Auf der Messe für Autonarren räkelt Alexia sich als GoGo-Girl, was einen Fan schwer in Wallung bringt. © Koch-Films
„Titane“ im Kino

Der Cannes-Sieger „Titane“ entführt in eine Welt aus Sex und Gewalt

Der Film „Titane“, der Sieger des Wettbewerbs beim Filmfestival in Cannes, entführt uns in eine bizarre Welt aus Sex und Gewalt. Aber dder Film ist nichts für Zartbesaitete.

Mutig von der Jury, Julia Ducournaus „Titane“ mit der Goldenen Palme von Cannes zu prämieren. Der Film ist provokant bizarr und brutal, streckenweise eine Zumutung und nichts für Zartbesaitete. Als hätten David Cronenberg („Crash“) und der Quentin Tarantino aus „Death Proof“ eine Geistesverwandte gefunden.

Die Antiheldin in „Titane“ heißt Alexia (Agathe Rousselle), sie liebt Autos (sogar körperlich) und steckt voller Wut. Ihr Kopf tickt jedenfalls seltsam, nach einem Autounfall trägt sie ein Schädelimplantat aus Titan.

Lust und Mordlust prägen die Handlung

Lust und Mordlust liegen dicht beieinander bei ihr. Eben noch küsst sie ihre Gespielin, dann sticht sie zu. Dem Rest der Mitbewohner ergeht es nicht anders. Als GoGo-Girl räkelt Alexia sich auf Autos, nach dem Event mit Miezen und Motoren folgt ihr ein zudringlicher Fan. Dem rammt sie ihre Haarnadel ins Ohr. Frauen können auch brutal, scheint Julia Ducournau zu sagen.

Wer das befremdlich krank findet, wird später noch mehr schockiert. Die Polizei fahndet nach einer Serienmörderin, Alexias Phantombild ist gut getroffen. Sie will sich tarnen und greift zu drastischen Mitteln. Sie schneidet ihr Haar, bandagiert ihre Brüste – und bricht sich die Nase.

Sie wechselt die Identität: Plötzlich wird die Frau zum Feuerwehrmann

So geht sie durch als jahrelang vermisster Sohn eines Feuerwehrmannes (Vincent Lindon). Der glaubt, in der malträtierten Alexia sein Kind zu erkennen und nimmt sie bei sich auf. Es folgt eine denkwürdig schräge Gender-Crossing-Geschichte, bei der eine Frau zum Feuerwehrmann wird.

Mit einem „Vater“ auf Steroiden, dem es egal ist, wen er da päppelt. Hauptsache, er ist nicht allein. Mit einem „Sohn“, dessen Bauch immer runder wird, dessen Blut wie Motoröl aussieht.

Verwundete Seelen finden am Schluss Liebe und Trost

Ein radikales Manifest, eine Filmfantasie, die ihre Figuren und uns durch ein Fegefeuer schickt. Dahinter wartet die Erlösung, verwundete Seelen finden Liebe und Trost. Tief in „Titane“ steckt eine Poesie, wie sie schwärzer und schmerzlicher kaum sein kann. Ein Film, den man erleidet, aber nicht vergisst.

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Kultur-Redaktion
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