Alle elf Minuten ein Lkw: Geplante Verfüllung von Prosper Haniel verärgert Anwohner

rnEnde des Bergbaus

Bei einem Informationsgespräch informierte die RAG Anwohner über die Pläne, den Schacht 9 von Prosper Haniel zu verfüllen. Die geplante Route für Zulieferer traf dabei auf wenig Gegenliebe.

Kirchhellen

, 12.07.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im vergangenen Jahr endete das Kapitel Bergbau in der Geschichte des Ruhrgebiets mit der Schließung der Zeche Prosper Haniel. Seitdem ist man in den Bottroper Schächten mit dem Rückbau beschäftigt. Die Arbeiten am Schacht 9 in Grafenwald werden Ende Juli in die letzte Phase gehen.

Denn dann beginne die RAG mit der Verfüllung des Schachts, erklärte Bergwerksdirektor Thomas Telsemeyer den am Donnerstagnachmittag (11. Juli) versammelten Anwohnern der ehemaligen Förderanlage. Diese waren Tage zuvor direkt an der Haustür von Mitarbeitern der RAG zu der Informationsveranstaltung in der alten Waschkaue der Anlage eingeladen worden.

Man wollte das Unternehmen sichergehen, dass alle 107 Haushalte in der Umgebung des Bergwerks informiert sein würden. Denn die geplanten Verfüllungsarbeiten in den nächsten Monaten bedeuten einen großen Einschnitt in ihren Alltag.

Kontinuierliche Arbeiten am Schacht 9

„Sobald wir mit den Arbeiten beginnen, müssen diese bis zu ihrem Abschluss unentwegt durchgeführt werden. Das bedeutet 24 Stunden, sieben Tage die Woche in den nächsten Monaten, wenn es sein muss“, sagte Telsemeyer vor den knapp 50 versammelten Personen. Andernfalls könne es für die Anwohner gefährlich werden, da man die Entwicklung von Grubengas nicht ausschließen könne.

Um diese unvermeidbare Belastung für die Menschen vor Ort so gering wie möglich zu halten, hatte die RAG schon vorgeplant. „Für die Verfüllungsarbeiten benötigen wir ungefähr 56.000 Tonnen Sand und knapp 16.000 Tonnen Zement. Den Sand wollen wir bereits im Vorfeld aus der Kirchhellener Heide auf das Gelände schaffen“, so Telsemeyer.

55 Lkw am Tag

Wochentags sollen in den nächsten zweieinhalb Monaten von 7 bis 17 Uhr ungefähr 55 Lkw den Sand zum Schacht schaffen. Das würde bedeuten, dass sich fast alle elf Minuten ein Schwerkrafttransporter auf den Weg macht, die täglich fahrenden 25 bis 30 Anlieferungen von Zement nicht mitgerechnet.

Kaum hatte Thomas Telsemeyer seinem Publikum diese Neuigkeit eröffnet, kühlte die Stimmung merklich ab. Und das lag nicht an der undichten Waschkaue, in die es inzwischen reinregnete. Vielmehr richtete sich der Unmut der Anwohner gegen die geplante Route für die Lkw.

Lkw-Route gefällt Anwohner nicht

Die verläuft nämlich auf dem Hinweg von der Bottroper Straße aus über Vossundern bis zum Zechengelände. Für die Anwohner sei dies „eine Zumutung“, hieß es aus dem Publikum. Bereits jetzt sei der Durchgangsverkehr in der Straße durch die Großbaustelle an der Schneiderstraße (DZ+) spürbar stärker geworden.

Zudem seien viele Autofahrer durch die Parksituation vor Ort gezwungen, ihre Wagen an der Fahrbahn abzustellen. Dadurch würde die ohnehin schon schmale Fahrspur spürbar verengt. „Teilweise kann man wegen der parkenden Autos nur einspurig fahren“, meinten Anwohner. Sollten jetzt noch im Minutentakt Lkw dort hindurch fahren, wäre eine Verstopfung der Straße vorprogrammiert, so ihre Befürchtungen.

(So sieht der Hinweg der Lkw zum Schacht 9 aus.)

Alternative Vorschläge aus dem Publikum

Die Anwohner boten vor Ort auch spontan alternative Routen an, die nicht über „Vossundern“ führen würden. Diese musste Guido Dahmen, Leiter der für die Verfüllung zuständigen RAG Verkauf, jedoch alle ablehnen. Der Vorschlag etwa, wie auf dem Rückweg die Fernewaldstraße zu benutzen, sei nicht realisierbar, da die Lkw auf dem Hinweg schlichtweg zu schwer seien. Die Brücke über den die Straße kreuzenden Bach würde dem Gewicht der mit Sand befüllten Lastwagen nicht standhalten.

(Das ist der Rückweg der Lastwagen.)

Auch ein Zugang von hinten auf das Gelände sei nicht möglich. Dort gebe es keine befestigte Straße und man müsse so durch Schotter fahren, meinte Dahmer. Der dadurch aufgewirbelte Staub würde die Tier- und Pflanzenarten im nahegelegenen Wald gefährden. Zu diesem Zweck sei auch eine Artenschutzprüfung durchgeführt worden, hieß es von der RAG.

Das konnte die Stadt Bottrop auf Anfrage der Redaktion bestätigen. Sie gab an, dass es in der Gegend zu Krötenwanderungen kommen würde und sich schützenswerte Bäume dort befänden.

RAG verspricht zu haften

Doch auch andere Fragen beschäftigten die Anwohner. So etwa mögliche Straßenschäden, die vom regen Gebrauch der Fahrbahn durch die Laster verursacht werden könnten, und inwieweit die RAG sich in diesem Fall an den anfallenden Straßenbaubeiträgen beteiligen würde. Guido Dahmer versicherte, dass die RAG während der Verfüllungsarbeiten mit einem Ingenieurbüro zusammenarbeite, das den Zustand der Straße strengstens dokumentieren werde. Für selbst verschuldete Schäden wolle die RAG aufkommen, versicherte er.

Auch die Sorge um das Eigentum konnte Guido Dahmer nehmen. Einige Anwohner zeigten sich besorgt, was der bei den Arbeiten anfallende Staub etwa mit ihren Autos anstellen würde. Auch hier versprach Dahmer, dass die RAG für mögliche Schäden aufkomme.

Stadt bittet um Verständnis

Obwohl von der Stadt Bottrop kein Vertreter am Nachmittag vor Ort war, erfuhr die Redaktion auf Anfrage von Stadtsprecher Andreas Pläsken, dass sie über die Pläne der RAG informiert sei. „Wir verstehen die Sorgen der Bürger, bitten aber auch um Verständnis, dass die Arbeiten unumgänglich sind. Wir haben bereits in den letzten Monaten gelernt, dass manche Menschen sich sonst unberechtigt Zutritt zu den Schächten verschaffen“, sagte Pläsken mit Verweis auf die YouTuber, die Ende April in einen Schacht (DZ+) eindrangen.

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