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„Orfeo“ ist eine Abenteuerreise in die Unterwelt

Ruhrtriennale

Furchtlos steigt Orpheus in die Unterwelt hinab, um Euridice zu finden. Für das Publikum der Uraufführung des "Orfeo" nach Monteverdi bei der Ruhrtriennale ging es am Donnerstag erst mal hinauf mit der Standseilbahn in den Wiegeturm der Mischanlage der Kokerei Zollverein in Essen. Nur acht Personen finden Platz in der Bahn, die im Zehn-Minuten-Takt fährt. Vier Stunden lang.

ESSEN

, 21.08.2015
„Orfeo“ ist eine Abenteuerreise in die Unterwelt

Im lila Raum steht eine Euridice unter der Dusche, eine andere macht langsame Tai-Chi-Bewegungen.

Räder quietschen in den Kurven auf rostigen Schienen, eine Stahltreppe führt hinab in das Labyrinth aus acht Räumen. Im ersten Raum stehen Stühle. 500 Sekunden lang erklärt eine Stimme, was in den nächsten 80 Minuten passiert: Nicht sprechen, nur nicht umdrehen, durch Türen und Schleusen gehen. Hinter jeder Tür wartet ein Abenteuer, unten im Schacht sieht und hört man ein Orchester.

Barbie-Euridices

Genau das macht den Reiz der Ruhrtriennale aus: Räume zu bespielen, die die Theater nicht haben. Wer sich auf die Reise begeben möchte, sollte jetzt nicht weiterlesen und sich überraschen lassen.

Im ersten Raum sitzt eine blonde Frau. Ihr Gesicht ist eine Maske mit dicken Lippen und traurigen Augen. 13 dieser Barbie-Euridices in Pastellpullovern und weißen Hosen wird man auf der Reise treffen, keine spricht. Sie gucken Fernsehen, duschen, essen in Zeitlupe Kirschen, drei bilden ein Streichtrio mit weißen Instrumenten, eine stürzt im Flur auf einem Video in die Tiefe.

Zeitlupe

Alles passiert entschleunigt in der Installation der Regisseurinnen Susanne Kennedy, Suzan Boogaerdt und Bianca van der Schoot. Auch die Musik von Monteverdi, von der man nur Bruchstücke wahrnimmt, ist um das 230-fache gedehnt. Das muss man aushalten können: die Stille, die wenige Aktion, zehn Minuten in jedem Raum. Und man muss es durchstehen. Im dritten Raum sitzen die ersten Zuschauer auf dem Boden; Stühle wären hilfreich gewesen.

Der drittletzte Raum ist ein Wartezimmer. Einzeln bitten drei Euridices die Besucher in den vorletzten Raum. Da singt Orfeo (Hubert Wild) als Arzt für jeden einzeln seine Arie. Himmlisch schön. Euridice führt die Besucher hinaus, man möchte sich umdrehen zu Orfeo.

Und dann liegt Euridice da: tot, auf einem Bett. Hinter dem Fenster spielt das Orchester. Es ist eine spannende Reise, mal etwas anderes - auch wenn sie Monteverdis "Orfeo" nur streift.

Termine: 22./23./27.-30.7., 3.-6.9.; Karten: Tel. (0221) 280210.

 

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