Rote Bete: Die Rübe aus der Hölle

Kolumne

An dieser Stelle schreibt Redakteur Marc Bracht über seine Erfahrungen in den Bereichen Gesundheit und Wellness. Diesmal geht es um ein heimisches Gemüse, das ein Kindheitstrauma auslöste.

24.02.2020, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein natürlicher Helfer bei der Blutbildung - Rote Bete enthalten viel Folsäure und Eisen.

Ein natürlicher Helfer bei der Blutbildung - Rote Bete enthalten viel Folsäure und Eisen. © Montage: stock.adobe.com/Kaminski

Von Marc Bracht

Es sollte ein ausgelassener Abend werden. Freunde hatten eingeladen. Raclette, Gesellschaftsspiele, ein paar Drinks. Es wurde geschlemmt, gelacht - ja, einfach gelebt. Zu späterer Stunde kippte dann allerdings die Stimmung. Jemand war auf die Idee gekommen, Schnäpse zu verteilen. Mir verschlug es die Sprache. Schweißperlen sammelten sich auf meiner Stirn. „Ist alles in Ordnung?“, fragte mein Sitznachbar beunruhigt. Ich brachte kein Wort heraus, verkrampfte total. Direkt vor mir stand ein Pinnchen mit rotem Inhalt. Blutrot. Warnfarbe. Ein Rot, das allem Anschein nach so etwas wie eine posttraumatische Belastungsstörung in mir auslöste. „Das ist doch wohl kein…“, stammelte ich. „Was?“, schallte es aus der Runde. „Rote-Bete-Saft!“, entfuhr es mir.

Rote Bete gegen Eisenmangel

Ja, als Kind habe ich die Rübe kennengelernt. Kennenlernen müssen, wäre richtiger. Denn ich litt damals an Eisenmangel. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht das übrigens jedem fünften Dreikäsehoch in den Industrienationen so. Ob aber alle von denen Bekanntschaft mit Rote Bete machen müssen, ist fraglich. Hätte ich die Wahl gehabt, so hätte ich darauf verzichtet. Dankend abgelehnt. Ein höfliches, aber bestimmtes „Nein“.

Rote Bete schmeckt nach Erde

Doch meine Mutter bestand darauf, dass ich jeden Abend vor dem Essen ein Schnapsglas mit Rote-Bete-Saft zu mir nehmen sollte. Die Intention war natürlich durchaus ritterlich, enthält das Gewächs, das mit Zuckerrübe und Mangold verwandt ist, schließlich das mir fehlende Spurenelement Eisen, aber auch Vitamin B, das zur Blutbildung beiträgt. Aber der Geschmack! Dieser Mix aus Erde und Rost. Bitter. Säuerlich. Widerlich. All meine Versuche, mich zu wehren, schlugen fehl. Augen zu und durch - und Nase zuhalten -, mehr blieb mir nicht übrig.

Die Rübe als Superfood

Bis heute hege ich diese Abneigung gegen Rote Bete, versuche die Qualen meiner Kindheit zu vergessen. Das fällt schwer. Immerhin erlebt die Rübe aus der Hölle eine echte Renaissance. Und zwar als sogenanntes „Super Food“, eine Bezeichnung, die oft nur Exoten wie Acai- oder Goji-Beeren vorbehalten ist. Gut, Rote Bete enthält neben Eisen und Vitamin B ebenfalls Sodium, Magnesium, Calcium und Phosphor. Auch Folsäure, Vitamin A , Vitamin C und Niacin. Rote Bete verbessert Hautbild und Verdauung. Wenn man sich das so anschaut, hätte sie vielleicht wirklich das Prädikat „super“ verdient.

Zweite Chance?

Eigentlich mag ich es ja, mich auf kulinarische Experimente einzulassen. Auf meinen Reisen durch Asien probierte ich Heuschrecken und Schlange. Wenn ich das herunterbekomme, sollte ich doch auch mit einer harmlosen, heimischen Rübe fertig werden, oder? Im Trend sind hierzulande aktuell Bowls, also Gerichte, bei denen alle Zutaten in eine Schüssel kommen - meist eine Verschmelzung japanischer und westlicher Küche. Und häufig findet man auch Rote Bete darin. Zudem sagt man, dass sich alle sieben Jahre der Geschmack verändert. Auch wenn bereits der Gedanke in mir Panik auslöst, sollte ich Roter Bete vielleicht noch mal eine Chance geben. Oder nicht...? Oder doch...?

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