ein gefragter Gesprächspartner der Journalisten. © Petra Berkenbusch

Kabel, Material, Maschinen - alles wurde nach oben befördert, wird verkauft oder verschrottet. Rund 60 Bergleute haben daran noch gearbeitet, auch damit ist zum Ende des Jahres endgültig „Schicht am Schacht“.

Betonsäule verschließt den Grafenwälder Zugang zur Steinkohle für immer

Wenn der Bergbau sich zurückzieht, wird am Standort Vossundern nichts mehr an die Kohleförderung erinnern. Auch das Fördergerüst kommt weg. © Petra Berkenbusch

Irgendwann wird am Vossundern vermutlich nichts mehr an den Bergbau erinnern. Weder Gebäude noch das Fördergerüst erscheinen denkmalwürdig, sagt Bergwerkssprecher Michael Sagenschneider. „Das gilt für Prosper-Haniel in Bottrop hoffentlich nicht“, fügt er hinzu. Da klingt ein bisschen Wehmut mit.

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