Familienfotos im Netz

Hochladen oder nicht?

Familienfotos in sozialen Netzwerken können peinlich bis unangenehm werden. Wie entscheiden Familien, welche Fotos ins Netz dürfen?

12.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Selfie mit dem kleinen Sohn ist schnell gemacht. Es sollte aber besser im guten alten Papier-Fotobuch landen und nicht in soziale Medien gepostet werden.

Ein Selfie mit dem kleinen Sohn ist schnell gemacht. Es sollte aber besser im guten alten Papier-Fotobuch landen und nicht in soziale Medien gepostet werden. © picture alliance/dpa

Ausgeschnitten, bearbeitet, hochgeladen: Für Familienfotos ist der Weg vom privaten Smartphone-Speicher zur öffentlichen Facebook-Pinnwand oft kurz. Nicht immer fühlen sich alle Abgebildeten – egal, ob Eltern oder Kinder - damit wohl. Wie können Familien einen guten Umgang mit Fotos im Internet finden?

Familienfotos im Netz: Oft steckt Stolz dahinter

Meist sind es Eltern, die Familienfotos im Netz teilen. Die Internet-Aktivistin Toyah Diebel beobachtet, dass vor allem Stolz dahintersteckt: „Alle Eltern sind der Meinung, dass ihr Kind besonders hübsch, süß und talentiert ist. Das können sie durch Fotos im Netz beweisen.“

Dass Kinder und Jugendliche Familienfotos ins Netz stellen, kommt hingegen seltener vor, sagt Kristin Langer, Mediencoach der Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht“.

Bei Familienfotos im Netz zeichnet sich nicht selten ein Missverständnis zwischen den Generationen ab: „Fälschlicherweise denken Eltern manchmal, sie könnten mit den Fotos ihrer Kinder machen, was sie wollen“, so Langer. „Dabei hat jeder Mensch ein Recht am eigenen Bild, das gilt im Grunde ab der Geburt.“ Eltern müssten dabei stets bedenken, dass sie stellvertretend für ihr Kind entscheiden – zumindest, solange es dazu selbst noch nicht in der Lage ist.

Nicht immer folgenlos

Welche Folgen kann es haben, wenn Heranwachsende Fotos von sich finden, für die sie nie grünes Licht gegeben haben? „Gerade bei Jugendlichen kann ein starkes Schamgefühl entstehen, verbunden mit der Frage: Wer könnte das sehen?“, sagt Langer.

„Das Posten von Bildern muss in der Familie thematisiert werden“, sagt deshalb Friederike von Gross, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK).

Einfühlungsvermögen und Kommunikation

Einfühlungsvermögen ist gerade bei kleineren Kindern zentral, die noch gar nicht wissen, was hinter dem Internet steckt. Wenn Eltern unbedingt ein Foto teilen wollen, sollten sie es behutsam auswählen. Persönliche oder intime Momente – leicht bekleidet oder weinend – sind am besten im Papier-Fotoalbum aufgehoben.

Wichtig ist außerdem, dass Eltern sich bewusst machen, welchen Weg das Foto im Netz gehen könnte. Von Gross rät, sich in potenzielle Betrachter hineinzuversetzen: „Das Foto, auf dem das Kind an seinem Erdbeereis leckt, mag für die Eltern einfach nur niedlich sein – auf andere Menschen kann es sogar erotisierend wirken.“

Familienfotos sicherer gestalten

Es gibt Wege, Kinderfotos im Netz sicherer zu gestalten. „Wenn ich das Kind von hinten zeige oder auch mit Emoticons vor dem Gesicht, dann schütze ich seine Privatsphäre“, sagt von Gross.

Bei älteren Kindern wird die Kommunikation wichtiger. Die Expertinnen raten, Kinder ab dem Grundschulalter an soziale Medien heranzuführen und zu fragen, ob es für sie in Ordnung ist, Fotos von ihnen zu teilen. Dabei sollten Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. „Wenn Kinder merken: „Oh, meine Eltern posten jedes Bild, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen“, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie später auch so handeln“, sagt von Gross.

Nein heißt nein

Beide Seiten – Eltern und Kinder – sollten lernen, dass es dazugehört, nach dem Einverständnis zu fragen, und, dass es tabu ist, sich über ein „Nein!“ hinwegzusetzen.

Kommt es zu Konflikten, können Eltern und Kinder einen Vertrag aufsetzen. „Darin können beide Seiten regeln, was sie von sich selbst im Internet sehen möchten –
und was nicht“, erklärt Langer.

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dpa