Daniel Craig ist in „Keine Zeit zu sterben“ zum letzten Mal als James Bond zu sehen. © Universal
Der neue 007-Film ist ab dem 30. September im Kino zu sehen

Der neue Bond ist ein Drama und emotionales Finale für Daniel Craig

Sechs Jahre mussten Bond-Fans auf ein neues 007-Abenteuer warten. Corona hat den Filmstart anderthalb Jahre verschoben. Nun läuft „Keine Zeit zu sterben“ an. Das Warten hat sich gelohnt.

Der neue Bond „Keine Zeit zu sterben“ dauert 163 Minuten und zeigt einen Daniel Craig, wie wir ihn lieben. Mal knallhart, dann überraschend gefühlig.

Der Film zündet Action, zeigt rasante Verfolgungsjagden, die nicht unbedingt sensationell, aber doch spannend und ansprechend sind.

Das Finale des Film ist eine Sensation, die man nicht vergessen wird

Der Filmbeginn ist Romantik pur, die Geigen in der Filmmusik von Hans Zimmer tönen süßlich und klingen schwer nach Mantovani.

Die eigentliche Sensation und der Grund, warum man diesen Film nicht vergessen wird, liegt im Finale, wo der Film eine Bombe zündet, die wirklich sensationell. – Ein Paukenschlag, der bei den Fans lange nachhallen wird.

Eine Verschwörung will die ganze Welt auslöschen

Bond bekommt es zu tun mit einer Verschwörung, die die ganze Welt auslöschen will, mit einer Biowaffe, die in falsche Hände gerät. Der Showdown spielt auf einer Insel zwischen Japan und Russland, wo Bond aufs Ganze geht.

An Craigs Seite spielt Léa Feydoux, mit der Bond in Italien turtelt, bevor sich ihre Wege trennen müssen.

In seinem fünften und letzten Bond zeigt sich Daniel Craig von einer erstaunlich sentimentalen und emotionalen Seite, wie man sie bei der Figur noch nie gesehen hat. Der Film markiert auch den Triumph eines Darstellers, der 2005 erst einmal von vielen abgelehnt und angefeindet wurde.

Daniel Craig wirkte anfangs wie ein Terrier in der Rolle des Bond

Als 2005 bekannt wurde, dass Daniel Craig (damals 37), der neue Bond sein würde, waren viele gespannt und wenige begeistert. Das soll ein „Ladykiller“ und Gentleman sein? Er sieht ja aus wie ein Preisboxer, ein Terrier, ein Straßenköter!

16 Jahre später nörgelt keiner mehr. Im Gegenteil. Daniel Craig ist mitverantwortlich, dass die Marke Bond mächtig Kasse macht, vier Filme mit ihm spielten 3,1 Milliarden Dollar ein.

Daniel Craig brachte Schweiß und Härte mit in die Rolle

Roger Moore oder Pierce Brosnan waren schöne, distinguierte „Aristocats“, aber irgendwie pomadig, wie sie lässig ihren Agentenjob machten und Sprüche klopften. Deren Bond war „Camp“ im Sinne von Susan Sontag: theatralisch, ironisch zwinkernd, überdreht und verspielt – nicht wirklich ernst zu nehmen.

Dann kam der Terrier und sorgte für neuen Biss. Daniel Craig brachte Schweiß, robuste Körperlichkeit und eine knackige Härte mit, die uns um den Mann zittern ließ, vergessend, dass 007 niemals stirbt. Seine Schlägereien waren brutaler als alles, was man von Bond kannte. Craigs physisches Spiel holte 007 aus dem Wolkenkuckucksheim in die raue Wirklichkeit – soweit das im Supadupa-Agenten-Genre eben geht.

Die Figur aus dem Jahr 1962 bekam eine Frischzellenkur

Die Kritiken zu „Casino Royale“ (2006) waren überschwänglich, ein Triumph für Craig und die Produzenten, die eine Frischzellenkur für eine Figur aus dem Jahr 1962 gefunden hatten.

Natürlich machte der Prügelknabe Craig auch als Salonlöwe im Smoking eine gute Figur. Eleganz, Stil, teure Uhren, schicke Autos müssen halt jedem Bond stehen, wo bliebe sonst die Produktplatzierung?

Mit dem Neuen wurde James Bond immer menschlicher. In „Casino Royale“ verliebt er sich, will für seine Herzensdame den Dienst quittieren. Sie ertrinkt, er kommt zu spät, tragisch.

So viel Privates wie in „Ein Quantum Trost“ gab es noch nie

„Skyfall“ (2012), Craigs dritter Bond (nach „Ein Quantum Trost“, 2008), thematisiert sogar James‘ Kindheit und den Tod seiner Eltern. Der Showdown spielt im Haus seiner Jugend, er trifft seinen Ziehvater. So viel Privates gab‘s noch nie.

In „Spectre“ (2015) beweist Bond, dass digitale Systeme Agenten wie ihn nicht obsolet machen. Motto: Wir brauchen immer noch Kerle, die hart zupacken. Und die älteste Filmreihe der Welt brauchte genau einen wie Daniel Craig.

Die Bond-Macher ehren ihn mit einem denkwürdigen Abgang, wie ihn noch kein James-Bond.

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