Lebensumstellung bei Bluthochdruck lohnt sich

Aktiv werden

Er tut nicht weh, kann aber fatale Folgen haben: Bluthochdruck ist eine der häufigsten Krankheitsdiagnosen. Doch Betroffene können vieles dagegen tun.

11.11.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Regelmäßig überprüfen lassen: Der Blutdruck ist elementar wichtig für die Gesundheit - zu hoch darf er nicht sein. Zu niedrig übrigens auch nicht.

Regelmäßig überprüfen lassen: Der Blutdruck ist elementar wichtig für die Gesundheit - zu hoch darf er nicht sein. Zu niedrig übrigens auch nicht. © Christin Klose/dpa

Schlaganfall und Herzinfarkt zählen in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Beiden liegt häufig eine arterielle Hypertonie zugrunde. So lautet der Fachausdruck für einen Begriff, der den meisten geläufiger sein dürfte: Bluthochdruck.

„Wir gehen davon aus, dass mindestens 20 bis 30 Millionen Deutsche hohen Blutdruck haben“, sagt Prof. Ulrich Wenzel, der als Oberarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf arbeitet. Zu hoher Blutdruck ist eine Volkserkrankung mit ernsten Folgen.

Wenzel zählt auf: „Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Dialysepflicht, Durchblutungsstörungen der Beine.“ Folgeerkrankungen, die im wahrsten Sinne des Wortes tödlich seien, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hochdruckliga.

Bluthochdruck: Unspezifische Symptome

Bluthochdruck selbst hat eher unspezifische Symptome wie Konzentrationsstörungen und Müdigkeit oder, dass Betroffene schnell erschöpft sind. Wie es um den eigenen Blutdruck bestellt ist, darauf wüssten viele Menschen wohl keine Antwort. Aus Sicht von Prof. Heribert Schunkert ist das nicht gut.

„Jeder sollte durch Messung beim Arzt, in der Apotheke oder durch Selbstmessung seinen Blutdruck feststellen und damit kennen“, sagt der Direktor der Klinik für Erwachsenenkardiologie im Deutschen Herzzentrum München.

„Der Blutdruck steigt typischerweise mit dem Älterwerden an“, erläutert Schunkert, der im Vorstand der Deutschen Herzstiftung sitzt. „Ab etwa 75 Jahren gibt es meist keinen wesentlichen Anstieg mehr.“ Doch auch junge Leute können Bluthochdruck haben.

Als Grenzwert, ab dem von Hypertonie gesprochen wird, gilt in Europa ein Blutdruck im Ruhezustand von 140 zu 90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). „Aber auch schon unter dieser Schwelle kann festgestellt werden: je höher ein Blutdruck, desto höher das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden“, warnt Schunkert.

Gewichtskontrolle und gesunde Ernährung

Zu den Risikofaktoren für Bluthochdruck zählen Übergewicht und Bewegungsmangel. Für bessere Werte kann der Einzelne einiges tun. „Man sagt grob: Blutdruck ist zu 50 Prozent Veranlagung und zu 50 Prozent durch äußere Lebensumstände beeinflussbar“, betont Schunkert.

Gewichtskontrolle, gesunde Ernährung und körperliche Aktivität sind laut dem Klinikchef die drei wichtigsten Säulen. Wer bei Übergewicht die Kilos auf der Waage reduziert, merkt das meist unmittelbar, indem der Blutdruck runtergeht. „Ein Kilo Gewichtsabnahme kann ein bis zwei mmHg an der Blutdrucksäule reduzieren“, rechnet Schunkert vor.

Mediterrane Kost und weniger Salz bei Bluthochdruck

Gesunde Ernährung und Bewegung halten darüber hinaus die Gefäße gesund. Experten empfehlen vor allem mediterrane Kost. „Sie ist sehr ballaststoffreich“, erklärt Schunkert. „Viel Obst und Gemüse, Nüsse und Olivenöl als eines der gesünderen Öle sind positiv.“ Menschen mit Bluthochdruck sollten zudem weniger beherzt ihr Essen salzen.

Sport lässt den Blutdruck indes ansteigen - aber auf gesunde Weise. „Das ist ein Bedarfsdruck - der Körper braucht mehr Sauerstoff“, so Wenzel. „Und in der Erholungsphase sinkt der Blutdruck unter das vorherige Niveau. Das macht die Gefäße eher flexibler.“

Wenzel empfiehlt vor allem Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Walken, aber letztlich gilt: „Jeder Sport ist gut.“ Vorsicht geboten ist aber bei sehr hohen Blutdruckwerten.

Blutdruckpatienten sollten daher zuerst mit ihrem Arzt sprechen. Der verordnet gegebenenfalls auch Medikamente. „Es gibt fünf verschiedene Wirkstoffe, die allesamt als sehr sicher und gut verträglich gelten, um den Blutdruck zu senken“, sagt Kardiologe Schunkert.

Tabletten aus Bequemlichkeit

Viele Menschen nehmen ihr Leben lang Tabletten gegen Bluthochdruck. Wer ohne Medikamente auskommen möchte, muss sein Leben umstellen. Das fällt vielen schwer, sagt Wenzel. Gewohnheit und Bequemlichkeit sind Hemmschuhe. „Viele Patienten finden es bequemer, eine Tablette zu schlucken, als jeden zweiten Abend laufen zu gehen.“

Wer sich durchringen kann, dem Bluthochdruck durch ein gesünderes Leben zu Leibe zu rücken, macht das am besten in Gesellschaft, rät Schunkert. „Alles, was man alleine macht, ist häufig nicht von Erfolg gekrönt.“ In der Gruppe sei es motivierender.

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dpa