Peer Gynt (Anna Drexler) mit Monsieur Ballon (William Cooper) © Matthias Horn
Bochumer Schauspielhaus

Peer Gynts Reise wird im Schauspielhaus zum albernen Party-Abenteuer

Der Livestream aus dem Bochumer Schauspielhaus steckt voller Klamauk. Für die „Peer Gynt“-Inszenierung schuf Regisseur Dušan David Pařízek eine Rampe, auf der sich herrlich rutschen lässt.

Das klassische Theater gibt es kaum noch. Jedenfalls nicht mehr in Bochum. Oder gibt es das nur nicht als Stream? Funktionieren experimentelle Inszenierungen, die eher jüngeres Publikum locken, besser im Internet?

Solche Fragen musste man sich stellen beim Livestream von „Peer Gynt“ am Samstagabend aus dem Bochumer Schauspielhaus. – Nach Ibsen wohlbemerkt und unter Verwendung eines Interviews mit der ghanaischen Autorin Ama Ata Aidoo und eines Abgesangs auf den westlichen Dramenkanon von Anne Rietmeijer. Puh!

Peer Gynt ist in Bochum ein unbeschwerter Partyjunge

Regisseur Dušan David Pařízek zeigt das Weltenbummeln des Traumreisenden Peer Gynt als Abenteuer eines unbeschwerten Partyjungen durch die Dunkelheit (manchmal bleibt die Bühne recht duster). Die zwei pausenlosen Stunden vor dem Monitor wurden quälend lang; nur der Schluss (Solveig will nicht mehr länger auf Peer Gynt warten) entschädigte für ein Stück voller Längen und Klamauk, das an eine Party von Jugendlichen erinnerte.

Das Bühnenbild von Regisseur Dušan David Pařízek (eine Rampe, auf der die Darsteller rutschen und klettern) ist klasse. Auch von unten lässt sich die Rampe auf Peer Gynts Reise durch die Welt bespielen.

Eine irre Präsenz zeigt Anna Drexler in der Rolle des Peer Gynt

Anna Drexler ist als Peer Gynt großartig und zeigt eine irre Präsenz. Aber bitte: Eine Frau in einer männlichen Titelrolle ist auch in Bochum schon ein alter Hut. Und warum muss dieser Peer Gynt in BH und mit Netzstrümpfen kokettieren?

Schauspielerisch ist das großartig, ebenso wie Anne Rietmeijer als Solveigh. Mit viel Körpereinsatz agieren alle Darsteller, die Kameras zoomen in dem Livestream noch näher heran, Gesichter und Mimik kann man am Monitor besser sehen als im Theatersaal. Aber dort hätte die über weite Teile alberne Inszenierung wohl noch mehr gelangweilt.

Und was bitte sollen die Musikeinlagen einer Pseudo-Rockgruppe? Die stören genauso wie die englischen Untertitel auf dem Monitor. Im Chat gab es getippte Bravos, aber auch Kritik.

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