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Charlotte Salomon als Ballett: Der Tod und die Malerin

Musiktheater im Revier

Im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen gibt es die Uraufführung eines synästhetischen Gesamtkunstwerks, wie man so wohl noch keines gesehen und gehört hat. Es ist in wenigen Zeilen nicht zu erklären, was Ballettchefin Bridget Breiner da durchdacht, choreographiert und inszeniert hat.

GELSENKIRCHEN

, 16.02.2015
Charlotte Salomon als Ballett: Der Tod und die Malerin

In Videos schweben Bilder von Salomon vorbei.

Der Jubel des Premierenpublikums war unbeschreiblich, obgleich das, was sich ereignet, traumatisch und rätselhaft bleibt: Es muss nicht verstanden, sondern erfühlt werden – und dass dies komplex gelingt, ist Bridget Breiners große künstlerische Leistung.

Charlotte Salomon, geboren 1917, Jüdin, studierte Malerei in Berlin; ihre Lebensumstände bringen sie an den Rand des Wahnsinns: sie erlebt den Selbstmord von Mutter und Großmutter, flieht vor den Nazis nach Frankreich und malt dort wie im Rausch über 1000 Bilder, von denen sie 769 auswählt und autobiographisch, wie ein Theaterstück, zuordnet; es ist ihr Vermächtnis. Charlotte wird 1943 ins KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Klassische Zitate

Breiner hat die amerikanische Komponistin Michelle DiBucci gewonnen, die Musik zum Ballett zu schreiben: 15 Musiker, nicht sinfonisch, sondern eher filmisch erfunden, postmodern und mit klassischen Zitaten durchsetzt (Mozart, Bizet, am Ende Schuberts „Der Tod und das Mädchen)‚ sehr eindrücklich den Bildern Salomons folgend, die, auf Leinwände projiziert, im Bühnenhintergrund vorüberschweben.

Dafür wurden bekannte Video- und Lichtdesigner (Contaq-Lada und Beecher) engagiert. Und das Miteinander von Bild-, Tanz- und Musikregie (Dirigent ist der Finne Rauhalammi) ist grandios.

Kunstvoll und verfremdend inszeniert sind die Tänzer, allen voran die beiden Gäste Kusha Alexi (Charlotte) und Jonathan Ollivier (Der Tod). Viele tragen große, bemalte Gesichtsmasken vor sich her und werden, mit den verstörten Augen Charlottes gesehen, zu alptraumartigen Wesen aus ihrer Vergangenheit. Dieses Ballett geht einem nicht mehr aus dem Kopf.

Termine: 22. 2., 7. / 29. 3., 23. 4.; Karten: Tel. (0209) 4 09  72 00

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