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Willy Decker nimmt Abschied

Intendant verlässt Ruhrtriennale

BOCHUM. Sein Abschiedsgeschenk ist ein Besuchermagnet. Das Mandala, das sich Willy Decker als scheidender Intendant der Ruhrtriennale gewünscht hatte, zieht die Menschen magisch an. Am langen Wochenende mit dem Tag der Tag der Deutschen Einheit bildeten sich Warteschlangen vor der Bochumer Jahrhunderthalle. Insgesamt knubbelten sich 2500 Menschen rund um das Meditationsbild aus Sand.

von Von Bettina Jäger

, 06.10.2011

Als Höhepunkt seiner Intendanz bezeichnet Willy Decker die Begegnung mit jenen sechs Mönchen aus Bhutan, die das Mandala herstellen. Aber vor allem bedankte sich der Intendant, der die Leitung des Festivals jetzt wie geplant niederlegt, auf seiner letzten Pressekonferenz beim Publikum im Ruhrgebiet.

"Das sind Menschen, die unverstellt, klar und direkt Stellung beziehen, die eine große Neugierde besitzen", sagte er. In den drei Jahren seiner Intendanz habe der thematische Dreiklang Judentum (2009), Islam (2010) und Buddhismus (2011) gut funktioniert. "Kunst ist das beste Transportmittel für spirituelle Inhalte", resümierte Decker.

Unterstützung garantiert

NRW-Kulturministerin Ute Schäfer betonte, sie empfinde "richtig Wehmut" beim Weggang Willy Deckers. Jedoch könne sich auch sein Nachfolger Heiner Goebbels der Hilfe aus der Politik sicher sein: "Alle Parteien unterstützen die Ruhrtriennale nachhaltig." Es sei wichtig, Hochkultur zu moderaten Preisen anzubieten.

 

