Clint Eastwood (92) spielt den alten Mike, der noch eine Aufgabe zu erfüllen hat. © Warner Bros
Von und mit Clint Eastwood

Im neuen Film „Cry Macho“ räumt ein alter Cowboy mit dem Machismo auf

Auch mit seinen 92 Jahren steht Clint Eastwood noch vor und hinter der Kamera. So auch für seinen neuen Film „Cry Macho“, der uns einen Feelgood-Streifen mit Westernatmosphäre serviert.

Hoppla, wie klingt denn Clint Eastwood? Knarziger und brüchiger als gewohnt. Ein neuer Synchronsprecher? Nach Stimmvergleich scheint es aber doch Jochen Striebeck zu sein, der Eastwood in „Cry Macho“ sein Organ leiht, wie er das seit „Gran Torino“ (2008) tut.

Vielleicht ist sein deutscher Synchronklang auch Eastwoods Alter geschuldet, der Mann ist schließlich 92 Jahre alt. Aber immer noch produktiv als Regisseur und Darsteller. So in „Cry Macho“, wo Eastwood den betagten Pferdetrainer und Ex- Rodeo-Star Mike Milo spielt.

Das alte Eisen soll den Sohnemann des Chefs finden

Sein Boss (Dwight Yoakam) sortiert Mike als Alteisen aus, hat aber einen Auftrag für ihn. In Mexiko soll er den Sohn des Chefs finden und nach Texas holen. So fährt ein alter Cowboy über die Grenze und in Begleitung zurück: „Cry Macho“ ist auch Roadmovie, aber ein stark entschleunigtes.

Vorlage ist ein Roman von N. Richard Nash, auch Co-Autor des Drehbuchs. Der Mike des Romans zählt knapp 40 Jahre. Wird er von einem Großvater verkörpert, kippt manche Wendung unfreiwillig ins Lächerliche. Dass der klapperdürre Methusalix noch Schlag bei den Frauen hat, ist mehr als wunderlich.

Die Turtelei mit einer freundlichen Witwe wirkt bemüht

Will die Mutter des mexikanischen Jungen den Opa etwa ins Bett lotsen? Seine Turtelei mit einer freundlichen Witwe wirkt ebenfalls bemüht. Auch als Bändiger wilder Pferde geht Eastwood nur dank Filmschnitt und Stunt-Double durch.

Warum Eastwood den Stoff adaptierte, scheint klar: Er passt gut in ein Alterswerk, das von Menschenfreundlichkeit geprägt ist, vom Glauben an Solidarität und Brüderlichkeit. So gesehen ist „Cry Macho“ eine Variation von „Gran Torino“: Ein Alter nimmt einen Jungen unter seine Fittiche.

Auch der Hahn „Macho“ muss mit dabei sein

Der angeblich so widerborstige Rafa (Eduardo Minett) sagt erstaunlich schnell Ja, als Mike ihm ein Leben in Texas ausmalt. Rafas Hahn „Macho“ muss mit. Unterwegs referiert Mike über den Blödsinn des Machismo. Es dürfte eins zu eins Eastwoods Credo sein, der seit Langem sensible Kerle in harter Schale spielt, die geknackt werden will.

Eine erzählerisch schlichte Feelgood-Moritat von mäßiger Spannung, die mit Western-Atmosphäre aufwartet. Bestimmt nicht sein stärkstes Werk, aber hey, es ist Clint Eastwood.

Über den Autor
Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
Zur Autorenseite
Avatar