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Altes Museum Ostwall in Dortmund endgültig vor dem Abriss gerettet

Baukunstarchiv NRW geplant

Dem ehemaligen Museum Ostwall in Dortmund wird ein zweites Leben geschenkt. Am Donnerstagabend hat der Rat der Stadt Dortmund das Gebäude vor dem Abriss gerettet. Hier entsteht bis 2018 das Baukunstarchiv NRW. Die Entscheidung fiel überraschend eindeutig aus.

DORTMUND

von Von Bettina Jäger und Gaby Kolle

, 11.12.2014

Mit 64 Ja-Stimmen zu 25 Nein-Stimmen (bei zwei Enthaltungen) sprachen sich die 91 Stadtverordneten ganz klar für die Einrichtung eines Baukunstarchives aus. Die Abstimmung erfolgte geheim. SPD, Grüne sowie Linke und Piraten hatten sich zuvor für den Erhalt des Gebäudes stark gemacht, Teile der CDU (die Fraktion hatte ihren Mitgliedern die Entscheidung freigestellt), die FDP/Bürgerliste und die AFD waren jedoch dagegen.

Mit der Entscheidung war gleichzeitig das Angebot eines Investors vom Tisch, der dem Vernehmen nach zwei Millionen Euro für das Filetgrundstück in der Stadtmitte geboten hatte. Er wollte eine Seniorenwohnanlage errichten.

Land hat Mittel zugesagt

Stattdessen muss das Gebäude nun für rund 3,5 Millionen Euro saniert werden. Das Land hat Fördermittel von bis zu 80 Prozent zugesagt. Weitere zehn Prozent will der Förderverein Baukunstarchiv NRW zahlen. Damit kommen auf die Stadt mindestens 350000 Euro zu.

Die Trägerschaft soll eine gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH) übernehmen, die sich bereits in Gründung befindet. Partner sind der Förderverein Baukunstarchiv, die Architektenkammer NRW, die Ingenieurkammer Bau und die Stiftung Deutscher Architekten. Die Architektenkammer will 25000 Euro pro Jahr beisteuern, die Ingenieure 12500 Euro.

Entscheidend ist die Kooperation mit der Technischen Universität Dortmund. Denn dort befindet sich bereits eine große Sammlung aus rund 50 Architektennachlässen - etwa die Modelle und Pläne des Münsteraner Star-Architekten Harald Deilmann und des in Rheine geborenen Josef Paul Kleihues -, die das Herzstück des Archives bilden sollen.

Architekturgeschichte

"Damit bekommt NRW endlich einen erkennbaren Ort, an dem die Dinge aus der Architekturgeschichte zusammengetragen werden", sagte der Dortmunder Kulturdezernent Jörg Stüdemann, sichtlich erfreut über die deutliche Unterstützung des Archives. Das neue Institut sei sehr wichtig für die Ausbildung der Architektur-Studenten, aber auch als Ausstellungsort weiterhin eine gute Adresse: "Wir haben unheimlich viele Anfragen." Seit 2010 - damals zog die moderne Kunstsammlung der Stadt in den U-Turm um - waren jährlich 15- bis 20000 Menschen zu den Ausstellungen gekommen. Preissteigerungen bei der Sanierung erwartet Stüdemann nicht. Schließlich sei 2005/06 der damals feuchte Keller für rund 750000 Euro saniert worden, auch das Dach wurde abgedichtet.Große Freude beim Förderverein

Große Freude herrschte bei Wolfgang Sonne, Professor der TU Dortmund, und Klaus Fehlemann, beide vom Förderverein. "Wir danken allen, die an dieser Entscheidung mitgewirkt haben", sagten sie. Beide hatten schon im Frühjahr 2011 eine Vorbereitungsgesellschaft zur Einrichtung eines Baukunstarchivs gegründet und einen langen Atem bewiesen, als die Stadt das Gebäude verkaufen wollte. Aber auch die Bürger selbst - 8000 unterschrieben gegen den Abriss, darunter "Tatort"-Star Jörg Hartmann - bewegten die Politik schließlich zum Umdenken.

Der Förderverein, der das Haus mit einem Etat von 120000 Euro pro Jahr betreiben will, rechnet nun mit einer Antrags- und Planungsphase bis Ende 2015. 2016 könnte die Sanierung des Gebäudes beginnen, 2017 die Einrichtung erfolgen, Anfang 2018 die Eröffnung.

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