Marguerite de Carrouges (Jodie Comer) hat einen Ritter der Vergewaltigung bezichtigt. Sie will Gerechtigkeit und erzwingt einen Schaukampf, bei dem auch ihr Leben auf dem Spiel steht. Der Film startet Donnerstag im Kino. © 21st Century Fox
Ab dem 14. Oktober neu im Kino

Der Film „The Last Duel“ erzählt ein „Metoo“-Drama aus dem Mittelalter

Ridley Scotts „The Last Duel“ beruht auf einer verbürgten Geschichte und erzählt von einem Zweikampf aus verletzter Ehre im alten Frankreich: Ein „Metoo“-Drama aus dem Mittelalter.

Der klassische Ritterfilm handelt von Männern, die in den Krieg ziehen und Burgen belagern, von Königen, die auf Land und Ruhm aus sind. Hauen und Stechen ist angesagt.

Manchmal spielt auch die Minne, also das Werben um die holde Maid, eine Rolle, oft genug nimmt sich der ach so edle Ritter einfach die Frau, die ihm gefällt. Konsequenzen hat das nicht, ist er doch ein Mann von Stand.

Eine Frau wehrt sich gegen ihren Peiniger

Anders in Ridley Scotts neuem Film „The Last Duel“ nach dem Drehbuch von Matt Damon, Ben Affleck und Nicole Holofcener: Da macht eine verheiratete Adlige (Jodie Comer als Marguerite) öffentlich, dass der Ritter Jacques Le Gris (Adam Driver) über sie hergefallen ist. Eine Frau, die nicht schweigt, sondern sich wehrt. Ein „Metoo“-Sujet aus dem Mittelalter, Zeitgeist unserer Tage im Gewand eines Historienschinkens. Ritter, Frau und Frevel – das setzt das Genre auf ungewohnt neue Gleise.

Zur Emanze taugt Marguerite aber nicht, sie bleibt ein Kind der Männerwelt des 14. Jahrhunderts. Ihr Mann Jean de Carrouges (Matt Damon) verteidigt weniger ihre als seine Ehre und die Ehre seines Hauses.

Ein Nein ist ein Nein – doch noch immer nicht selbstverständlich

Dass das Nein einer Frau als klare Absage an den Mann gilt, ist eine Selbstverständlichkeit, um die Frauen heute immer noch kämpfen. Somit steht Marguerite in einer Linie, die sehr wohl bis in die Moderne reicht.

Und sie sagt mehr als einmal Nein, als Le Gris unter einem Vorwand die verwaiste Burg der Carrouges‘ betreten hat. Und zudringlich wird: „Ich liebe Dich und weiß, dass Du mich liebst!“ Er macht sich über sie her, ein unausgesprochenes „Du willst es doch auch“ steht im Raum, das Mantra der rabiaten Kerle.

Jacques Le Gris (Adam Driver, l.) und Jean de Carrouges (Matt Damon) werden im Duell die Lanzen kreuzen.
Jacques Le Gris (Adam Driver, l.) und Jean de Carrouges (Matt Damon) werden im Duell die Lanzen kreuzen. © 21st Century Fox © 21st Century Fox

Ridley Scott zeigt den Vorfall und seine Vorgeschichte aus drei jeweils leicht abweichenden Perspektiven, eine Erzähltechnik, die auf Kurosawas „Rashomon“ zurückgeht. Zur Wahrheit gehört, dass Marguerite den Unhold Le Gris erst sympathisch fand, weil er viel kultivierter ist als ihr Mann, der im Kampf auftrumpft, sonst aber wenig sensibel daherkommt.

Abseits der Vergewaltigung entrollt „The Last Duel“ ein Sittenbild der Feudalgesellschaft zur Zeit des hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England. Kostüme, Ausstattung, Burgen und Prunksäle wurden detailverliebt hergerichtet. Ritter ziehen in die Schlacht, buhlen um die Gunst von Fürst und König, Frauen haben männliche Erben zu gebären.

Um die Mitgift seiner Frau und das Amt des Vaters gebracht

Matt Damons Jean (Vokuhila-Frisur und stumpfe Mimik) wurde vom Lehnsherren (Ben Affleck) um die Mitgift seiner Frau und um das Amt seines Vaters gebracht. Als er Le Gris verklagt, wendet er sich lieber an den König. Aussage steht gegen Aussage, ein Duell als Gottesurteil muss her. Unterliegt Jean, stirbt auch Marguerite.

Das Duell zeigt das alte Frankreich von seiner viehischen und brutalen Seite. „No country for young women“ – kein Land (und kein Zeitalter) für wehrlose junge Frauen.

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