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Skrupelloser Medienmissbrauch

Grillo-Theater

William Shakespeare hat mit dem intriganten Manipulator Jago einen Anti-Helden geschaffen - und Othellos Gegenspieler macht Volker Lösch in "Das Prinzip Jago" zur Hauptperson.

ESSEN

02.10.2016
Skrupelloser Medienmissbrauch

Stefan Diekmann spielt den skrupellosen Manipulator Jago in der Essener Inszenierung. Zusammen mit Thomas Büchel ist er beim NRW-Theatertreffen als "Bester Darsteller" ausgezeichnet worden.

Gemeinsam mit drei weiteren Autoren hat der Theatermacher die Figuren-Konstellation und Plot-Konstruktion von Shakespeares Tragödie übernommen, aber das Geschehen in unsere Gegenwart verlegt. Mit dieser aufwendigen Inszenierung eröffnete das Essener Grillo-Theater am Samstag die Spielzeit.

Zerstörerischer Reigen

Löschs Jago ist der Journalist Nick, der bei einer Beförderung übergangen wird. Eine Frau bekommt den Posten des Chefs vom Dienst. Er schwört seinem "besten Freund", dem "Othello"-Chefredakteur, Rache. So beginnt der zerstörerische Reigen, der am Ende den Rechtsradikalen die Macht über die Bilder in die Hände spielt - und an dem Lösch seine Kritik am Journalismus durchexerzieren kann.

Schönes Farb-Konzept

Gespielt wird in einem von Ausstatterin Carola Reuther grasgrün ausgekleideten und mit einem fast bühnenbreiten Stehtisch dekorierten TV-Studio. Das Personal des Essener Lokal-Senders hat sie in die Grundfarben Blau, Rot und Gelb gesteckt, nur Intrigant Jago treibt sein böses Spiel in der Mischfarbe Violett. Nach dem Machtwechsel stecken dann alle im AFD-Blau.

Stefan Diekmanns Nick lässt eine Demonstration von Migranten anzetteln und die Lage eskalieren. Dazu nutzt er die Dynamik der neuen Medienwelt. Skrupellos täuscht er eine Kindesentführung vor, beauftragt, eine Asylbewerber-Unterkunft anzuzünden, initiiert einen Shitstorm, spielt dem verhassten Chefredakteur Pornos auf den Computer...

So herrscht im TV-Studio hektisch bis hysterische Dauererregung. Neben dem oberflächlichen Spiel auf der Bühne gibt es vorproduzierte Videoschnipsel: TV-Einspieler - und der Zuschauer sieht Nick beim Integrieren hinter den Kulissen zu.

Power-Point-Präsentation

Mehr als drei Stunden lang wird gezeigt, wie sich im Medienzeitalter die Wirklichkeit manipulieren lässt - inklusive langatmiger Erläuterungen, auch vor einer Power-Point-Präsentation schreckt der Regisseur nicht zurück. Wenig Shakespeare, viel Lösch.

Termine: 8./9./28.10.; Karten: Tel. (0201) 8122200.

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