Ganz schön mutig

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wohlbefinden. Diesmal geht es um ein bisschen Seelenfrieden.

28.04.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Courageous climb for high altitude mountaineering and professional climber

Courageous climb for high altitude mountaineering and professional climber © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Kennen Sie diese Story? Ein Schüler soll in der Klassenarbeit in einem Aufsatz die Frage beantworten, was Mut ist. Nach ein paar Minuten schreitet er selbstsicher zum Lehrerpult, legt seinen Zettel vor den Pauker und geht. Dieser schaut ganz verblüfft. Die Frage, was denn eigentlich Mut sei, beantwortete der Schüler lediglich mit folgendem Satz: „Das ist Mut.“ Lassen wir es einfach mal dahingestellt, ob sich dieses Ereignis tatsächlich zugetragen hat. Denn so oder so: Etwas lernen können wir von dieser kleinen Geschichte definitiv.

Mut: Eine Definition

Der Duden beschreibt Mut als „Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden“ und „Furchtlosigkeit angesichts einer Situation, in der man Angst haben könnte“. Heißt das jetzt, dass man nur Mut beweist, wenn man ein Kleinkind, das im Zoo in das Löwengehege gefallen ist, davor bewahrt, zum Snack für den König des Dschungels zu werden? Oder wenn man ohne Seil und Haken einen Berg bezwingt? Ich finde: Ja - aber es geht auch anders. In kleinerem Rahmen. Denn Ängste sind total subjektiv.

Sei ein Angsthase

Für den waghalsigen Bergsteiger mag es vielleicht klein und unbedeutend klingen, wenn sich jemand beispielsweise davor fürchtet, seine Traumfrau anzusprechen oder einem Arbeitskollegen zu sagen, dass man seine Kaugeräusche in der Mittagspause nicht erträgt. Doch genau das sind Probleme, die für viele von uns mit Ängsten verbunden sind. Angst vor Zurückweisung, Angst davor, die Gefühle des Gegenüber zu verletzen und damit eine Freundschaft aufs Spiel zu setzen. Und das ist auch okay! Es ist in Ordnung, ein Angsthase zu sein, finde ich. Für mich ist das ein Beweis dafür, dass jemand nicht unüberlegt handelt, sondern alle Eventualitäten in Betracht zieht.

Jetzt mach schon

Doch irgendwann sollte man dem inneren Schweinehund dann auch einen Maulkorb anlegen und zu sich selbst sagen: „Jetzt mach schon!“ Denn meistens lohnt sich der Sprung ins kalte Wasser dann ja doch. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, als ich in Indonesien meinen Tauchschein gemacht habe. Schon bei meinem ersten Freiwassertauchgang wollte ich alles abbrechen, als ich das erste Mal in voller Montur den Meeresboden - es waren höchstens zehn Meter - unter mir sah. Meine Tauchlehrerin wusste, dass es Muffensausen war und deutete per Handzeichen an, dass ich es einfach machen soll. „Jetzt mach schon!“, sagte ich mir - und war mächtig stolz, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Es folgten weitere Tauchgänge im Freien und ich machte sogar mein Tieftauchzertifikat, darf nun also bis auf 30 Meter hinab in die Tiefe.

Mutig sein zahlt sich aus

„Meistens gibt es mehr zu gewinnen, als zu verlieren“ - Diesen Spruch haben Sie doch sicher auch schon mal gehört. Doch er stimmt. Also wenn Sie das nächste Mal vor einer Entscheidung stehen, die Ihnen Angst macht, sagen Sie sich einfach „Das ist Mut!“ und ziehen Sie‘s durch.

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