„Mir geht nichts über mich“ - oder: Wie gesunder Egoismus unser Leben leichter macht

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht es um gesunden Egoismus. Denn ein bisschen Selbstliebe schadet eigentlich nie.

22.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ich liebe mich! Leben-Redakteur Marc Bracht findet: Egoismus ist per se nichts Schlechtes, wenn man ein paar Dinge bedachtet.

Ich liebe mich! Leben-Redakteur Marc Bracht findet: Egoismus ist per se nichts Schlechtes, wenn man ein paar Dinge bedachtet. © Montage: Adobe Stock/Kaminski

„Mir geht nichts über mich.“ Dieser Ausspruch kommt von Johann Caspar Schmidt, einem deutschen Philosophen aus dem 19. Jahrhundert, der manchem wohl besser unter seinem Pseudonym Max Stirner bekannt ist. Viele werden sich bestimmt erst einmal an diesen fünf Worten stoßen, gilt der Egoismus, dessen Verfechter Stirner Zeit seines Leben war, doch in der Regel als verpönt. Sätze wie „Der denkt mal wieder nur an sich“ hat jeder schon einmal gehört. Und das Verhalten der Person, das damit beschrieben wird, negativ bewertet. Ich denke, eine Portion Egoismus täte uns allen ganz gut. Denn es gibt ihn, den gesunden Egoismus.

Was ist gesunder Egoismus?

Stirner gilt als Vertreter des ethischen Egoismus. Dieser besagt im Groben: Man sollte sich in seinem Handeln stets davon leiten lassen, was für einen selbst das Beste ist. Diese Form des Egoismus propagierte er in seinem Hauptwerk „Der Einzige und sein Eigentum“, erschienen 1844. Steiner habe sein „Sach’ auf nichts gestellt“, sagt er. Damit stellt er sich gegen die Auffassung, dass man für etwas einstehen soll, das außerhalb des eigenen Selbst steht - Religion, Politik usw. „Nur meine Sache soll niemals meine Sache sein“, kritisiert er. Es gehe also stets um alles, außer seine eigenen Interessen. Diese Denkweise klingt schon ziemlich radikal.

Doch man muss Stirner bewundern: Viel zu oft sagen wir „Ja“ und „Amen“, obwohl wir tief in unserem Herzen etwas anderes wollen. Ein gesunder Egoismus kann uns weiterbringen. Doch was ist das überhaupt? Prinzipiell geht es darum, eine Kehrtwende zu vollziehen. Wenn wir merken, dass wir mit etwas nicht zufrieden sind, z. B. weil es einen Nachteil für uns bedeutet oder uns sonst wie unglücklich macht, sollten wir es ansprechen. In einfachen Worten: Wir sollten lernen, für uns einzustehen.

Gesunder Egoimus: Wie geht das?

Leicht ist es nicht, einfach „Nein“ oder „Bis hier hin und nicht weiter“ zu sagen. Unser Pflichtbewusstsein und der Glaube, zu müssen, bremst uns gern aus. Doch wir müssen nicht immer allen gefallen. Stellt man sich vor, da gebe es eine Person in einer Warteschlange an der Supermarktkasse, die wirklich jeden anderen Kunden vordrängeln lässt, und somit selbst nicht von der Stelle kommt, fragt man sich: Warum steht dieser Mensch nicht für sich ein? Tja, viel zu oft sind wir selbst diese Person, die den Dränglern Platz macht.

Gesunden Egoismus kann man lernen. Und es lässt sich sogar ein kleiner Leitfaden formulieren:

  • Lernen, „Nein“ zu sagen: Es ist wichtig, dass man ehrlich ist. Wenn man etwas wirklich nicht will, muss man das auch nicht.
  • Man „muss“ nicht immer: Wer sich mit dem Gedanken anfreundet, dass man nicht immer etwas tun „muss“, wird entspannter durch‘s Leben geben.
  • Mit zweierlei Maß messen: Wir werden schnell enttäuscht, wenn andere Menschen etwas anders machen, andere Maßstäbe setzen. Das ist okay, wenn wir nicht ständig das Gegenteil erwarten würden.
  • Immer zuerst durchatmen: Viel zu schnell lassen wir uns dazu hinreißen, immer direkt auf etwas zu reagieren. Das muss nicht sein. Eine kleine Verschnaufpause, um die Gedanken zu sortieren, ist gesund.
  • Man ist nicht immer für alles verantwortlich: Wir sollten natürlich stets unser Bestes tun. Aber da hört unsere Verantwortung für etwas dann auch auf.
  • Sein eigener Freund sein: Der wohl wichtigste Aspekt dieser Liste! Man sollte immer gut zu sich selbst sein. Kleiner Tipp: Man stelle sich einfach vor, man sei sein eigener Freund. Was erwartet man von guten Freunden? So sollte man sich selbst behandeln.

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