Gegen den Stream

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht es um Streaming. Und den damit verbundenen psychischen Stress.

01.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Streaming löst das lineare Fernsehen ab, heißt es. Doch wer löst Netflix und Co. ab? Leben-Redakteur Marc Bracht ist vom Streaming genervt.

Streaming löst das lineare Fernsehen ab, heißt es. Doch wer löst Netflix und Co. ab? Leben-Redakteur Marc Bracht ist vom Streaming genervt. © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Netflix, Amazon Prime Video, Maxdome, Sky: Das Streaming-Angebot in Deutschland ist gigantisch. Laut Statista nutzen 52 Prozent der Deutschen mindestens einen dieser Anbieter für ihr audio-visuelles Vergnügen. Filme, Serien, Dokus - es gibt nichts, was es nicht gibt. Das lineare Fernsehen kann da nicht mithalten. Überhaupt nicht flexibel, kaum gute Inhalte. Ja, man hat das Gefühl, hierzulande gibt es nur Krimis, Quiz- und Castingshows. Das nervt. Doch die Streaming-Anbieter nerven auch.

Streaming: Die Qual der Wahl

Vielleicht kennen Sie das ja: Die Arbeit ist getan, das Abendessen verputzt - beste Zeit also, um es sich ein bisschen vor der Flimmerkiste gemütlich zu machen. Also startet man Netflix - oder einen der Konkurrenten - und begibt sich auf die Suche. Und schon hat man den Salat.

Man klickt sich durch alle möglichen Kategorien, nimmt vielleicht ein oder zwei Titel in die engere Auswahl. Will dann aber doch weitersuchen - vielleicht findet man ja noch was, das noch sehenswerter ist. Am Ende ist man dann so gefrustet, dass man gar nichts schaut, und den Fernseher wieder ausschaltet.

Gefangen in der Endlosschleife

Eine Studie in den USA hat ergeben, dass die Amerikaner knapp 18 Minuten Zeit dafür aufbringen, nach Streaming-Inhalten zu suchen. Wenn ich mein eigenes Nutzerverhalten betrachte, kann ich nur stark davon ausgehen, dass es bei uns genauso ist.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass der durchschnittliche Netflix-Abonnent - wenn er denn fündig wurde - etwas mehr als eine Stunde pro Tag für das Schauen von Serien, Filmen und Co. aufwendet, sind die fast 20 Minuten der (erfolglosen) Suche schon beachtlich.

Sind wir das Problem?

„Wir haben bisher angenommen, dass Freiheit das Wichtigste für den Menschen ist, dass man umso freier ist, je mehr Wahl man hat. Was bedeutet, dass man dem Menschen nur Gutes tut, je mehr Wahlmöglichkeiten man ihm gibt“, sagt Barry Schwartz, Psychologie-Professor am Swarthmore College bei Philadelphia.

Das Gegenteil sei der Fall, so Schwartz. Die sprichwörtliche Qual der Wahl kann uns unglücklich machen, sogar schwerwiegende psychische Probleme hervorrufen. Es könne sogar dazu führen, dass wir mit keiner einzigen Entscheidung, die wir treffen, glücklich sind.

Etwas mehr Begrenzung

Schwartz‘ Vorschlag: „Wir sollten versuchen, die Möglichkeiten zu begrenzen, statt sie immer weiter zu vergrößern.“ Zudem müssten wir die Überzeugung erlangen, dass Grenzen unser Leben besser machen können.

Vielleicht hilft es also, sich beim Streaming zumindest nur einem Genre zuzuwenden. Der Dienstag als Komödien-Tag. Mittwochs dann ein Western. Oder man setzt sich einfach mal wieder mit einem guten Buch nach draußen.

Gesundheit, Wellness, Rezepte: Auf Ruhr Nachrichten Leben finden Sie weitere spannende Themen:

www.ruhrnachrichten.de/leben