Denken wie ein Kaiser

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal steht eine Zeitreise an. Zu Kaiser Marc Aurel ins alte Rom. Der kann uns nämlich einiges beibringen.

15.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diesmal sattelt Leben-Redakteur Marc Bracht bei seinem Namensvetter Marc Aurel auf.

Diesmal sattelt Leben-Redakteur Marc Bracht bei seinem Namensvetter Marc Aurel auf. © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Es gibt diese Tage, an denen das Fell nicht besonders dick, die Zündschnur dafür umso kürzer ist. Tage, an denen man genervt ist. Vom Chef, von Kollegen, von Freunden und Familie - ja, irgendwie von allen. Man möchte sie dann einfach schütteln und fragen: „Was ist denn eigentlich los mit euch?“ Schaut man dann aber nach links oder rechts, sieht man manchmal diese Leute, die sich aus Stress und Situationen, in denen es „menschelt“, gar nichts zu machen scheinen. Man bezeichnet sie häufig als „stoisch“. Und man fragt sich: Wie können die immer so locker und entspannt bleiben?

Was bedeutet stoisch?

Der Begriff geht zurück auf die philosophische Schule der Stoa, die im antiken Griechenland von Zenon von Kition gegründet wurde und im alten Rom mit Kaiser Marc Aurel ihren historischen Höhepunkt fand. Der Name der Denkrichtung stützt sich auf die Säulenhalle in Athen, die Stoa, vor der die ersten Stoiker lehrten und diskutierten.

Den Stoikern ging es um nichts weniger, als ein glückliches Leben, griechisch: Eudaimonía. Doch wie führt man ein solches? Indem man sich man frei macht von Leidenschaften, sich in Selbstgenügsamkeit und Unerschütterlichkeit übt. Bei den Stoikern ist alles, was uns widerfährt, vorbestimmt. Es liegt an uns, wie wir damit umgehen. Am sinnvollsten sei es, das propagierte der berühmte Stoiker Epiktet, einzusehen, dass es Dinge gibt, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, auf die wir deshalb keinen Einfluss haben.

Wer war Marc Aurel?

„Unser Leben ist das, wozu es unser Denken macht“, führt Marc Aurel den Gedanken Epiktets weiter. Um ehrlich zu sein, hatte ich den ersten Berührungspunkt mit dem Kaiser durch den Hollywoodfilm „Gladiator“ mit Russel Crowe. Dort verkörperte Richard Harris das römische Staatsoberhaupt, das im Feldlager hinter feindlichen Linien in Germanien nachts sein Tagebuch, heute bekannt als „Selbstbetrachtungen“, verfasste.

Ich lese immer wieder in den „Selbstbetrachtungen“ meines Namensvetters, habe mittlerweile zwei Ausgaben im Bücherregal. Das Büchlein ist ein wahrer Fundus von Lebensweisheiten, die in unserem hektischen Alltag eine echte Stütze sein können. Passagen wie „Sei wie ein Fels, an dem sich beständig die Wellen brechen! Er bleibt stehen, während sich rings um ihn die angeschwollenen Gewässer legen“ oder „Ich habe mich stets gewundert, warum jeder sich selbst am meisten liebt, aber seines Nachbarn Meinung über sich höher schätzt als seine eigene“ laden zum Reflektieren und Durchatmen ein. Wir können von den Stoikern viel lernen.

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