Wolfssichtung in der Kirchheller Heide: Daran wurde das Tier erkannt

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Forstwissenschaftler Johannes Gerst machte Anfang August in seinem Hochsitz eine sensationelle Entdeckung: Ein Wolf streifte durch die Heide. So hat er das Tier erkannt.

Kirchhellen

, 14.08.2019, 13:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollte Johannes Gerst an dem Abend im frühen August nur eine routinemäßige Kontrolle des Wildtierbestands in der Kirchheller Heide machen, als er auf seinem Hochsitz von einem Tier überrascht wurde, mit dem er nicht gerechnet hätte: einem Wolf.

Plötzlich taucht ein Wolf auf

„Das Tier war ganz plötzlich in meinem toten Winkel aufgetaucht“, erzählt der Forstwissenschaftler. „Als ich aufgeschaut habe, stand es auf einmal einfach da. Zunächst konnte ich aus der Entfernung jedoch nichts erkennen.“ Ein Blick durch das Fernglas ließ bei Gerst die Vermutung aufkommen, dass es sich um einen Wolf handeln könnte.

Nachdem er das Tier längere Zeit beobachtet hatte, erhärteten einige Indizien Johannes Gersts anfänglichen Verdacht: „Zum einen war da das Größenverhältnis. Ein Fuchs oder Goldschakal, der mittlerweile aus Österreich und Italien zu uns kommt, ist deutlich kleiner. Und zum anderen stimmte für einen Hund die Gangart einfach nicht. Ein Wolf benutzt beim Laufen mehr seine Beingelenke, während Hunde mehr mit den Fußballen abrollen“, erklärt er.

Erste Wolfssichtung in der Kirchheller Heide seit 100 Jahren

Daraufhin habe er sofort sein Handy gezückt und ein Video von dem Wolf gemacht. „Das war eine einmalige Gelegenheit. Ich war selbst ganz aufgeregt“, sagt Gerst. So ist doch seine Sichtung die erste Beobachtung eines Wolfes in der Kirchheller Heide seit 100 Jahren.

Gerst geht übrigens stark davon aus, dass es sich bei dem Wolf um Gloria von Wesel handelt. Die Kirchheller Heide liegt nämlich mitten im Revier der Wölfin, dem Wolfsgebiet Schermbeck. Seit ihrem Auftauchen in Schermbeck-Bricht im vergangenen Jahr konnten bislang immer nur Spuren von Gloria im Gebiet gefunden werden. „Dass jetzt plötzlich noch ein Wolf auftaucht, wäre schon sehr ungewöhnlich“ sagt Gerst.

Vermutlich Wölfin Gloria von Wesel

Vollkommen sicher, dass es sich bei dem Wolf um Gloria handelt, könne man jedoch erst sein, wenn man DNA-Proben miteinander vergleiche. Zu diesem Zweck wurde eine vom Wolf gefundene Losung ins Labor geschickt. „Ob man damit jedoch noch viel anfangen kann, ist fraglich“, meint Gerst. „Die Losung war schon sehr ausgetrocknet, als wir sie gefunden haben.“

Da der Wolf an sich ein sehr scheues Tier ist, besteht für Besucher der Kirchheller Heide keine akute Gefahr. Sollte es dennoch zu einer Begegnung mit einem Wolf kommen, hat der zuständige Regionalverband Ruhr folgende Tipps parat:

  • Man sollte nicht versuchen, sich dem Wolf zu nähern, ihn anzufassen oder zu füttern.
  • Auch sollte man nicht panisch weglaufen, da so der Jagdinstinkt des Tiers geweckt wird. Am besten bleibt man stehen und wartet ab, bis sich der Wolf zurückzieht.
  • Wer selbst den Abstand zum Wolf vergrößern möchte, sollte nur sehr langsam rückwärtsgehen.
  • Man kann den Wolf auch vertreiben, indem man laut auf sich aufmerksam macht, etwa durch Händeklatschen oder lautes Sprechen.
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