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Fruchtiges vom Bananensprayer Thomas Baumgärtel

Osthaus-Museum

Der Boden im Osthaus-Museum ist mit Schablonen übersät. Die braucht der mit Maske und Sprühdose bewaffnete Thomas Baumgärtel für die Installation "Baustelle Europa", an der er am Mittwoch (28.9.) noch arbeitete. Am Donnerstagabend (29.9.) eröffnet die Einzelausstellung des als Bananensprayers bekannten Künstler in Hagen.

HAGEN

28.09.2016

Mit gesprühten Schriftzügen und Symbolen und natürlich auch Bananen will Baumgärtel auf die Probleme der EU hinweisen: Auf der Wand im Osthaus-Museum stehen "Deutsche Einheit" in Schwarz-Rot-Gold, "Calais" von goldgelben EU-Sternen eingekreist, auch die Griechenland-Flagge hat Platz, ebenso eine Friedenstaube in den Farben der Trikolore, und in einem schwarz-weißen Bananen-Umriss liest der Besucher "Je suis Charlie".

An der Seite prangt ein großes Hitlerbild, das sich aus unzähligen Bananen zusammensetzt. Der Künstler vergleicht Erdogan, dem es um die EU-Zerstörung gehe, mit Hitler.

Baumgärtel selbst steht seit Kurzem unter Polizeischutz. Der Grund ist ein Bild des türkischen Staatschefs, der von einer Banane penetriert wird, das derzeit im Kunstverein Langenfeld ausgestellt ist.

Äpfel und Apple

1986 sprühte Baumgärtel seine erste Banane in Köln - und seitdem hat er die gelbe Frucht an rund 4000 deutschen und internationalen Kunsteinrichtungen angebracht. "Die ersten 15 Jahre musste ich mit Verhaftungen rechnen", erzählt er. Doch mittlerweile ist seine Street-Art-Kunst im Museum angekommen.

Bis auf den Dortmunder U-Turm hat es die gebogene Frucht allerdings nicht geschafft. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 hätte Baumgärtel gerne eine Bananenskulptur in das riesige U auf dem Gebäude gelegt.

Aber Baumgärtel kann nicht nur Bananen, die im Mittelpunkt der Schau stehen. Er kann auch Äpfel. Einen solchen hat er dem einstigen Apple-Chef Steve Jobs in die Hand gedrückt. Das Bild sieht pixelig aus, denn es setzt sich aus Bananenstielen zusammen. Und wie beim Druck hat Baumgärtel nach und nach die Farben aufgesprüht - sozusagen die Drucktechnik in Malerei zurückgeführt. In der "Stiel-Technik" gibt es noch weitere Bilder zu sehen.

Die Faszination von Apple-Produkten zeigt sich auch auf seinen Bearbeitungen von Bildern Alter Meister. Da drückt er einem Pfarrer ein iPad in die Hand, stattet einen Jesus mit iPhone aus. Bei der Verführung von Eva durch Adam setzt Baumgärtel allerdings wieder auf seine Banane, die er der Frau in die Hand gibt.

Schale an Kreuz genagelt

Eine Bananenschale gab auch den Ausschlag, dass er nicht Mediziner, sondern Künstler wurde. Während des Zivildienstes in einem Krankenhaus wollte er die Nonnen aus der Reserve locken und nagelte eine Bananenschale an ein Holzkreuz über einem Bett. "Die Reaktionen reichten von Gelächter bis Empörung", erinnert sich der Künstler.

Osthaus-Museum Hagen: "Thomas Baumgärtel - 30 Jahre Bananensprayer", 29.9.2016 (Eröffnung 19 Uhr) bis 15.1.2017, Museumsplatz 1, Di-So 11-18 Uhr.

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