Maria Valverde spielt Amanda, die geradezu verzweifelt besorgt ist um das Wohl ihrer kleinen Tochter © Diego Araya/NETFLIX
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Neuer Film „Gift“ bei Netflix ist spannend und geheimnisvoll

Auf Netflix läuft „Das Gift“, ein origineller Mysterystoff mit starker weibliche Note. Er schafft ohne grobe Schocks eine Aura der Beklemmung.

Man kann Netflix auch als Schaufenster für Filme begreifen, die bei deutschen Kino-Verleihern chancenlos wären. Weil die Star-Power fehlt oder das Werk so zwischen den Genres gratwandelt, dass es nur schwer zu vermarkten ist.

Auf „Das Gift“ von der peruanischen Regisseurin Claudia Llosa trifft beides zu: Darsteller, die der Spanisch sprechenden Hemisphäre zuzuordnen sind. Und eine stilistisch eigenwillige Erzählung, eine Art halluzinierter Mystery-Thriller mit Anleihen beim Horrorkino und starker weiblicher Note.

Ein Dorf in Argentinien

Nach dem Roman von Samanta Schweblin spielt die Handlung in einem Landstrich Argentiniens (in Chile gedreht), wo die Natur intakt scheint und Leute wie Amanda (María Valverde) gern den Sommer verbringen.

Abseits des Dorfes bezieht sie mit ihrer Tochter ein Haus, ihr Mann will nachkommen. Amanda freundet sich mit Nachbarin Carola an (Dolores Fonzi).Die berichtet, wie sie vor Jahren ihren kranken Sohn einer Schamanin anvertraute. Die rettet mit einem Seelentausch-Ritual sein Leben, seitdem ist der Junge gestört. Etwas habe Besitz von ihm ergriffen, warnt Carola.

Geflecht von Rückblenden

Die Geschichte formiert sich in einem Geflecht von Rückblenden. Dazu redet eine fiebernde Amanda (die jemand durch den Wald schleift) mit sich selbst oder einem jungen Mann. Was ist real, was Fieberfantasie?

Gefahr und Verhängnis liegen in der Luft. Amanda gibt nichts auf spiritistischen Hokuspokus, doch die Angst um ihre Tochter nahm wahnhafte Züge an.

Ihre Irritation wird die des Zuschauers, der eintaucht in eine bizarre Parallelwelt. Wo kommen die missgebildeten Kinder her? Clever, wie Claudia Llosa auf Atmosphäre setzt. Ein Film-Solitär, der ohne Netflix wohl kaum das verdiente Publikum fände.

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Kultur-Redaktion
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