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Riccardo Chailly gab eine glänzende Visitenkarte ab

Berliner in Essen

ESSEN. Wer in diesen Wochen die Berliner Philharmoniker in einem großen Konzert dirigiert, ist per se ein potenzieller Kandidat für die Nachfolge von Sir Simon Rattle, der die Hauptstadt 2018 verlässt. Im Mai 2015 soll sein Nachfolger benannt werden. Und neben den kursierenden Favoritennamen Christian Thielemann, Yannick Nézet-Séguin, Andris Nelsons, Kirill Petrenko und Gustavo Dudamel wäre der amtierende Gewandhaus-Kapellmeister Riccardo Chailly nicht die schlechteste Option.

01.12.2014 / Lesedauer: 2 min
Riccardo Chailly gab eine glänzende Visitenkarte ab

Riccardo Chailly dirigierte die Berliner in der Philharmonie Essen.

Am Sonntag führte der 61-jährige Mailänder das beste deutsche Orchester in die ausverkaufte Philharmonie Essen. Und der begeisternde Abend, der Samstag bereits in Berlin für Jubel gesorgt hatte, klang nach perfekter Harmonie zwischen Dirigent und Orchester. – Und der Solistin in Schumanns Klavierkonzert, Martha Argerich.

Chailly, seit 2005 Gewandhauskapellmeister, dirigiert wie eine Mischung aus Rattle und Thielemann: Breitbeinig, sehr genau, aber mit italienischem Temperament und Emotionen. Schon in der Ouvertüre zu Mendelssohns „Ruy Blas“ imponierte der absolut geschlossene, kompakte Klang der Berliner, die in den einzelnen Streichergruppen wie ein Instrument klangen. Ideal war die Konstellation von Dirigent, Solistin und Orchester in dem Schumann-Konzert. Martha Argerich, die 73 Jahre alte große Dame des Klavierspiels, suchte immer wieder den intensiven Ohren- und Blickkontakt mit den Holzbläsern der Berliner, die (auch mit den Stars Emmanuel Pahud und Albrecht Mayer an Flöte und Oboe) ohnehin eine Klasse für sich sind.

Und Chailly vermittelte diese Nähe großartig, führte das Orchester wunderbar durch den fantasieartig freien ersten Satz und ließ Argerich Raum für die virtuosen Einlagen im Finale. Ein Meister der schönen Übergänge ist Chailly, ein Dirigent, der Rhythmen sehr genau herauspocht, aber Klänge trotzdem fließen lässt. Rachmaninows dritte und letzte Sinfonie wurde dadurch zu einem Ereignis und Klangfest. Es bleibt spannend an der Spree – dieses Konzert von Chailly war eine vorzügliche Visitenkarte für das wichtigste Chef-Dirigenten-Amt in Deutschland. Julia Gaß

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