Finger weg vom Nasenloch

Pflegen statt Popeln

Von guten Manieren zeugt es nicht. Darum popeln Menschen meist klammheimlich in der Nase. Doch auch aus medizinischer Sicht ist das Bohren mit dem Finger nicht ratsam.

09.09.2020, 10:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lädt manchen zum Bohren ein, bleibt aber lieber vom Finger unberührt: das Nasenloch.

Lädt manchen zum Bohren ein, bleibt aber lieber vom Finger unberührt: das Nasenloch. © Westend61/dpa

In der Nase bohren: Das ist irgendwie unappetitlich. Viele machen es trotzdem - aus Gewohnheit oder weil da irgendwas in der Nase „hängt“ und stört. Nur, es ist meist nicht wirklich zielführend.

Oder wie es der HNO-Arzt Prof. Rainer Weber formuliert: „Es kann nahezu nie das Problem einer Verkrustung in der Nase lösen.“

Der Experte kann auch fundiert erklären, was es mit dem umgangssprachlichen Begriff des Popels auf sich hat. Gemeint seien „eingedicktes Nasensekret und Krusten in der Nase, wobei dies nur Krusten im Naseneingang und vordersten Abschnitt betrifft“, sagt der Leiter der Sektion Nasennebenhöhlen- und Schädelbasischirurgie an der HNO-Klinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe.

Nasenloch: Ein bohrender Teufelskreis

Die Krusten entstehen entweder durch das Eintrocknen eines Sekrets, das von der Nasenschleimhaut stammt, oder durch ein Wundsekret von oberflächlichen Verletzungen im Naseneingang. Das ist ein Grund, warum Popeln nicht gut für die Nase ist.

Vor allem im Winter ist die Luft trockener, es kommt häufiger zu einem Trockenheitsgefühl am Naseneingang - und man popelt. Weitere Ursachen können ein zu intensives Nachreinigen beim Nasenputzen sein oder weil man eine Salbe mit einem Stäbchen in der Nase verstreicht. Weber: „All das führt zu einer Verletzung, die den Körper zur Wundheilungsreaktion mit Krustenbildung veranlasst.“

Das Problem ist: Die Kruste führt wieder zum Trockenheitsgefühl - und schon kratzt der Finger erneut in der Nase herum, um den Störenfried zu entfernen. „Ein Teufelskreis entsteht“, sagt Prof. Weber. Also lieber Hände weg vom Nasenloch, so schwer es auch fallen mag.

Statt zu popeln empfiehlt der HNO-Arzt Michael E. Deeg seinen Patienten, die zu einer trockenen Nase neigen und Verborkungen in der Nase entwickeln, eine energische Pflege mit Nasensalben und Nasenspülungen. „Das ist aus meiner Sicht ideal.“

Eine Spülung kann man sehr oft, sogar zwei- bis dreimal am Tag, machen. Man spült hierbei mit einer isotonischen Salzlösung die Nase und befreie sie von allem, erklärt Deeg.

Drinlassen ist keine Option

Was keine Option ist: Die Popel drin lassen. „Das kann unangenehm werden. Die Nase fühlt sich wie zugestopft an“, sagt Deeg. Wobei man unterscheiden muss zwischen gewohnheitsmäßigem Nasebohren und der Problematik der Verborkung, die einen Krankheitswert hat.

Treten die Popel nur ausnahmsweise gehäuft auf, zum Beispiel eine Woche lang nach einem Infekt, ist kein Arztbesuch nötig. „Geht das aber über Wochen so, sollte sich das ein Arzt anschauen“, sagt Deeg. Vor allem, wenn der Betroffene dauernd das Gefühl habe, seine Nase sei verstopft und da ständig dieses Bedürfnis zum Popeln ist.

Durch das Bohren entstehen übrigens nicht nur neue Krusten, die Nase kann auch Schaden nehmen. Zwar werde der Knorpel im Nasenflügel nicht geschädigt, weil er dem Druck ausweiche, erläutert Rainer Weber. Der Knorpel in der Nasenscheidewand allerdings könne durch intensives und lang anhaltendes Nasebohren ausgedünnt und sogar durchbohrt werden. „Es kann also problematisch werden“, sagt Weber.

Darf man Popel essen?

Bleibt noch eine letzte Sache zu klären: Mancher streicht die Popel nicht etwa an einem Papiertaschentuch ab, sondern nascht sie einfach weg. Das mag unappetitlich sein, ist aber harmlos. In Magen und Darm werden die enthaltenen Bakterien abgetötet und die gegebenenfalls enthaltenen Nährstoffe aufgenommen.

„Viele halten das Essen für eklig, manche mögen es aber“, sagt Weber. Der Professor bleibt neutral: „Es ist eine Geschmackssache.“

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dpa