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Jeder Gast im Theater kostet bis zu 162 Euro

Bund der Steuerzahler

Der Bund der Steuerzahler NRW kritisiert die hohen und extrem unterschiedlichen Zuschüsse für die nordrhein-westfälischen Bühnen. So entfallen auf jeden Theaterbesuch pro Person und Abend in Dortmund Subventionen von 154 Euro, in Castrop-Rauxel sind es nur 42 Euro. Erstaunliche Unterschiede? Ja. Aber diese Statistik vergleicht auch Äpfel und Birnen, warnen Fachleute.

DORTMUND

, 23.10.2014
Jeder Gast im Theater kostet bis zu 162 Euro

Produziert günstig: Das Westfälische Landestheater in Castrop-Rauxel.

Knapp 390 Millionen Euro haben 22 Großstädte in NRW in der Spielzeit 2011/2012 für ihre Theater ausgegeben. Nicht gerade taufrische Zahlen, jedoch das neueste Material, das im Statistischen Jahrbuch des Landes zur Verfügung stand.

Der Bund der Steuerzahler hat diese Zuschüsse nun auf jeden Besucher heruntergebrochen. So ist Düsseldorf mit 162 Euro pro Theaterkarte der Spitzenreiter, gleich danach kommt Dortmund mit 154 Euro. Beim Gelsenkirchener Musiktheater im Revier sind es 120 Euro. Das Theater in Münster (102 Euro) und das Bochumer Schauspielhaus (93 Euro) bewegen sich im Mittelfeld, Castrop-Rauxel (42 Euro) und Mülheim (40 Euro) produzieren günstig. Günter Wohlfarth, Kaufmännischer Direktor des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel, hätte sich angesichts der für seine Bühne positiven Zahlen die Hände reiben können. Aber er sah den Vergleich mehr als kritisch. „Wir bemühen uns, sehr wirtschaftlich und sparsam zu handeln“, betont er. „Aber man muss auch bedenken, dass zum Beispiel Dortmund ein großes Orchester und einen Opernchor unterhält.“

Und weiter: „Das ist schon sehr mutig, was da über einen Kamm geschoren wird.“ Hier werde ein Landestheater, das zwei Drittel seiner Vorstellungen in ganz NRW spielt und daher mit leichten Bühnenbildern reisen muss, mit Häusern verglichen, die (extrem teure) Opernaufführungen mit Hunderten von Mitwirkenden präsentieren. Darauf wies auch das Theater Dortmund hin. Allein der Unterhalt eines Orchester verursache Kosten von 35 Euro pro Theaterkarte. Außerdem müsse die Bühne auch den Gebäudeunterhalt komplett tragen – anders als manch andere Theater. Erbost über die Statistik zeigte sich Harald Redmer, Geschäftsführer des Landesbüros Freie Kultur in Dortmund und einer der Sprecher des Kulturrates NRW.

Er mochte am Donnerstag keine Stellungnahme für den Kulturrat abgeben, seine persönliche Meinung machte er aber deutlich: „Bei einem Anteil von 2,84 Prozent des Landeshaushaltes für die Kultur ist es schon beschämend, ausgerechnet die Subventionierung der Theater an den Pranger zu stellen.“

Man wolle nicht zur Schließung der Theater aufrufen, entgegenete Rik Steinheuer vom Bund der Steuerzahler. „Wir wollten aber Ansätze aufzeigen, wie es günstiger geht.“ So empfiehlt der Bund der Steuerzahler die Prüfung von Theaterehen, das En-Suite-Spielen von Stücken – also seltenere Programmwechsel – und die Reduzierung von Spielstätten. Steinheuer: „Wenn die Besucher wissen, wie hoch die Zuweisungen sind, gibt es auch mehr Verständnis, wenn die Städte die Eintrittspreise anheben müssen.“