Gartenreisen liegen im Trend

Das Ziel ist grün

Dem heimischen Garten sind natürliche Grenzen gesetzt - räumlich, finanziell. Manche Menschen fahren daher extra in den Urlaub, um sich wahre Prachtgärten anzuschauen.

30.08.2020, 09:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Wörlitzer Park zählt zu den schönsten Landschaftsgärten im englischen Stil in Europa.

Der Wörlitzer Park zählt zu den schönsten Landschaftsgärten im englischen Stil in Europa. © Daniela David/dpa

Dass Urlauber unterwegs einen hübschen Park oder botanischen Garten besuchen, ist nichts Neues. Doch Gärten selbst werden zunehmend zu einem eigenständigen Reiseziel.

„Die Menschen möchten eine positive Gegenwelt genießen, das verstärkt sich nochmals in Zeiten von Corona“, glaubt Franz Gruber, der Geschäftsführer von Die Garten Tulln in Niederösterreich. Die Besucher erholen sich im Grünen und bekommen Tipps zum ökologischen Gärtnern. „Mittlerweile empfinden die Gäste ökologisch sinnvoll gestaltete Gärten als schön“, berichtet Gruber. Also lieber blühende Blumenwiese als kurz geschorener Rasen.

Die Begeisterung fürs Grün ist an den Gästezahlen der gärtnerischen Hotspots abzulesen. Im vergangenen Jahr kamen allein auf die Blumeninsel Mainau im Bodensee etwa 1,2 Millionen Besucher.

Gartenreisen: Prachtgärten in Deutschland

Der Gartenreisende von heute steht vor der Qual der riesigen Auswahl. Gerade nach der Wende wurden im Osten Deutschlands zahlreiche Gartendenkmäler aufwendig saniert.

Ein Paradebeispiel hierfür sind die Gärten in Sachsen-Anhalt. „Bei uns trifft Gartengenuss auf eine lange Geschichte“, sagt Felicitas Remmert vom Verein „Gartenträume - Historische Parks in Sachsen-Anhalt“, zu dem 50 Parks in Sachsen-Anhalt gehören. Herzstück dieser Gartenlandschaft ist der Wörlitzer Park, der zweifellos zu den schönsten Landschaftsgärten im englischen Stil in Europa zählt.

Auch der Fürst-Pückler-Park in Branitz in Brandenburg, die Herrenhäuser Gärten in Hannover oder der private Landschaftspark von Schloss Dennenlohe in Franken sind beliebte Gartenziele.

England ist das Eldorado für Gartenreisen

Deutschlands Gärten müssen sich international nicht verstecken. Doch England war und ist das Sehnsuchtsziel für Gartenreisende. Englische Gartenkunst steht für große Tradition, üppige Pflanzenpracht und reichlich Farbe im Beet.

Wer sich im englischen Linksverkehr nicht selbst ans Steuer setzen möchte, bucht eine Gartenreise mit dem Bus. Bei professionellen Anbietern darf eine hochkarätige Führung erwartet werden. Auf anspruchsvollen Gartenreisen steht durchaus eine Tea Time „mit Ihrer Ladyschaft“ im Garten eines noblen Anwesens auf dem Programm.

„Besonders in den Privatgärten, die sonst nicht zugänglich sind, kommen wir mit den Gastgebern gut ins Gespräch“, erzählt Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin.

Dabei locken nicht mehr nur die weltberühmten Gärten im Süden Englands, etwa Sissinghurst oder Great Dixter, auch der Norden will nun entdeckt werden. So soll im Mai 2021 bei Manchester das derzeit größte Gartenprojekt Europas eröffnen: 62 Hektar umfasst der Bridgewater Garden der Royal Horticultural Society.

Auch Jüngere zieht es in die Gärten

Gartenreisen sind längst nicht mehr nur etwas für die Generation über 50. „Das Gartenreise-Image hat sich eindeutig zum Positiven gewandelt“, stellt Carsten Seick von Dr. Seick Kultur- und Gartenreisen fest.

Wer sich für eine organisierte Gartenreise entscheidet, sollte auf den thematischen Schwerpunkt des Veranstalters achten. Einige Reisen sind zum Beispiel rein botanisch fokussiert. Wie gut sich ein Garten dem Besucher erschließt, hängt maßgeblich von der Persönlichkeit und der Erfahrung der Guides ab. Zumeist sind das Fachleute.

Mit wem, wie und wohin auch immer man eine Gartenreise unternimmt - fit genug sollte man sein, um ein- bis zweistündige Spaziergänge und längeres Stehen bei Führungen durchzuhalten. Dafür wird man fast immer mit einer überwältigenden Pracht belohnt.

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dpa