1200 Zuschauer feierten am Sonntagabend in Bochum die Wiederaufnahme des „Starlight Express“. Am Schluss der emotionalen Show wurde das Licht am Ende des Tunnels zum strahlenden Feuerwerk. © STARLIGHT EXPRESS
Musical in Bochum

„Starlight Express“ feiert emotionalen Neustart – Kinder sorgen für berührende Szene

566 Tage lang blieb der Himmel im „Starlight Express“-Theater dunkel. Am Sonntag durfte der kleine Junge wieder vom Lokomotiv-Rennen träumen. Dazu gab es eine zweite, berührende Geschichte.

Das Virus ließ die Sterne nicht funkeln, bremste die Züge aus. Doch endgültig von den Gleisen werfen konnte Corona das Musical-Märchen nicht. Am Sonntag hat der „Starlight Express“ Wiedereröffnungspremiere gefeiert.

Es ist wie früher und doch ganz anders. Minuten vor der ersten Show nach der Krise säubern Mitarbeiter noch einmal die Bahnen, gefühlt intensiver als früher, als wenn sie auch die letzten Fussel, die Spuren der Tristesse der vergangenen 18 Monate für immer wegwischen wollen.

Treue Gäste haben das Theater unterstützt

„Wir haben Euch vermisst“, sagt Produzent Maik Klokow. Sichtlich gerührt, aber auch mit spürbarer Vorfreude, häufig unterbrochen vom tosenden Beifall, dankt er den Stadtwerken als Theaterbesitzern, die ausgerechnet in unsicheren Zeiten den Mut hatten, in die Renovierung zu investieren.

Er dankt den treuen Gästen, von denen viele darauf verzichteten, Geld für ihre Tickets zurückzufordern.

Zwei Schulkinder wollten ihr Taschengeld spenden

Und er dankt Johanna und Till und schaut dabei von der Bühne hinunter auf die erste Reihe. Dort sitzen die beiden Schulkinder, die dem Team im vorigen Jahr einen Brief geschrieben haben und anboten, ihr Taschengeld zu spenden. „Johanna und Till, ihr wolltet nicht, das wir aufgeben“, erzählte Maik Klokow. „Und wir haben nicht aufgegeben.“

Momente später zischt der Nebel auf den Bahnhof, Scheinwerferlicht jagt durch die Halle, und endlich, ja endlich rast der Starlight-Express wieder durch die Halle, und keiner kann, keiner will sie aufhalten: Rusty, die veraltete rostige Dampflok, Electra, die supermoderne E-Lok, Greaseball, den gutaussehenden Elvis-Macho auf Rollen; angetrieben von Kohle, Elektrizität, Diesel und der Begeisterung des Publikums.

Der Neustart war ein Abend der Emotionen und der Erleichterung

Es ist ein Abend der Emotionen, des Aufatmens, der Erleichterung. Heute und hier, da fühlt es sich an, als ob Corona trotz Maske und „3G“ das Rennen verloren hat und ein Lied nur für diese eine Show geschrieben wurde: „Ein Licht am Ende des Tunnels.“

Es passt zur Euphorie auf beiden Seiten der Rollbahn-Geländer: Das Licht wird zum Feuerwerk. Mit Lasern, Blitzen, leuchtenden Sternen, glühenden Rollen und Knalleffekten, wenn die Stuntmänner übers Feuer springen und Bremswaggon Caboose gewollt in die Absperrungen kracht. In 33 Jahren gab es keinen Stillstand auf dem berühmtesten Bahnhof der Welt, gab es immer Änderungen, Neuerungen – und dann kam Corona.

Die Lovestory auf dem Bochumer Broadway berührt sehr

Der wohl schönste Moment: Der einst mutlose Rusty, gespielt von Max Rizzo, steht allein auf der Bühne, seine „Mama“ Reva Rice im abgedunkelten Hintergrund. Gemeinsam singen sie die Hymne, die dem Musical seinen Namen gibt: „Starlight Express“.

Kitschig schön unter einem wunderbaren Sternenhimmel, mit Laserstrahlen mitten ins sensible Herz der Dampflok, aber so soll es nun mal sein, das Märchen von der Lovestory auf dem Bochumer Broadway.

17 Millionen Gäste haben in 12.000 Vorstellungen das Musical gesehen

Wie groß muss die Anspannung der 30 Künstler auf Rollschuhen vor dem Neustart gewesen sein, besonders für die 20 Neuen, die bisher nie vor Publikum spielten? Wie belastend war der Druck des ganzen Teams, nach der nervenden Zwangspause die Erfolgsgeschichte von „Starlight Express“ fortzusetzen?

Seit der Premiere am 12. Juni 1988 im eigens erbauten Theater sahen 17 Millionen Gäste in 12.000 Vorstellungen dieses Musical, das einst auch in London und New York lief.

Nur wer kämpft und sich was traut, kann gewinnen.

Das Finale. Mit einem Mix aus allen Starlight-Hits, mit rasanten Fahrten, mit Ehrenrunden auf der Rollbahn, mit nicht endendem Applaus. Rusty, Weltmeister der schnellen Züge und Publikumsliebling, pustet auf den letzten Metern durch. Er sieht völlig geschafft, aber zufrieden aus.

Rusty rollt langsam an Johanna und Till vorbei, die an der Bühne stehen und in diesem Augenblick sicher nicht daran denken, dass sie etwas mit der rostigen Dampflok gemeinsam haben: Nur wer kämpft und sich was traut, kann gewinnen.