Kolumne

Entspannung per App

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht es um Meditations-Apps - und die Frage, ob sie für etwas gut sind.
Meditation ist gesund, Meditations-Apps werden immer beliebter. Doch was taugen sie? Leben-Redakteur Marc Bracht hat eine klare Meinung. © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Endlich mal einen Gang runterschalten, weniger gestresst, dafür umso entspannter sein. Ja, viele Menschen stecken sich für das neue Jahr solche – oder ähnliche – Ziele. Doch wie soll man sie erreichen? So mancher ist fasziniert vom Thema Meditation. Klar, es erscheinen sofort Bilder vom tiefenentspannten Dalai Lama vorm inneren Auge. Die Logik: Das geistige Oberhaupt vieler tibetischer Buddhisten ist immer total relaxed. Buddhisten meditieren. Ergo: Meditation ist die Antwort! Aber geht das in den eigenen vier Wänden, fernab der monastischen Einsamkeit? Gibt‘s da nicht auch eine App?

Apps für Meditation – wie passt das zusammen?

Zugegeben, auch ich interessiere mich für den Buddhismus. Dementsprechend auch für Meditation. Immer wieder habe ich versucht, mich zu Hause im Schneidersitz auf den Boden zu setzen, die Augen zu schließen und einfach an gar nichts zu denken. „Wenn du sitzt, solltest du nur sitzen“, sagte der Zen-Meister Shunryu Suzuki. Gar nicht mal so einfach. Schon nach ein paar Minuten schweifen die Gedanken ab. Sitze ich richtig? Was soll das jetzt bringen? Was esse ich heute Abend?

Ja, Meditation ist nicht einfach. Vor allem als Anfänger. Ich kann das gut verstehen, dass so manchem Neuling schnell die Motivation fehlt, weiter zu machen. Wir erwarten stets schnelle Ergebnisse. Bin ich schon ein Buddha? Kodo Sawaki, ebenfalls Zen-Meister, hatte dazu eine klare Meinung: „Die Meditation wird niemals etwas Besonderes sein. Wenn aber doch, dann hast du eine Schraube locker.“

Okay, vielleicht bekommen es unsere westlichen Geister besser hin, wenn uns jemand an die Hand nimmt. Uns führt. Wir könnten schließlich nicht behaupten, im 21. Jahrhundert angekommen zu sein, wenn es auch für diesen Bereich nicht einige Apps gäbe. Tatsächlich ist das Angebot im App- oder PlayStore immens. Zahlreiche Anbieter locken mit ganz individuellen Angeboten. Kostenlose und -pflichtige.

Sind Meditations-Apps sinnvoll?

Die meisten davon sind als kurze Auszeit im Alltag konzipiert. Meditation To Go. In der Mittagspause oder während der Fahrt mit den Öffentlichen. Keine schlechte Idee. Findet auch Ann-Carolin Helmreich, die als Coachin in Berlin arbeitet: „Auch während der Mittagspause können Atemübungen mehr Energie für den restlichen Tag generieren. Eine kurze Meditation, beispielsweise vor einem schwierigen Meeting, bündelt den eigenen Fokus, macht präsenter und leistungsstärker.“

Eva Jaczor, Berliner Diplom-Psychologin, ist da etwas skeptischer: „Mir persönlich gehen Meditations-Apps bislang nicht tief genug.“ Generell seien die Apps aber eine gute Einführung in die Thematik. Und so sehe ich das auch. Die Apps ermöglichen erste Gehversuche. Die Möglichkeit also, erst einmal zu schauen, ob einem die Meditation auch etwas bringt. Wer mit dem Smartphone positive Erfahrung macht und in seiner Praxis wachsen möchte, der wird irgendwann so oder so andere Maßnahmen in Betracht in ziehen.

Ist Meditation gesund?

Probieren geht bekanntlich über Studieren. Und Meditation gilt heutzutage längst nicht mehr als esoterische Spinnerei. Sie ist mittlerweile sogar fester Bestandteil der Verhaltens-, Schmerz- und auch Suchttherapie. Für eine Studie des amerikanischen Hirnforschers Richard Davidson schickte sogar der Dalai Lama mal acht seiner Mönche, die mit der meisten Meditationserfahrung, ins MRT nach Wisconsin. Die Ergebnisse waren verblüffend.

Der linke Frontalcortex im Gehirn, der negative Gefühle in Schach halten kann, war total aktiv. Die Gehirnstruktur der Mönche war außerdem sichtbar verändert im Vergleich zu der von Personen, die nicht meditieren. Wissenschaftler Davidson konnte deshalb schlussfolgern: „Glück ist eine Fertigkeit, die sich erlernen lässt wie eine Sportart.“ Kein schlechter Anreiz, sich einmal mit Meditation zu beschäftigen, finde ich.

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