Unheimliche Begegnung der nachbarschaftlichen Art

Kolumne

An dieser Stelle schreibt Redakteur Marc Bracht über seine Erfahrungen in den Bereichen Gesundheit und Wellness. Diesmal geht es um die Bekanntschaft mit unbekannten Wesen.

24.03.2020, 12:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele Städter kennen ihre Nachbarn nicht. Das ging Marc Bracht bis zum Ausbruch der Coronakrise auch so.

Viele Städter kennen ihre Nachbarn nicht. Das ging Marc Bracht bis zum Ausbruch der Coronakrise auch so. © Montage: Adobe Stock, Kaminski

Von Marc Bracht

Kennen Sie noch den Film „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ von Steven Spielberg aus dem Jahr 1977? Ein echter Klassiker, in dem der Elektriker Roy Neary, gespielt von Hollywood-Legende Richard Dreyfuss, Bekanntschaft mit Außerirdischen macht. Mehr als vierzig Jahre später - und inmitten der Coronakrise - konnte ich nun endlich nachvollziehen, wie sich Neary gefühlt haben muss, als er auf kleine, grüne Männchen traf. Ich habe sie nämlich auch getroffen.

Es geschah am hellichten Tag

Wie ich bereits in meiner letzten Kolumne geschrieben habe, befinde ich mich aufgrund der Pandemie im Homeoffice, arbeite mal vom Küchentisch, mal vom Sofa, mal vom Bett aus. Die Außenwelt nehme ich fast ausschließlich nur noch durch Fensterscheiben wahr. Ein bisschen wie in Platons Höhlengleichnis. War das da draußen wirklich die Realität?

„Erinnerst du dich noch an den Film ‚Der Junge muss an die frische Luft‘?“, fragte mich meine Freundin kürzlich mit einem spöttischen Grinsen im Gesicht. „Klar“, entgegnete ich. Sie: „Du müsstest auch mal wieder.“ Ob es an meinem fahler werdenden Hautton, dem Look à la Tom Hanks in „Cast Away“ - wieder eine Filmanspielung - oder an den ersten Anzeichen von Hospitalismus lag, weiß ich nicht. Jedoch zwang ich mich daraufhin, mal wieder in den Garten zu gehen. Dort passierte es.

Jeder Zweite kennt sie nicht

Die sonst so verlassenen Balkone der umliegenden Häuser waren plötzlich bevölkert von seltsamen, humanoiden Wesen! „Was passiert hier?“, rief ich entsetzt. Waren das etwa... die Nachbarn? Statt einem „Wir kommen in Frieden!“, vernahm ich nur: „Hallo!“, „Machen Sie auch Homeoffice?“ und weitere, ganz menschliche Sätze.

Tatsächlich kennt, das ergab eine Studie der Technischen Universität Darmstadt, jeder zweite Deutsche seine Nachbarn nicht. Viele empfänden das Abstandhalten in der Nachbarschaft offenbar sogar als förderlich für den Frieden. Von den Befragten, die ihre Nachbarn kennen, gab sogar jeder Achte an, sich nicht mit ihnen zu verstehen. Dabei birgt die Spezies Nachbar, besonders in der aktuellen Zeit, ein enormes Potenzial.

Zusammenhalt in schwierigen Zeiten

Der Coronavirus scheint die Menschen zum Umdenken zu bewegen. Eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer einer Umfrage von Immowelt, ganze 88 Prozent, würde dem Nachbarn in der aktuellen Situation unter die Arme greifen. Sei es durch Lebensmittel, Medikamente oder kleine Botengänge.

„Je kaputter die Welt da draußen, desto heiler muss sie zu Hause sein“, erklärte einst Reinhard Mey. Deshalb mein Rat: Einfach mal auf die Suche nach Außerirdischen begeben. Man findet sie vielleicht im All, ganz sicher aber vor der eigenen Haus- und Wohnungstür.

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