BMI: Was ist dran an dieser magischen Zahl?

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht es um den BMI. Und ob dieser wirklich etwas aussagt.

von Marc Bracht

, 09.03.2021, 13:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Schritt auf die Waage kann auch gute Nachrichten verkünden. Eine andere Zahl, die mit dem Gewicht zusammenhängt, ist der BMI. Doch sagt dieser überhaupt etwas aus?

Der Schritt auf die Waage kann auch gute Nachrichten verkünden. Eine andere Zahl, die mit dem Gewicht zusammenhängt, ist der BMI. Doch sagt dieser überhaupt etwas aus? © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Tschakka! Ich hätte es ja kaum für möglich gehalten, aber es ist tatsächlich passiert. Ich habe in den letzten Wochen rund sieben Kilo abgespeckt. Trotz Homeoffice und Lockdown. Jetzt habe ich wieder das Gewicht, das ich mit 16 Jahren als Teenager hatte. Und ich erinnere mich daran, dass in dieser Zeit ständig über den BMI, den sogenannten Body-Mass-Index, gesprochen wurde.

BMI: Was ist das eigentlich?

Der BMI ist eine Kennzahl, die das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße darstellt. Er soll als Maßstab dienen, um schnell feststellen zu können, ob eine Person ein Normalgewicht oder an Unter- bzw. Übergewicht leidet.

Andere Bezeichnungen sind: KMZ (Körpermassezahl), KMI (Körpermasseindex) und QKI (Quetelet-Kaup-Index). Letztere wurde von dem Erfinder des BMI, dem belgischen Astronom und Statistiker Adolphe Quetelet, abgeleitet.

Wie berechnet man den BMI?

Den BMI zu errechnen, ist denkbar einfach. Man nimmt das eigene Körpergewicht in Kilogramm und dividiert es durch die Körpergröße in Metern im Quadrat. Also fast so leicht, wie die Berechnung des Bremswegs in der Fahrschule.

Gehen wir einmal von Max Mustermann aus. Max wiegt bei einer Größe von 1,86 Meter rund 87 Kilogramm. Daraus ergibt sich: 87/(1,86)², also gerundet 25. Damit hat Max Normalgewicht.

In aller Kürze: Ein BMI unter 17,5 bedeutet kritisches, zwischen 17,5 und 20 Untergewicht. Normalgewichtig ist man mit einem Body-Mass-Index zwischen 20 und 26. 26 bis 31 steht für Übergewicht. Alles darüber für kritisches Übergewicht.

Kann man dem BMI vertrauen?

Wenn eine Berechnung von etwas so einfach ist, muss ich mir allerdings die Frage stellen: Kann das wirklich sein? Ist der BMI tatsächlich vertrauenswürdig oder lässt er andere, ebenfalls wichtige Kriterien einfach außer Acht?

Auch wenn ich mich über meinen BMI freue, scheine ich mit meiner Skepsis auf der richtig Fährte zu sein. Der Body-Mass-Index ist nämlich überholt.

Unter-, Über-, Was-weiß-ich-Gewicht

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte bereits 1997 die bis heute genutzte BMI-Einteilung. Ganz grundsätzlich ging es um den Zusammenhang von Lebensdauer und Körpergewicht.

Die Annahme, dass übergewichtige Menschen eher sterben als Personen mit Normalgewicht, konnte allerdings nicht belegt werden. Zwar kann ein höherer BMI bei einigen Krankheiten die Lebenserwartung verringern, bei anderen aber auch verbessern. Und manchmal, wer hätte es gedacht, ist sogar überhaupt kein Einfluss festzustellen.

Menschen sind komplex

Der BMI bezieht sich lediglich auf das Gesamtgewicht, gibt aber nicht wieder, woraus sich dieses zusammensetzt. Bei einem hochkomplexen Wesen wie dem Mensch, ist das einfach zu ungenau. Ein trainierter Sportler würde aufgrund seiner Muskelmasse mehr Gewicht auf die Waage bringen als Onkel Herbert mit seinem Bierbauch. Trotzdem wäre der Sportler wegen seines BMIs ungesünder unterwegs.

Sie sehen: Man kann sich mit solchen Spielerein ganz schnell ganz verrückt machen. Achten Sie einfach auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung, dann sind Sie stets auf der sicheren Seite.

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