Die heilende Kraft der Aloe vera

Pflegeleichte Heilpflanze

Aloe vera wird schon seit jeher für ihre heilsamen und pflegenden Inhaltsstoffe geschätzt. Die genügsame Sukkulente gedeiht im Topf und lässt sich regelmäßig beernten.

31.12.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie soll Sonnenbrand lindern, die Haut pflegen und sogar die Darmtätigkeit anregen: Aloe vera gilt in vielen Kulturen seit jeher als Heilmittel. Die Liste ihrer Fans ist lang und reicht von Kleopatra bis Sebastian Kneipp.

Die Wirksamkeit von Aloe vera wurde schon auf sumerischen Tafeln beschrieben, weiß Stephanie Gasper. Die Sammlungsbereichsleiterin für den Bereich Kakteen- und andere Sukkulente im Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin erzählt: „Alexander dem Großem riet man, die Insel Sokotra zu erobern, um sich die Aloe für die Wundheilung zu sichern. Und in den arabischen Ländern gilt sie als Symbol des vollkommenen Glücks“.

Bis heute wird die Heilpflanze aufgrund ihrer Inhaltsstoffe geschätzt. Für Ulrich Haage vom Bundesverband Einzelhandelsgärtner ist dies aber nicht der einzige Grund, um eine Aloe vera als Zimmer- oder Balkonpflanze zu haben. „Die Aloe vera ist nicht nur eine praktische, sondern auch eine pflegeleichte und sehr genügsame Pflanze, die sehr schön blühen kann“, sagt der Kakteengärtner.

Aloe: Mehr als 500 Arten - Ursprung unbekannt

Botanisch gesehen ist die Echte Aloe ein Affodillgewächs und eine von mehr als 500 Arten der Gattung Aloe. „Aloen gibt es in vielen unterschiedlichen Formen - von baumförmig bis rosettenartig. Die meisten Arten wachsen von Südafrika und Madagaskar bis zur arabischen Halbinsel“, sagt Nils Köster, Kustos für tropische und subtropische Lebendsammlungen des Botanischen Gartens und Botanischen Museums Berlin.

Woher Aloe vera ursprünglich stammt, ist nicht mehr nachzuweisen. Als Zierpflanze habe sie sich in Mitteleuropa zeitgleich mit den Kuriositäten-Kabinetten der Renaissance verbreitet, erzählt Köster. „Eine Aloe vera zu haben, gehörte damals schon zum modernen Lifestyle.“

Aloe vera: Fleischige Blätter und kurze Stacheln

Typisch für die Echte Aloe sind ihre geraden, bis zu 40 Zentimeter langen, fleischigen Blätter, die Wasser speichern können und als Rosetten nahezu auf dem Boden aufliegen. Ein gutes Erkennungsmerkmal: „Am Rand ihrer Blätter hat Aloe vera einige kurze, recht stumpfe und meist weiße Stacheln“, erklärt der Kustos.

Im Handel erhältlich ist vor allem Aloe vera ‚Sweet‘ - eine kleinwüchsige Sorte mit eher frischgrünen, kleingefleckten Blättern, die sich zweizeilig wie in einem Fächer gegenüber stehen. „Die Sorte ‚Sweet‘ wächst schnell und lässt sich leicht vermehren. Sie bildet viel mehr Ausläufer als die klassische Aloe - und damit auch viel mehr Blätter, die man verwenden kann“, sagt Köster.

Exotische Aloe vera kann man auf dem Balkon einsetzen

Die exotische Aloe vera eignet sich nicht nur als Zimmerpflanze. „Im Sommer kann sie problemlos draußen auf dem Balkon oder Terrasse gehalten werden“, sagt Haage. Für drinnen empfiehlt er einen möglichst hellen Standort: „Dunkle Ecken sind keine gute Idee. Da ist es für die Aloe zappenduster.“

Steht Aloe vera draußen, werden ihre Blätter durch das Sonnenlicht rötlich. „Das UV-Licht sorgt dafür, dass das Gewebe fester wird. Unter Glas bleiben die Blätter grün und die Maserung ist dann besser zu sehen“, sagt Gasper.

Nehmen die Blätter eine allzu rötliche Färbung an, ist schnelles Handeln angesagt. „An sehr sonnigen Tagen kann die Pflanze einen Sonnenbrand bekommen. Daher ist es ratsam, sie in heißen Sommern zu schattieren“, sagt Haage.

Vor zu viel Sonneneinstrahlung schützt sich die Aloe mit einer feinen mehlartigen Schicht, die aus winzigen Wachsschuppen besteht. Damit sie intakt bleibt, empfiehlt Kakteengärtner Haage, die Pflanzen so wenig wie möglich anzufassen. „Fingerabdrücke zerstören die Schutzschicht. Gerade junge Triebe brauchen sie ganz dringend.“

Die Aloe mag torffreie Blumenerde

An das Substrat stellt das Affodillgewächs keine großen Ansprüche. Grundsätzlich kann eine Aloe in Blumenerde gedeihen, wenn diese torffrei sei, sagt Haage. „Torfhaltige Erde nimmt Wasser nicht mehr gut auf, wenn die einmal ausgetrocknet ist.“ Sein Tipp: Kakteenerde oder eine Beimischung von mineralischen Materialien wie Bims, gebrochenem Kies und Perlit.

Gasper empfiehlt bei der Erde einen mineralischen Anteil von mindestens 60 Prozent. Ihr Rezept: zwei Teile Humus wie zum Beispiel Lauberde, magere Blumenerde oder mageren Kompost gemischt mit drei mineralischen Teilen wie beispielsweise groben Sand, Bims, Lava oder Tonsplit.

Als Sukkulente gehört Aloe vera zu den genügsamen Gewächsen und müssen nicht häufig gegossen werden. Haage gießt seine Pflanzen im Sommer etwa alle 14 Tage - und das möglichst früh, damit sie das Wasser über den Tag aufnehmen können. „Am besten füllt man den Untersetzer mit Wasser und wartet etwa zehn Minuten, bis die Pflanze genügend Wasser gezogen hat. Danach muss man den Untersetzer unbedingt ausleeren. Stehen die Wurzeln im Wasser, entwickeln sich Pilze und Fäulnis“, so der Kakteengärtner.

Gedüngt werden sollte die Echte Aloe nur sparsam mit einem handelsüblichen Kakteendünger, der nicht stickstoffbetont ist. „Die Pflanzen wachsen bei hoher Stickstoffgabe zwar schneller, aber nicht so fest und kompakt“, sagt Sukkulentengärtnerin Gasper. Haage empfiehlt, außerhalb der Wachstumszeit maximal einmal im Monat Kakteendünger zu geben: „Von April bis August kann man sie je nachdem auch zwei Mal im Monat düngen.“

Aloe vera mag keinen Frost

Ab Herbst gilt es, die Aloen vor Frost zu schützen. „Aloe vera kann ein bisschen Kälte aushalten, ist aber nicht winterhart. Bereits bei null Grad zeigt sie erste Frostschäden“, sagt Haage. Er rät dazu, die Sukkulente in einem kühlen, hellen Treppenhaus möglichst trocken zu überwintern: „Je weniger die Pflanzen im Winter wachsen, desto besser.“

Um Aloe vera zu ernten, empfiehlt Gasper, immer das unterste Blatt am Ansatz von der Pflanze abzuziehen: „Jeder Schnitt ist eine potenzielle Eintrittspforte für Krankheiten. Außerdem sehen die Pflanzen mit Schnittwunden nicht mehr schön aus.“

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dpa