„Hello again“ - oder: Warum wir die Musik unserer Eltern plötzlich abfeiern

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht es um die Musik unserer Eltern. Und warum sie uns doch irgendwie guttut.

08.09.2020, 15:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Früher peinlich, heute richtig gut: Die Musik unserer Eltern bringt auch uns plötzlich zum Schunkeln und Mitsingen. Warum das so ist, versucht Leben-Redakteur Marc Bracht zu verstehen.

Früher peinlich, heute richtig gut: Die Musik unserer Eltern bringt auch uns plötzlich zum Schunkeln und Mitsingen. Warum das so ist, versucht Leben-Redakteur Marc Bracht zu verstehen. © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Früher, ich muss vielleicht zehn oder zwölf Jahre alt gewesen sein, fand ich es einfach nur furchtbar. Bei Familienfeiern - Weihnachten, Geburtstage usw. - erreichte man in meiner Familie immer diesen schicksalhaften Zeitpunkt, an dem irgendjemand auf die Idee kam, Schlager aufzulegen. Howard Carpendale, Udo Jürgens, Heintje - während alle lauthals mitsangen, wünschte ich mir nur, vom Blitz erschlagen zu werden. Heute ist das anders. Doch warum eigentlich?

Warum sind Schlager so beliebt?

Beim Frühstück ertönte heute „Hello again“ von Howie im Radio. Statt sich ein schnelles Ableben zu wünschen, sangen meine Freundin und ich mit. Und auch sonst gehört diese Art von Musik mittlerweile irgendwie einfach dazu. Es gibt kaum eine Begegnung mit der Familie, bei der nicht zu späterer Stunde ganz plötzlich alle „Griechischer Wein“ singen. Und das liegt nicht nur am Ouzo. Grundsätzlich kann man zwar sagen, Schlager geht schnell ins Ohr und bleibt im Kopf. Einfache Texte mit Ohrwurmgarantie. Doch da gibt es noch eine ganz andere Ebene.

Musik ist Training fürs Gehirn

Musik schickt uns auf eine Zeitreise. Das liegt unter anderem daran, dass unser Gehirn, im Speziellen die Schläfenlappen, beim Musikhören total beansprucht werden. Ihre bekannteste Funktion ist nämlich das Hören. Und das ist aufwendig: Text, Rhythmus, Melodie - all das muss verarbeitet werden. Ein hartes Workout. Bei Profimusikern gilt es als erwiesen, dass sie mehr Nervensubstanz in den auditorischen, motorischen, visuell-räumlichen Großhirnarealen und im Kleinhirn haben als Normalsterbliche.

Hach, die Nostalgie

Wir sehen also: Wurden wir in der Kindheit genug mit der Musik unserer Eltern und Großeltern genervt, vergisst unser Hirn das nie. Doch nicht nur Musik wird dort gespeichert. Auch unsere ganz alltäglichen Erinnerungen finden im Hippocampus, einer Region im Schläfenlappen, ihren Platz. Man kann also sagen, dass wir uns gleich doppelt in unsere Kindheit und Jugend zurückversetzt fühlen - und deshalb heute mitschunkeln. Schämen müssen Sie sich dafür nicht. Es schließlich einfach nur eine chemische Reaktion.

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