Die Corona-Krippe von Franz-Josef Hartmeyer aus Warendorf: Das Museum Religio in Telgte hat sie sofort angekauft. © Museum Religio
Dezember-Lockdown

In den Museen stehen Geister-Ausstellungen

In vielen Museen sind neue Ausstellungen fertig aufgebaut. Aber sie sind geisterhaft leer, denn niemand darf kommen. Besonders betroffen ist eine traditionsreiche Krippen-Schau.

„Hängen im Schacht“ sagt man im Bergbau, wenn sich der Förderkorb mit den Bergleuten nicht mehr bewegt. Das ist ein Problem ähnlich dem Steckenbleiben im Fahrstuhl. Und genauso geht es derzeit den Museen der Region – allen voran dem „Religio“ in Telgte.

Hier ist seit 30. Oktober die 80. Krippenausstellung unter dem Titel „Geheimnis der Heiligen Nacht“ aufgestellt. Drei Tage war geöffnet, nun dürfen Gäste bis 20. Dezember nicht mehr hinein. Dabei gehört für viele Familien gerade diese Schau zur Adventszeit dazu, 20.000 Besucher gab es im letzten Jahr.

Corona-Krippe sofort angekauft

„In Telgte weisen auch schon Schilder auf die Schau hin“, seufzt Museumsleiterin Anja Schöne. „Das ist schon frustrierend.“ Über 140 Krippen warten auf das Ende des Lockdowns – darunter die Version „Corona – das Geheimnis des Lebens kommt von innen“ von Franz-Josef Hartmeyer aus Warendorf. Sie zeigt das Christuskind innerhalb des Virus, umgeben von den Kontinenten. „Das trifft den Nagel auf den Kopf“, sagt Schöne. „Wir haben diese Krippe sofort für unsere Sammlung angekauft.“ Trotz Lockdown ist das Team gut beschäftigt, aus dem Programm „Neustart Kultur“ sind 20.000 Euro geflossen. Mit dem Geld wird eine App entwickelt.

Ob die Krippenschau nach dem 20. Dezember eröffnen darf? „Das ist mein Traum und meine größte Hoffnung“, sagt Schöne. Chaos über Weihnachten sei unmöglich, verspricht sie. Das Museum hat strenge Zugangsregeln, höchstens 70 Besucher dürfen hinein. „Ich sehe Museen nicht als Infektionsherd“, betont Schöne.

Warum lassen sich Präsentationen nicht verschieben?

Auch andere Häuser sind betroffen. So hängt im Duisburger Museum Küppersmühle eine Schau der Konzeptkunst-Ikone Hanne Darboven an der Wand, die virtuelle Eröffnung mit Wetterfee Claudia Kleinert gibt es immerhin online. Das Museum Ostwall im Dortmunder U stellt die Trägerin des MO-Kunstpreises, Valie Export, vor. Deren Arbeiten hätten ohne Lockdown ab Anfang Dezember gesehen werden können. Eine Etage höher hängt im U-Turm eine Rainer-Fetting-Schau – nun geisterhaft leer.

Warum lassen sich solche Präsentationen nicht einfach verschieben? „Ausstellungen kann man nicht an- und ausknipsen“, sagt Roland Mönig. Er ist im Frühjahr 2020 als Direktor an das Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal gekommen. „Über Leihgaben gibt es langfristige Absprachen von bis zu drei oder vier Jahren“, betont er. In seinem Haus hängt eine komplett fertige, spektakuläre Schau mit dem Titel „Vision und Schrecken der Moderne – Industrie und künstlerischer Aufbruch“. „Die Künstler wurden damals zu Anwälten der Ausgebeuteten“, berichtet Mönig. „Aber sie waren auch fasziniert von der Industrie.“ Er kämpft bereits um eine Verlängerung, sonst wäre am 28.2.2021 Schluss.

Verlängern ist nicht so einfach

Der 21.2. ist das Enddatum der garantiert bemerkenswerten Schau „Ruth Baumgarte“, die Direktor Jens Stöcker und sein Team vom Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund eröffnungsfertig aufgebaut haben. „Wir fühlen uns wie ein Schluck Wasser in der Kurve“, sagt er. Auch Stöcker grübelt über eine Verlängerung nach, aber es gibt Folgeprojekte. Schon die Ausstellung mit dem Maler René Schoemakers musste auf 2021 verschoben werden. Stöcker: „Das ist wie ein Tetrissspiel, alles muss passen.“

Zudem haben alle Museen Probleme mit dem Transport von Leihgaben. Die schweren Klimakisten sind nur von einer ganzen Gruppe von Mitarbeitern zu bewältigen.

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Kultur-Redaktion
Kultur ist eine Reise ins Abenteuer, und ich verstehe mich als Ihr Reiseführer. Welche Ausstellung in der Region ist super? Vor welchem Theaterstück muss ich warnen? Da nützt ein Magisterabschluss in Germanistik und Kunstgeschichte von der Ruhr-Uni Bochum nur bedingt. Mir hilft mehr, dass ich seit 1990 Journalistin und ein 1963 in Essen geborener Ruhrgebiets-Fan bin. Mein Ziel: Dass Sie mit unseren Tipps ihre Freizeit gut gestalten.
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Bettina Jäger