Gibt es die Männergrippe wirklich?

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht‘s um die Männergrippe. Kein Wunder, bei dem Wetter da draußen.

von Marc Bracht

, 13.07.2021, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Männergrippe" ist häufig der Schlachtruf, wenn sich Typen eine Erkältung einfangen und deshalb jammern. Leben-Redakteur Marc Bracht klärt die Frage, ob diese Form der Grippe vielleicht doch gibt.

"Männergrippe" ist häufig der Schlachtruf, wenn sich Typen eine Erkältung einfangen und deshalb jammern. Leben-Redakteur Marc Bracht klärt die Frage, ob diese Form der Grippe vielleicht doch gibt. © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Ich liege im Bett. Die Augen sind geschwollen, die Glieder schmerzen. Mit krächzender Stimme rufe ich nach meiner Freundin. „Mein Schatz, ich glaube, es geht mit mir zu Ende“, stöhne ich und ziehe die Nase hoch. „Du spinnst“, so die wenig empathische Reaktion. „Typischer Fall von Männergrippe.“

Was ist Männergrippe?

Das wechselhafte Wetter, das irgendwie so gar nicht an Hochsommer erinnert, birgt das Potenzial, sich einen deftigen Schnupfen einzuhandeln. Warm, kalt. Trocken, verregnet. Man kann eigentlich nur verlieren.

Und wenn Mann sich dann mal wirklich etwas eingefangen hat, wird er nicht selten zum Gespött der Damenwelt. Er sei wehleidig, stelle sich nur an. So schlimm, wie wir eine Erkältung erlebten, könne sie einfach nicht sein. Dann wird der Stempel „Männergrippe“ herausgeholt und uns mit voller Wucht an die Stirn geknallt.

Fakt oder Fake: Gibt es die Männergrippe überhaupt?

Auch wenn mir mit Wadenwickel und Ibuprofen in der Blutbahn eigentlich gar nicht danach ist, Argumente dafür zu suchen, dass meine Leidensgenossen und ich tatsächlich nicht übertreiben, bringe ich die letzten Kraftreserven doch auf.

Denn Fakt ist: Die Männergrippe ist kein Mythos. Es ist wirklich so, dass Männer mehr an einer Erkältung zu knabbern haben als Frauen. Der Grund dafür ist das Immunsystem. Genauer gesagt: die feinen Unterschiede.

Östrogen vs. Testosteron

Frauen sind hier nämlich klar im Vorteil. Der höhere Östrogenspiegel im Körper der Frau sorgt nämlich dafür, dass sich Viren weniger verbreiten können. Und das Testosteron im männlichen Körper ist keine große Hilfe.

Klar, das Männerhormon steht in Verbindung mit Muskelaufbau, Bartwuchs und der Ausprägung der Stimme. Bei einem grippalen Infekt ist es dafür eher im Weg. Denn je mehr Testosteron vorhanden ist, desto weniger Antikörper befinden sich im Organismus. Wieder ein Vorteil für die Damen.

Erkältung: Männer leiden mehr

Sollten wir, liebe Männer, also wieder zum Gespött werden, wenn wir erkältet sind, haben wir ab sofort die Wissenschaft auf unserer Seite. Ob wir damit aber mehr Mitleid bekommen, ist fraglich.

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