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Mandala in Bochum

So wächst das größte Sandmandala Europas in der Bochumer Jahrhunderthalle.
11.10.2011
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Letzter Tag: Das Mandala vor der Zerstörung.© Foto: Leclaire
Tag 1: Vier Mönche aus Bhutan streuen das Mandala.© Foto: Paul Leclaire
Tag 1: Die Mönche aus Bhutan in der Bochumer Jahrhunderthalle.© Foto: Paul Leclaire
Tag 1: Die Mönche messen das Mandala ein.© Foto: Paul Leclaire
Tag 1: Konzentration auf den Beginn der Streuung.© Foto: Paul Leclaire
Tag 1: Vorbereitung zum Streuen des Mandalas.© Foto: Paul Leclaire
Tag 1: Ruhrtriennale-Intendant Willy Decker (rechts) im Gespräch mit den Mönchen.© Foto: Paul Leclaire
Tag 1: Sechs Mönche sind vor Ort, vier streuen das Mandala.© Foto: Paul Leclaire
Tag 3: Das Zentrum des Motivs nimmt langsam Gestalt an.© Foto: Paul Leclaire
Tag 3: Die Mönche arbeiten tief gebeugt in allergrößter Konzentration.© Foto: Paul Leclaire
Tag 3: Die Naturfarben leuchten wunderschön.© Foto: Paul Leclaire
Tag 3: Durch langjährige Übung beherrschen die Mönche die feine Streuung des Sandes "aus der Hand".© Foto: Paul Leclaire
Tag 4: Die Arbeiten gehen zügig voran.© Foto: Jäger
Tag 4: Die Mönche werkeln stundenlang, unterbrochen nur von kurzen Pausen.© Foto: Jäger
Tag 4: Die Ornamente sind völlig exakt, obwohl die Männer völlig ohne Hilfsmittel arbeiten.© Foto: Jäger
Tag 4: Der blaue Buchstabe in der Mitte symbolisiert Chakrasamvara, die Gottheit des Rades der höchsten Glückseligkeit. Der kleine rote Buchstabe steht für seine Gefährtin Vajrayogini.© Foto: Leclaire
Tag 4: Dunkle Linien lassen die Ornamente plastisch erscheinen.© Foto: Leclaire
Tag 4: Noch einmal eine schöne Gesamtaufnahme des bislang fertiggestellten Bildzentrums. Auch der Fotograf Paul Leclaire, der im Auftrag der Ruhrtriennale die Arbeit dokumentiert, zeigt sich "völlig fasziniert" von der Entstehung des Mandalas.© Foto: Leclaire
Tag 5: Das Streuen erfordert Fingerspitzengefühl.© Foto: Leclaire
Tag 5: Das Mandala konnte am Samstag zum ersten Mal besichtigt werden.© Foto: Leclaire
Tag 5: Die Mönche ließen sich von Zuschauern nicht in ihrer Konzentration stören.© Foto: Leclaire
Tag 10: Das Mandala ist jetzt riesig. Am Rand entstehen nun auch Tiermotive und viele Ornamente.© Foto: Jäger
Tag 10: Zahlreiche Pressevertreter bewunderten am 6. Oktober das religiöse Kunstwerk.© Foto: Jäger
Tag 10: Die jungen Mönche haben trotz der vielen Zuschauer die Ruhe weg.© Foto: Jäger
Tag 11: Die Gestaltung des Mandalas neigt sich dem Ende entgegen. Die Mönche fürchten jeden Windhauch, der das Kunstwerk zerstören könnte.© Foto: Leclaire
Tag 11: Interessante Tiergestalten und bedrohliche gefleckte Drachen bevölkern jetzt den Rand. © Foto: Leclaire
Tag 11: Wir Europäer finden es traurig, dass etwas so Kunstvolles am Sonntag, 9. Oktober, zerstört wird. Doch Buddhisten sehen ein Mandala als Symbol der Vergänglichkeit. © Foto: Leclaire
In einem Ritual bereiteten sich die sechs Gäste aus Bhutan auf die Zerstörung des Meditationsbildes vor.© Foto: Kühlem
Wunderschön bunt war das Sandbild kurz vor der Zerstörung.© Foto: Kühlem
Dann ging es mit Handfegern zur Sache.© Foto: Kühlem
In einer feierlichen Prozession wurde der Sand zum Schluss dem Wasser übergeben. Die Menschen zogen zu den Teichen hinter der Jahrhunderthalle. Einen Teil des Sandes brachten die Mönche noch zur Emscher - zur Heilung eines "misshandelten" Flusses.© Foto: Kühlem
Letzter Tag: Das Mandala vor der Zerstörung.© Leclaire
Letzter Tag: Beginn der Zerstörung des Mandalas.© Foto: Leclaire
Letzter Tag: Mit dem handfeger fegten die Mönche den Sand zusammen.© Leclaire
Die Mitte des Mandalas wurde zum Schluss zusammengefegt.© Foto: Leclaire
Viele Zuschauer verfolgten die Zerstörungszeremonie am Sonntag in der Bochumer Jahrhunderthalle.© Foto: Leclaire
Symbol der Vergänglichkeit: Am letzten Tag der Ruhrtriennale, 9. Oktober, wurde das riesige Mandala in der Bochumer Jahrhunderthalle zerstört. In unserer Fotostrecke sehen Sie Werden und Vergehen dieses einmaligen Kunstwerkes.© Foto: Kühlem
"Bei uns kostet ein Abend mit Anna Netrebko 100 Euro, in Salzburg 400", nannte Chefdramaturgin Eva-Maria Voigtländer ein Beispiel. "Und das war noch die teuerste Kategorie. Wir hatten auch Netrebko-Tickets für 20 Euro", fügte Triennale-Geschäftsführer Michael Helmbold hinzu. Trotz dieser Preisstruktur konnte Helmbold zum Abschluss des Dreijahreszyklus gute Zahlen vorlegen. 44 000 Besucher sorgten in diesem Jahr für eine Auslastung von 87 Prozent. Im Jahr 2010 waren es 40 000 Gäste (Auslastung 82 Prozent), anno 2009 kamen rund 49 000 Besucher (Auslastung 86 Prozent).Schlingensief-Produktion fiel aus

Diese Schwankungen sind dadurch zu erklären, dass 2010 wegen des tragischen Todes von Christoph Schlingensief und in diesem Jahr durch die Erkrankung des Regisseurs Luc Bondy jeweils große Produktionen ersatzlos ausfallen mussten.Sechs Millionen Euro durch Ticketverkauf

In den drei Jahren der Intendanz Decker erhielt die Triennale insgesamt 38,6 Millionen Euro an öffentlichen Zuschüssen. Weitere sechs Millionen Euro konnte das Festival durch den Ticketverkauf, Sponsorengelder und die Senderechte für Fernsehübertragungen selbst "verdienen".

Ebenfalls erfreulich: Eine Summe zwischen 500 000 und 800 000 Euro wird am Ende der Saison übrig bleiben, so dass der nächste Intendant "Startkapital" hat.

Die Triennale spielt bis Sonntagabend. Das Mandala ist noch am Freitag (7.10.) und am Samstag (8.10.) von 18 bis 19.45 Uhr zu sehen (Eintritt frei) und wird am Sonntag um 17 Uhr zerstört (Karten unter 0700/ 20 02 34 56).

 

 

 

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