Auf Irrwegen

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht es um aufmerksames Lesen und das „Ja“-Sagen.

14.07.2020, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Leben-Redakteur Marc Bracht war im Allgäu auf Wanderschaft - und machte dabei mehr Strecke als ihm eigentlich lieb war.

Leben-Redakteur Marc Bracht war im Allgäu auf Wanderschaft - und machte dabei mehr Strecke als ihm eigentlich lieb war. © Montage: Adobe Stock/Kaminski

„Das kann doch nicht wahr sein!“, schnaufte ich und sank mit dem Rücksack auf dem Rücken hinab Richtung Erdboden. Gemeinsam mit meiner Partnerin war ich für ein paar Tage ins Allgäu gereist. Wandern stand auf dem Plan, Gipfel erstürmen. Und es lief auch alles reibungslos - wenn auch anstrengend - bis zu diesem verhängnisvollen letzten Tag unseres Urlaubs. Wir hatten uns eine Route ausgesucht, die gute Kondition und alpine Erfahrung voraussetzt. „Ist doch kein Problem“, dachten wir uns. Schließlich hatten wir hier im Münsterland bereits einige Wander-Erfahrung sammeln können. Acht Meter über Normalnull.

Wandern im Allgäu: Immer die AGB lesen

Kondition und alpine Erfahrung bedeutete in diesem Fall, dass man wirklich klettern musste und es hier und da ein paar ungesicherte Passage auf der Route gab. Tatsächlich schafften wir den Großteil der Strecke ohne Probleme. Unser Etappenziel war eine Alpe, in der wir uns mit Leberkäs‘ und Weißbier stärken wollten. Von dort aus sollten es dann noch rund zwei Kilometer bis zu unserem Auto sein. Doch es kam anders.

Da unser Wanderweg an diesem Tag kein Rundweg war, hatten wir uns dazu entschlossen, bei der Talstation am Ziel zu parken, mit einem Bus zur Talstation am Startpunkt zu fahren, die Gondel zur Bergstation zu nehmen und vor dort aus dann über die Berge von A nach B zu laufen. So zumindest der Plan. Doch als wir von unserer Brotzeit auf der Hütte aufbrachen, mussten wir feststellen, dass wir uns verlesen hatten. Unser Weg sollte uns nämlich nicht zur betreffenden Talstation, sondern der damit verbundenen Bergstation führen. Heißt im Klartext: Wir mussten ins Tal laufen, dann wieder auf den Berg und dann wieder runter ins Tal.

Sind Kühe gefährlich?

Somit wurden aus den recht angenehmen zehn Kilometern plötzlich 18. Der Abstieg zum Auto, den wir uns nach dem Essen herbeisehnten, wurde zum Ab-Auf-Abstieg. Und auch die Zeit lief uns davon. Da es langsam dunkel wurde, fuhren die Bergbahnen nicht mehr. Und auf den Wanderwegen wurde es immer leerer. So leer, dass wir auf einmal ganz allein unterwegs waren.

Nur die Kühe, denen man beim Wandern im Allgäu immer ganz nah kommt, sahen uns verzweifelte Flachländler über die Pfade stapfen. Eine von ihnen hatte offenbar genauso miese Laune wie ich, dessen Teint sich im Schein der untergehenden Sonne langsam in ein sattes Rot färbte. Das Rindvieh schaute uns böse an, scharrte mit den Hufen und wollte uns wohl attackieren. Zum Glück ließ sich das Tier noch einmal mit lieben Worten besänftigen. Trotzdem beängstigend: Immerhin gehen mehr Tode auf das Konto von Kühen als auf das von Weißen Haien.

Die Extrameile gehen

„Man soll im Job immer die Extrameile gehen“, heißt es. Wir machten an diesem Tag einfach mal rund fünf daraus. Doch als ich an dieses Büro-Mantra dachte, fiel mir noch etwas anderes auf. Kann es vielleicht sein, dass wir manchmal viel zu oft viel zu schnell „Nein“ sagen?

Seit uns klar wurde, dass sich unsere Strecke fast verdoppeln würde, sagten meine Freundin und ich immer wieder Sätze wie „Ich kann das nicht“, „Wir schaffen das nie“ oder „Wir werden wohl im Wald übernachten müssen“. Letztlich haben wir es dann natürlich doch ans Ziel geschafft. Total am Ende, aber das war zweitrangig. Was blieb, war eine tolle Geschichte für laue Sommerabende. Und die Erkenntnisse, dass man hin und wieder einfach durchziehen und über sich hinauswachsen muss.

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