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Wer rettet das Denkmal Kokerei Alma in Gelsenkirchen?

Schupp-Bau verfällt

Wer rettet dieses Denkmal? Das einstige Verwaltungsgebäude der Kokerei Alma in Gelsenkirchen verfällt. Die Fenster haben keine Scheiben mehr, aus der Backsteinfassade sprießen armdicke Bäume. Dabei handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Bauwerk des Architektenbüros Schupp und Kremmer, das auch das Weltkulturerbe Zollverein errichtet hat.

GELSENKIRCHEN

, 30.01.2016 / Lesedauer: 3 min
Wer rettet das Denkmal Kokerei Alma in Gelsenkirchen?

Das einstige Verwaltungsgebäude der Kokerei Alma in Gelsenkirchen-Ückendorf ist total heruntergekommen. Der berühmte Architekt Fritz Schupp hatte es 1927 errichtet. Es steht unter Denkmalschutz und gehört dem Land NRW.

An der Almastraße in Gelsenkirchen stand einst die Zeche Alma, deren Schächte ab 1927 verfüllt wurden. Im selben Jahr beantragte die Vereinigte Stahlwerke AG den Bau der "Zentralkokerei Alma", zu der auch dieses große Verwaltungsgebäude gehören sollte. Schon 1928 hatte Fritz Schupp das Gebäude fertiggestellt.

Herrliches Foyer

Trotz des heute erbärmlichen Zustandes erkennt man seinen Ehrgeiz, eine ästhetisch anspruchsvolle Architektur zu schaffen: Die Backsteinfassade ist durch senkrechte Rippen gegliedert. Innen gelangten Besucher und Kokereimitarbeiter in ein herrliches Foyer, dessen Wände mit Mustern aus Backsteinen verziert waren. Auch ein Wasserbecken lässt sich noch erkennen - alles durch Graffiti verhunzt. Am Nordende des Gebäudes existiert noch eine Art "Ausguck", von dem aus früher die Werksbahnen beaufsichtigt wurden. Vor dem Komplex steht eine alte Laterne.

Dr. Lutz Heidemann (77), früher stellvertretender Amtsleiter des Gelsenkirchener Stadtplanungsamtes, hat den Niedergang des Gebäudes miterlebt. Er war während seiner Karriere nur eineinhalb Jahre für den Denkmalschutz zuständig und hatte damals für den Einbau von Fenstern gesorgt, die längst wieder zerstört sind. "Das Ganze ist für die Region ein Armutszeugnis", seufzt er. Dabei sei das Bauwerk durchaus noch zu retten, so der Fachmann.

Neue Nutzungsperspektive

Das Gebäude steht seit den 1980er-Jahren unter Denkmalschutz. 2003 schrieb die Stadt Gelsenkirchen in einem Bebauungsplan fest: "In Zusammenhang mit dem Stadtteilprogramm Südost soll zusammen mit dem privaten Eigentümer eine neue Nutzungsperspektive gefunden werden." Es passiert jedoch offenbar - gar nichts.

Der Eigentümer, der hier eine Heizölfirma betrieb, starb 2008. Die Erbschaft fiel 2009 an das Land NRW - und damit landete der Schwarze Peter, sich um das heruntergekommene Gebäude zu kümmern, bei der Bezirksregierung Münster.

Boden schon saniert

"Wir stehen in Kontakt mit dem Denkmalschutz", versichert Thomas Drewitz, Mitarbeiter der Pressestelle. "Es gibt aber eine Prioriätenliste." Zuerst sei das Erdreich, das durch den Ölhandel stark verschmutzt war, saniert worden. Aus demselben Grund musste ein "Grundwassermonitoring" eingerichtet werden. Dann sei auch noch ein Blindgänger auf dem 6000 Quadratmeter großen Grundstück aufgetaucht, der entschärft werden musste.

Inzwischen sei das Gebäude so gesichert worden, dass keine Trümmer herunterfallen können. Drewitz: "Das alles hat seine Zeit gedauert." Die Bezirksregierung habe bereits "Hunderttausende von Euro" investiert. In der nächsten Zeit soll das Dach abgedichtet werden. Noch in diesem Jahr will die Bezirksregierung dann das Gebäude zum Kauf anbieten. Nun stellt sich die bange Frage: Wer nimmt es auf sich, dieses eigentlich wunderschöne Denkmal zu retten?

Begnadetes Duo
Fritz Schupp (1896-1974) und Martin Kremmer (1895-1945) waren die bedeutendsten Architekten von deutschen Bergwerksanlagen im 20. Jahrhundert.
Zwei ihrer Gebäude – nämlich das Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar und die Zeche Zollverein in Essen – sind inzwischen Unesco-Weltkulturerbe.
Heute gelten Schupp und Kremmer als Vorreiter einer klaren, modernen Industriearchitektur.
Ihr zeichnerischer Nachlass befindet sich im Deutschen Bergbaumuseum in Bochum.