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„Fliegender Holländer“ ist ein faszinierendes Opernspektakel

Halde Haniel

Gespenstisch zappeln die Untoten in der Abenddämmerung hinter blutroten Fahnen am Schiff des "Fliegenden Holländers". Das Geisterschiff aus der Oper von Richard Wagner hat am Dienstag auf der Halde Haniel in Bottrop angelegt. Und nach drei Stunden bildersatten Musiktheaters feierten 1000 begeisterte Zuschauer die fantastische Premiere frenetisch.

BOTTROP

, 01.06.2016 / Lesedauer: 3 min

Sechs Jahre nach seiner "Aida" zur Kulturhauptstadt, an die sich auch Fritz Pleitgen am Dienstag im Publikum sicher gerne erinnert hat, hat Regisseur Thomas Grandoch 130 Meter über Bottrop und Oberhausen wieder ein Opernspektakel inszeniert. Und der 32-Jährige hat einen guten Blick dafür, was in der kargen Mond-Kulisse wirkt.

Über Nacht klar Schiff gemacht

Nachdem die Generalprobe Montag wegen des Unwetters ins Wasser gefallen und die Arena überschwemmt war, hat der Helferstab über Nacht klar Schiff gemacht, und das Publikum erlebte eine trockene, stimmungsvolle und atmosphärisch dichte Premiere.

Aus 50 Seecontainern hat Grandoch, der auch Bühnenbildner ist, zwei stilisierte Schiffe an den Arenarand gebaut: das von Daland (ein Paradiesvogel mit toller Stimme: Michael Tews), der seine Tochter Senta verkauft. Dieses Schiff wird im dritten Akt mit bunten Lichterketten zum Partyschiff für die Matrosen. Gegenüber steht das Geisterschiff des Holländers, der alle sieben Jahre die Chance hat, dass ihn ein Mädchen vom Fluch, auf dem Meer herumirren zu müssen, befreit.

Fantasievoll und schrill

Mit den beiden Schiffen grenzt Grandoch auch sehr deutlich Dalands Welt mit Kletterbühnen für den Matrosenchor gegen die geheimnisvolle des Holländers ab.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Fliegender Holländer Halde Haniel

Als zweite große Opernproduktion auf der Halde Haniel in Bottrop hat Regisseur Thomas Grandoch den "Fliegenden Holländer" von Wagner herausgebracht. Es ist ein stimmungsvolles, atmosphärisches Opernspektakel.
01.06.2016
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Christian Sturm muss als Steuermann manchmal ganz schön schnell über die Schiffsgerüste rennen.© Foto: dpa
Bastiaan Everink spielt den Holländer - ein Musketier der Meere.© Foto: dpa
Späte Liebe: Bastiaan Everink als Holländer und Elisabeth Otzisk als Senta.© Foto: dpa
Eine wunderbare Atmosphäre hatte die Aufführung vor allem in den späten Abendstunden.© Foto: dpa
Senta in ihrem Lustgarten in der Mitte der Arena.© Foto: dpa
Bastiaan Everink ist auch stimmlich ein starker Holländer.© Foto: dpa
Elisabeth Otzisk als Senta mit den bunten It-Girls © Foto: dpa
Elisabeth Otzisk als Senta und Lars Rühl als Erik. Beide boten eine starke Leistung.© Foto: dpa
Michael Tews als Daland, der Seefahrer.© Foto: dpa
Verführung auf dem Gerüst: Bastiaan Everink als Holländer und Elisabeth Otzisk als Senta.© Foto: dpa
Eindrucksvolle Bilder wie dieses der Tänzerinnen vor der schwarzen halden-Kulisse bot die Aufführung.© Foto: dpa
Senta und die schrillen It-Girls.© Foto: dpa
Ein Projektchor aus Bottrop schmetterte den Matrosenchor vom Schiffsgerüst.© Foto: dpa
Blick in die Arena kurz vor Beginn der Aufführung. Die Premiere war mit 1000 Zuschauern ausverkauft - so, wie auch die folgenden Vorstellungen.© Foto: dpa
Michael Tews (l) als Daland schickt die Seefahrer zum Schiff des Holländers, um dessen Schätze abzuholen.© Foto: dpa

Senta ist während der gesamten Aufführung (drei Stunden, inklusive 40 Minuten Pause) auf der Bühne - eine großartige Leistung von der in Bottrop geborenen Sopranistin Elisabeth Otzsik. In der Mitte der Arena hat Grandoch ihr eine Spielwiese, einen Lustgarten, gebaut. Senta ist ein It-Girl, aber anders als die anderen, schrilleren Mädchen, die Schüler der Ballettschule Zurhausen und die Damen des Projektchors Bottroper Chöre als bunte Exoten spielen (fantasievolle Kostüme: José Eduardo Luna).

Musketier der Meere

Der Holländer (überragend gesungen von Bastiaan Everink) ist ein Musketier der Meere, der in seinen Containern Schätze hortet: Luxus-Uhren und -Taschen, sogar ein Auto. Grandochs Inszenierung ist behutsam aktualisiert, aber - bis in den Schluss - sehr werktreu. Und sie ist auch für Opern-Einsteiger unterhaltsam und vor allem stimmungsvoll.

Am Ende verbindet Grandoch beide Schluss-Fassungen von Wagner geschickt: Senta erschießt sich, aber Grandoch hat ihr ein Traumbild zur Seite gestellt. Und dieses Mädchen tanzt dann vogelfrei zwischen den Stelen auf der Haldenkuppel.

Orchester hinter Folie

Hinter einer Folie spielen einige Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen unter der präzisen Leitung von Valtteri Rauhalammi in einer Box auf dem Arenarand im ersten Akt gegen die Abendsonne noch mit Sonnenbrillen. Im dritten Akt ist es fast finster und gruselig in dem Rund. Diese tolle Inszenierung ist eine Gespensterreise in die Nacht.

Auch musikalisch ist dieser "Holländer" hervorragend. Es ist großartig, wie textverständlich die Sänger, vor allem der starke Holländer und der ebenso präsente Erik (Lars Rühl), ohne Verstärkung klingen. Beim lyrischen Steuermann (Christian Sturm) und in Sentas zweitem Akt musste man manchmal etwas die Ohren spitzen.

Thomas Grandoch sollte dem Publikum alle zwei Jahre so eine großartige Oper auf der Halde schenken.

Termine: 2./3./5./6./8./ 9.6.2016; Restkarten: Tel. (02041) 703308.