Ausgebrannt - Burnout in Zeiten der Pandemie

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht es um Burnout. Und warum Menschen in der Pandemie besonders anfällig dafür sind.

17.11.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
In der Leben-Kolumne beschäftigt sich Redakteur Marc Bracht diesmal mit dem Phänomen Burnout.

In der Leben-Kolumne beschäftigt sich Redakteur Marc Bracht diesmal mit dem Phänomen Burnout. © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Corona hat das Homeoffice in Deutschland salonfähig gemacht. Die - wahrscheinlich irgendwie preußisch anmutende - Idee vieler Arbeitgeber, dass Arbeit nur in der Firma auch wirklich Arbeit ist, scheint tatsächlich kurz davor zu sein, für immer und ewig in der Mottenkiste zu verschwinden. Ja, sogar die Politik befasst sich mit der Heimarbeit. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) forderte erst kürzlich das Recht auf Homeoffice.

Im Homeoffice gegen Corona

Ohne Frage, das Homeoffice verhindert konsequent den Kontakt zu anderen Menschen, senkt damit das Risiko einer Covid-Infektion. Und, ganz wichtig, die Arbeit gelingt auch von zu Hause aus. Manchmal sogar besser. Zumindest ist das meine ganz persönliche Erfahrung. Immerhin befinde ich mich jetzt bereits seit März fast ausschließlich im Homeoffice.

Es liegt wahrscheinlich daran, dass der Workflow einfach ein anderer ist. Zu Hause ist man gern mal dazu geneigt, auch nach Feierabend noch mal den Rechner einzuschalten - oder am Wochenende. Eben noch eine E-Mail beantworten oder noch kurz eine Aufgabe zu Ende bringen, die man sonst auf den kommenden Tag geschoben hätte. Doch genau da liegt das Problem. Denn der neue Arbeitsrhytmus und die fehlende Distanz zwischen Wohnung und Arbeitsplatz kann schnell zum Burnout führen. Das sagt zumindest Stress-Coach Maximilian von Rossek im Gespräch mit der BSZ.

Burnout: Was ist das eigentlich?

Doch lassen Sie uns eingangs kurz die Krankheit charakterisieren. Unter Burnout, oder auch Burn-Out-Syndrom, versteht man eine Erschöpfungsreaktion, die durch Überlastung, z.B. im Job, hervorgerufen wird. Klassische Faktoren dafür sind u.a.: dauerhafte Überforderung, ständiger Zeitdruck oder extreme Einsatzbereitschaft, die zur Vernachlässigung eigener Bedürfnisse führt.

Betroffene fühlen sich ausgebrannt, daher auch der Name, von ihrer Arbeit entfremdet und weniger leistungsfähig. Die Arbeit ist für sie nur noch belastend und frustrierend, sie entwickeln häufig eine zynische Haltung gegenüber ihres Jobs.

Burnout: Höheres Risiko durch Pandemie?

Ist das Risiko nun in der Pandemie höher? „Laut Umfragen unter Arbeitnehmern hat die Gefahr wohl zugenommen“, so von Rossek im BSZ-Interview. Ein Umstand, der Burnout begünstigt, das Homeoffice. „Durch die anfänglichen Ausgangsbeschränkungen ergab sich vor allem bei vielen Familien ein großes Spannungsfeld. Das enge Aufeinandersitzen, 24 Stunden, sieben Tage die Woche, erhöhte das Stresslevel aller Beteiligten. Auch jetzt noch kommen im Homeoffice mehr Aufgaben hinzu, die Arbeitnehmer bewältigen müssen. Etwa die Herausforderung, Haushalt, Familie und Arbeit zu vereinbaren. Zwischen März und April sollen sich die Antworten der Arbeitnehmer, die um das Thema Burnout kreisen, verdoppelt haben. Ich rate hier zu einer klaren Abgrenzung von Beruf und Privatem – auch im Homeoffice.“

Der Coach rät, Burnout ernst zu nehmen: „Was hilft, ist ein professionelles, betriebliches Gesundheitsmanagement und -coaching, mit dem man gegensteuern kann.“ Betroffene suchten auch jetzt in Zeiten von Corona vermehrt Psychologen, Heilpraktiker sowie Stress- und Burnout-Coaches auf. Aber auch Personaler und die Krankenkassen selbst böten Hilfe an. „Burnout kann man nicht mal schnell mit zwei Tabletten bekämpfen. Wer Burnout hat, hat es lange, denn es sitzt tief und lähmt einen. Kleinste Dinge des Alltags werden zu großen Hürden und Aufgaben“, sagt von Rossek.

Burnout im Alltag vorbeugen

Wer erste Burnout-Symptome im Alltag bemerkt, kann versuchen, vorzubeugen. Der Verein Pro Psychotherapie e.V. hat einige Tipps zu Prävention parat:

  • Bewegung: Spazieren gehen, Radfahren, Joggen - Bewegung im Alltag ist ein Muss. Besonders für Menschen, die ihre Arbeit sitzend erledigen. Deshalb: Zwei- bis dreimal die Woche für eine halbe Stunde an die frische Luft.
  • Rückzugsinseln: Auch wenn die Arbeit sich mehr und mehr auftürmt, ist es wichtig, sich ein paar Minuten pro Tag für sich einzuräumen. Gönnen Sie sich 15 bis 30 Minuten für eine Pause - ohne dabei an die Arbeit zu denken, sondern besser mit Ihrer Lieblinsmusik auf den Ohren.
  • Schlaf: Schlafen ist für unsere Gesundheit maßgeblich. Deshalb: Planen Sie eine Stunde mehr Schlaf pro Nacht ein und gönnen Sie sich hin und wieder einen kurzen Mittagschlaf.
  • Bewusste Ernährung: Wir betrachten Essen als etwas, das man während des Arbeitstages einfach mal so zwischendurch macht. Besser: Zeit nehmen für das Mittagessen. Ein schön gedeckter Tisch trägt auch zum Wohlfühlen bei.
  • Erreichbarkeit verringern: Schaffen Sie sich täglich Zeiten, in denen Sie mal nicht erreichbar sind.
  • Entspannungstechniken: Entspannung ist so wichtig. Üben Sie sich deshalb regelmäßig in Yoga oder Autogenem Training.
  • Den Spaß nicht vernachlässigen: Tun sie nach Feierabend und an den Wochenende Dinge, die Ihnen wirklich Spaß machen.

Gesundheit, Wellness, Rezepte: Auf Ruhr Nachrichten Leben finden Sie weitere spannende Themen:

www.ruhrnachrichten.de/leben