So verkraften die Kühe in den Ställen die Hitzewelle

Was Landwirte tun

Während wir Menschen uns bei Temperaturen weit über 30 Grad einfach an einen schattigen Ort verziehen können, bleiben die Nutztiere in ihren Ställen zurück. Was Landwirte tun, um Tieren die Hitze erträglicher zu machen, erklären zwei Experten.

KIRCHHELLEN

, 10.07.2015, 15:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jana Kolbe besprach mit Friedrich Steinmann, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, und Hubertus Bollig, Auszubildender auf dem Hof von Bernhard Steinmann, was Landwirte unternehmen, um den Tieren die Hitze erträglicher zu machen.

Wir gönnen uns bei hohen Temperaturen eine Abkühlung im Freibad. Wie wirkt sich die Hitze auf die Tiere aus? Friedrich Steinmann: „Kühe fühlen sich zwischen 10 und 15 Grad am wohlsten. Sobald das Thermometer über 24 Grad anzeigt oder die Luftfeuchte über 65 Prozent ansteigt, geraten sie in Hitzestress.“ Hubertus Bollig: „Die Tiere leiden genau so wie wir Menschen unter der Hitze. An heißen Tagen suchen sie im Stall nach möglichst schattigen, kühlen Plätzen mit hoher Luftbewegung, wie etwa an Türen oder Fenstern.“

Können Kühe denn genau so schwitzen wie wir Menschen? Friedrich Steinmann: „Kühe können nicht schwitzen. Im Gegensatz zum Pferd wird man nie eine nassgeschwitzte Kuh im Stall stehen sehen. Sie haben, ähnlich wie Hunde, keine Schweißdrüsen. Deswegen fangen sie an zu hecheln und versuchen dadurch die Körpertemperatur zu regulieren.“ Hubertus Bollig: „Nur im Nacken-, Hals- und Flankenbereich kann man ab und zu feuchtes Fell feststellen. Ansonsten versuchen sie der Hitze durch möglichst wenig Bewegung und Schonhaltung im Liegen entgegenzuwirken.“

Gibt es für die Tiere denn nicht so etwas wie eine Kuh-Dusche? Hubertus Bollig: „Doch. Wir haben hier auf dem Hof nicht nur zwölf große Ventilatoren im Stall, die für eine bessere Luftzirkulation sorgen, sondern auch eine Berieselungsanlage direkt hinter den Futtergittern. Die kann die direkte Umgebungstemperatur der Tiere auf bis zu sechs Grad herunterkühlen.“

Und was können die Landwirte noch unternehmen? Friedrich Steinmann: „Die Tiere werden an so heißen Tagen nicht unnötig umgetrieben oder großem Stress ausgesetzt. Natürlich muss auch eine gute Wasserversorgung sichergestellt und das Futter etwas reduziert werden. Dadurch können die Kühe zwar weniger Milch produzieren, aber damit rechnen die Landwirte. Wir wollen ja in erster Linie, dass es den Tieren gut geht.“

Wie viel Liter Milch produziert so eine Kuh denn am Tag? Friedrich Steinmann: „Die Milchproduktion kann man mit der Arbeit von Hochleistungssportlern vergleichen. Eine Kuh produziert am Tag bis zu 50 Liter Milch. Das braucht natürlich einiges an Energie und kann in den Ställen auch dafür sorgen, dass es noch wärmer wird.“ Hubertus Bollig: „An heißen Tagen fällt die Milchleistung der Kühe ab. Das kann einen Unterschied von bis zu sechs Prozent ausmachen.“

Noch was anderes: Wenn Milch zu lange in der Hitze steht, wird sie sauer. Wie sieht das denn in den Eutern der Kühe aus? Friedrich Steinmann: „Also sauer wird die Milch in den Eutern der Kühe natürlich nicht. Eigentlich hat die Hitze keine negative Auswirkung auf die Qualität der Milch. Manchmal kann man eine geringe Veränderung der Milchinhaltsstoffe, beispielsweise einen höheren Fettgehalt, feststellen, aber das ist nur sehr selten.“

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