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Alle Macht den Kreativen

Theatertour "54. Stadt"

Seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 treibt das Ruhrgebiet die Frage um, ob es wirklich eine Kulturmetropole ist. Autor Jörg Albrecht lässt in seinem Zukunftsroman "Anarchie in Ruhrstadt" Kreative die Macht übernehmen. Auf seiner Basis ist die ambitionierte, letztlich aber durchwachsene Theatertour "54. Stadt" von Mülheimer nach Oberhausen entstanden.

MÜLHEIM

, 14.09.2014 / Lesedauer: 2 min
Alle Macht den Kreativen

Die Gruppe Ligna hat einen Audio-Walk über eine stillgelegte Bahntrasse organisiert.

Wir schreiben das Jahr 2044. Eine Band soll dem Publikum das weismachen: "Die Planung" behauptet in einem dunklen Raum im Ringlokschuppen ein Reunion-Konzert 30 Jahre nach der Auflösung 2014. Ihr historischer Riot-Grrrl-Pop ist allenfalls nett, ihre Performer-Qualitäten mau. Man schaut zum ersten Mal auf die Uhr: Sechs Stunden soll die Tour dauern.Kainkollektiv

Erst ein starker Mitteilteil macht die Zeit vergessen: Kainkollektiv locken die Besucher in eine vielstimmige Performance als begehbare Theater-Installation. Hier warten zwei gemischte Chöre, ein Kinder- und ein orientalischer Chor, Musiker, Performer, projizierte Bilder. Eine Gesellschaft und Stilvielfalt so bunt wie das Ruhrgebiet. Die Gruppe beschwört durchaus stimmig eine Dystopie, in der das von Bergbauschäden bedrohte Ruhrgebiet in eine Oberwelt und eine Unterwelt zerbirst und ein Aufstand sich ankündigt.Gruppe Ligna

Schlichtweg genial ist im Anschluss der Audio-Walk der Gruppe Ligna, der über eine stillgelegte Eisenbahnlinie zum Mülheimer Rathaus am Stadthafen führt. Die Besucher werden zu Aufständischen, die das Katasteramt in die Luft sprengen wollen - für eine Welt ohne vorgegebene Grenzen.

Ligna reflektieren äußerst klug und angenehm leichtfüßig die geografische und soziologische Ordnung der Welt - und tun gut daran, sich weit von Jörg Albrechts Roman-Geschichte zu entfernen.

Copy & Waste

Dessen eigene Gruppe Copy & Waste scheitert am Versuch eines fulminanten Finales im Theater Oberhausen. Die Bühnenadaption von "Anarchie in Ruhrstadt" erstickt an ihrer Vielstimmigkeit, am nervösen Gezappel retrofuturistischer Figuren und dem zähen Fluss aus Videobildern und gespielten Szenen.

Alle Macht an Kreative? Vielleicht doch keine gute Idee.

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