Impfstoff von Biontech wird im Kühlschrank gelagert, bis er zum Einsatz kommt. Ein unbemerkter Stromausfall hat im Recklinghäuser Kreishaus dafür gesorgt, dass 3000 Dosen vernichtet werden mussten. © picture alliance/dpa
Corona

Stromausfall im Kreishaus: 3000 Dosen Biontech müssen vernichtet werden

Das Malheur brachte sogar geplante Impfaktionen kurzfristig in Gefahr. Aber dann gab es doch rechtzeitig Ersatz. Der Kreis hat nur einmal in der Woche die Möglichkeit, Impfstoff zu bestellen.

Wegen eines Stromausfalls im Recklinghäuser Kreishaus sind am Wochenende 3000 Dosen Biontech-Impfstoff verdorben und mussten vernichtet werden. Kurzfristig waren sogar geplante mobile Impfaktionen in Gladbeck und Oer-Erkenschwick in Gefahr.

Noch forscht die Kreisverwaltung nach dem Grund für den Stromausfall, der sich in der Nacht zum Samstag ereignete. Als der Blackout bemerkt wurde, war schon alles zu spät. In dem Kühlschrank, in dem das Vakzin gelagert wurde, war die Temperatur bereits auf 15 Grad angestiegen, wie Landrat Bodo Klimpel erläutert. Auch das Notstromaggregat sei nicht angesprungen, bedauert der Verwaltungschef.

Impfstoff soll demnächst dezentral gelagert werden

Unterstützung kam schließlich aus Dortmund und Bottrop. Die beiden Städte stellten dem Kreis Recklinghausen Impfdosen zur Verfügung, ebenso wie eine Apotheke in Gladbeck. So konnte am Samstag zum Beispiel eine große Sonderimpfaktion in der Stadthalle Gladbeck doch noch über die Bühne gehen. Knapp 500 Menschen holten sich dort eine Dosis ab – von der Erst- bis zur Booster-Impfung. Als Konsequenz aus dem Malheur will die Kreisverwaltung den Impfstoff demnächst dezentral in mehreren Gebäuden lagern, kündigt Landrat Klimpel an.

Kreis kann Biontech nicht mehr garantieren

Der Kreis hat nur einmal in der Woche die Möglichkeit, beim Land NRW Impfstoff zu ordern. Die Bestellung erfolgt immer am Dienstag und wird in der darauf folgenden Woche ausgeliefert. Ab der nächsten Woche sollen im Vest auch die ersten stationären Impfstellen an den Start gehen. Doch die Zusage, dass überwiegend mit Biontech immunisiert wird, kann der Kreis nicht mehr einhalten, wie Patrick Hundt, Leiter der Impfkoordination, berichtet. Der Grund: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Biontech rationieren, um eingelagerte Moderna-Impfdosen vor dem Verfall-Datum zu retten. Die Ankündigung des Ministers ist in Politik und Ärzteschaft auf scharfe Kritik gestoßen.

Kapazitäten des Impfzentrums werden schmerzlich vermisst

Die Verantwortlichen im Kreishaus bedauern es längst, dass das Impfzentrum auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen wegen der Ende September ausgelaufenen Finanzierung durch das Land abgebaut werden musste. In der riesigen Leichtbauhalle konnten sich täglich bis zu 2500 Menschen ihren Piks in den Oberarm abholen; Kapazitäten, die jetzt – da das Boostern richtig Fahrt aufnehmen soll – schlichtweg fehlen. In den vestischen Arztpraxen sind die Impftermine jedenfalls teilweise auf Monate ausgebucht.

Laut Erlass der Landesregierung sollen jetzt auch die Kommunen wieder ins Impfgeschehen eingreifen. Der Kreis Recklinghausen ist aktuell dabei, Strukturen für feste Impfstellen in den Städten zu schaffen. Die erste soll am Samstag, 20. November, in Oer-Erkenschwick in den Räumen des DRK ihre Pforten öffnen. Weitere Impfstellen werden in Dorsten im Altstadttreff am Hauptbahnhof, in Gladbeck zentral in der Innenstadt, in Herten beim DRK an der Gartenstraße, in Marl im Einkaufszentrum Marler Stern, in Recklinghausen beim DRK an der Kölner Straße sowie zentral in der Innenstadt eingerichtet. Darüber hinaus, so der Kreis, laufen mit den Städten Gespräche über weitere stationäre Impfstellen.

Dem Kreis werden von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) täglich 14 Ärztinnen und Ärzte für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt. Nach Angaben von Patrick Hundt stehen weitere pensionierte Mediziner zur Mitarbeit bereit. Ziel sei es, jeden Tag 1200 Impfdosen zu verabreichen. Dabei werde es Angebote mit und ohne Terminvergabe geben.

Booster-Impfung gibt es beim Kreis erst nach sechs Monaten

Bei Impfwilligen, die sich in den stationären Anlaufstellen eine Auffrischung (Booster) abholen möchten, sollte allerdings der Zeitpunkt der vollständigen Corona-Impfung – mit wenigen Tagen Toleranz – wenigstens sechs Monate zurückliegen. Wer schon nach vier oder fünf Monaten kommt, läuft Gefahr, abgewiesen zu werden. „Wir halten uns da an die Empfehlung der Stiko“, sagt Patrick Hundt.

Über den Autor
Redakteur Regionales
Geboren 1960 in Haltern am See, aufgewachsen in Marl und jetzt wohnhaft in Dorsten: Ein Mensch, der tief verwurzelt ist im Kreis Recklinghausen und dort auch seit mehreren Jahrzehnten seine journalistische Heimat gefunden hat. Schwerpunkte sind die Kommunal- und Regionalpolitik sowie Wirtschafts- und Verbraucherthemen.
Zur Autorenseite
Avatar

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.