„Der Räuber Hotzenplotz“ Wer lauert da im Wald?

Nicholas Ofczarek liegt als Räuber Hotzenplotz auf der Lauer und hat die beschriftete Kiste („Vorsicht, kein Gold“) eben entdeckt. Der Plan der Jungs Seppel und Kasperl geht auf, der Schuft unterm Schlapphut ist interessiert.
Nicholas Ofczarek liegt als Räuber Hotzenplotz auf der Lauer und hat die beschriftete Kiste („Vorsicht, kein Gold“) eben entdeckt. Der Plan der Jungs Seppel und Kasperl geht auf, der Schuft unterm Schlapphut ist interessiert. © Studiocanal GmbH
Lesezeit

Gert Fröbe hat ihn 1974 gespielt, Armin Rohde 2006, jetzt ist Nicholas Ofczarek unter den Schlapphut des Räubers Hotzenplotz geschlüpft.

Einer wie Ofczarek kann so ziemlich alles spielen, Fieslinge, Schaumschläger, Großkotze, traurige Helden, auch als Hotzenplotz bringt er solche Facetten wunderbar ein.

Diehl als Zauberer

Der Österreicher ist nicht der einzige, der in Michael Krummenachers Neuverfilmung von „Der Räuber Hotzenplotz“ schöne Duftmarken als Darsteller setzt.

August Diehl tritt als Zauberer Petrosilius Zwackelmann an. Hinter schaurig schrägem Zahnverhau findet er genau die richtige Balance zwischen bedrohlichem Butzemann und lächerlicher Knallcharge.

Olli Dittrich ist der Wachtmeister

Zum patent spielenden Ensemble zählen Olli Dittrich (Wachtmeister Dimpfelmoser vom königlich bayrischen Amtsschimmel), dazu Gabriele Paul (die magiebegabte Frau Schlotterbeck) und Hedi Kriegeskotte, die als Großmutter zu sehen ist.

Die Oma ist das erste Opfer unseres Räuberhauptmanns ohne Gefolge. Der Schuft wagt sich aus dem Wald in ihren Garten und nötigt sie zur Herausgabe einer Kaffeemühle, die Musik spielen kann.

Wo ist Hotzenplotz?

Ein Geschenk, das Seppel (Benedikt Jenke) und Kasperl (Hans Marquardt) extra für die Oma gebastelt haben. Hasenfuß Seppel und Draufgänger Kasperl bilden ein Tandem, mit dem sich Kinder gleichermaßen gut identifizieren können.

Die weitere Handlung folgt den ersten beiden Hotzenplotz-Büchern, die Rakete der Jungs kommt aber auch vor. Dimpfelmoser, der bräsige Pedant, nimmt bei der Oma den Tatbestand auf, hat aber außer Beamten-Blabla nichts anzubieten: „Wir wissen nicht, wo Hotzenplotz steckt.“

Seppel und Kasper haben einen Plan. Mit einer beschrifteten Kiste („Vorsicht, kein Gold“) gehen sie in den Wald und spekulieren auf des Räubers Habgier. Hotzenplotz beißt an, zückt seine Pfefferpistole und überfällt die beiden.

Was die Kiste so schwer macht, sind keine Nuggets, sondern Sand. Der rieselt und rieselt und legt eine Spur, die direkt zur Räuberhöhle führt.

Romantisches Märchenflair

Alles dicht an Preußler erzählt, eingebettet in das romantische Märchenflair einer guten alten Zeit, die man anhand von Dimpflmosers Uniform und Pickelhaube ins frühe 20. Jahrhundert datieren kann.

Zauberer Zwackelmann in seinem Hexerturm (der aussieht wie ein kariöser Zahnzacken) ist eher ein Kind des Mittelalters, was hier nahtlos zusammengeht. Auftritt August Diehl, der schön aufdreht: Er rollt überkandidelt mit den Augen, sabbert feucht beim Reden und bewegt sich seltsam krank durch seine Festung.

Eine zauberhafte Verfilmung

Zwackelmann kommandiert per Hexerei allerlei schwebende Gerätschaften, was dem Film einen leichten Potter-Touch beschert. Doch an Kartoffeln scheitert seine Magie. Gut, dass der Hotzenplotz ihm diesen Jungen verkaufte, soll der halt die Kartoffeln schälen.

Magisch-fantastisch wird es, wenn der Hexer auf seinem Mantel gen Buxtehude fliegt. Wenn Unken sprechen und Feenkraut Kasperl unsichtbar macht.

Ausstattung und Kostüm haben malerischen Retro-Look, das Städtchen mit Fachwerk und Straßenpflaster verströmt die Gemütlichkeit von anno Tobak, als gute Märchen noch ohne Lichtschwerter auskamen. Eine zauberhaft gelungene Preußler-Verfilmung.