Kino

Matt Damon geht in „Stillwater“ auf Mörderjagd in Frankreich

Das Kinodrama „Stillwater“ zeigt Matt Damon in ziemlich ungewohnter Rolle - in der er aufgeht. Das Drehbuch ist an einen echten Kriminalfall angelehnt.

Bill ist ein Redneck-Amerikaner, wie er im Buche steht. Kinnbart, Basecap, Holzfällerhemd. Kein intellektueller Schöngeist, ein Malocher mit Sinn fürs Praktische, der zupackt. Für Matt Damon, sonst Superagent und Vorzeigeheld, ist der einfach gestrickte Jedermann, den er in „Stillwater“ verkörpert, eine ungewohnte Rolle. Die er aber souverän mit Leben füllt.

Die Tochter sitzt in Haft und ihr Vater folgt ihr nach Marseille

„Haben Sie Trump gewählt?“, fragt eine Frau aus Marseille, die ein Ja erwartet. „Nein, Vorbestrafte dürfen bei uns nicht wählen!“ Das wäre geklärt. Aber was hat den Hinterwäldler aus Stillwater, Oklahoma nach Marseille verschlagen?

Bakers besucht seine Tochter (Abigail Breslin), die dort im Gefängnis sitzt. Sie soll ihre Freundin erstochen haben. Vergeblich beteuerte sie ihre Unschuld, fünf Jahre ist das her.

Baker ermittelt in „Stillwater“ auf eigene Faust

Regisseur und „Stillwater“-Autor Tom McCarthy lehnt sein Drama lose an den Fall der US-Studentin Amanda Knox an, die in Italien inhaftiert, dann freigesprochen wurde. Auch Baker ist auf Freispruch aus, als seine Tochter ihm Hinweise gibt. Ein Mann soll geprahlt haben, er habe eine Frau getötet, sagt sie.

Baker ermittelt auf eigene Faust. Er hat nur einen Namen, spricht kein Französisch, bleibt aber in Marseille und sucht den wahren Täter. Virginie (Camille Cottin) dolmetscht, Bill wird ihr Freund und Ersatzvater für Virginies kleine Tochter.

Spannung ist immer präsent, aber „Stillwater“ hat Qualitäten, die über den Thriller hinausgehen.

Tom McCarthy lässt amerikanische Unbedarftheit und französische Weltgewandtheit kollidieren, erzählt von einem Vater, der an der Tochter etwas gutmachen will, entwirft das Bild einer Patchwork-Familie auf Zeit. Ein psychologisch reicher, stark gespielter Film, der am bittersüßen Ende noch mit Doppelbödigkeit überrascht. Sehenswert, nicht nur wegen Matt Damon.

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Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
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