Veggie-Weihnacht

Kolumne

In der Leben-Kolumne schreibt Marc Bracht über Gesundheit und Wellness. Diesmal geht‘s um klassische Weihnachtsgerichte - und warum wir diese einmal überdenken sollte.

15.12.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bockwurst mit Kartoffelsalat, Gans mit Knödeln und Rotkohl - klassische Weihnachtsgerichte sind lecker, aber auch ungesund. Marc Bracht isst das alles zwar gern, fenkt aber über Veggie-Weihnachten nach, z.B. mit Sellerie. Der Gesundheit zuliebe.

Bockwurst mit Kartoffelsalat, Gans mit Knödeln und Rotkohl - klassische Weihnachtsgerichte sind lecker, aber auch ungesund. Marc Bracht isst das alles zwar gern, fenkt aber über Veggie-Weihnachten nach, z.B. mit Sellerie. Der Gesundheit zuliebe. © Montage: Adobe Stock/Kaminski

Wissen Sie, ich habe mich eigentlich immer für einen Durchschnittstypen gehalten. Nur sechs Zentimeter größer als der Median-Deutsche, der ist 1,80 Meter, nicht zu dick, nicht zu dünn. Alles irgendwie so im Mittelfeld eben. Ein Check-Up beim Hausarzt offenbarte dann aber etwas anderes. Und könnte mein Weihnachtsfest jetzt ganz schön durcheinanderbringen. Corona hätte mir da eigentlich gereicht.

Die Deutschen sind zu dick

„Herr Bracht“, sagte mein Doc mit einem Hauch von Sorge im Blick. „Sie müssen Ihren Lebensstil ändern.“ Ich: „Was meinen Sie, Herr Doktor?“ Er: „Trinken Sie regelmäßig Alkohol?“ Ich: „Nein, Herr Doktor.“ Er: „Nun, Sie haben einen leichten Hang zur Fettleber.“

Ich war schockiert. Bei Fettleber dachte ich immer an übergewichtige Typen, die sich täglich Fast Food zwischen die Kiemen schieben. Wieso also ich? Der Hausarzt erklärte das dann so: „Auch wenn Sie kein Übergewicht haben, Sie essen zu wenig Gemüse und bewegen sich zu wenig. Da muss sich was tun.“

Die Fettleber und ich

Gut, ich bin Schreibtischtäter und esse nach der Devise „Hauptsache schnell“ meist direkt vorm Rechner. „Wir treffen uns noch mal in drei Monaten. Dann möchte ich Ergebnisse sehen“, so die Forderung des Allgemeinmediziners meines Vertrauens. „Herr Doktor, wie soll das gehen? Wir stecken mitten in der Adventszeit?“, fragte ich mit großen Augen.

Mein Arzt sagte mir, dass wir die - ausnahmsweise - ruhig ausklammern könnten. Aber, ganz ehrlich, das möchte ich gar nicht. Seit dieser „Schockdiagnose“ verzichte ich auf Süßigkeiten, helles Brot und Tiefkühlost. Stattdessen gibt es viel Gemüse und Vollkornbrot. Außerdem versuche ich, so wie es mein Zeitplan eben zulässt, täglich einen längeren Spaziergang zu machen.

Volkskrankheit Fettleber

Mir reicht der „Hang zur“, eine waschechte Fettleber möchte ich mir nicht einhandeln. In der Rheinischen Post berichtet Prof. Dr. Christian Kölbel, dass er beinahe täglich mit Menschen zu schaffen habe, bei denen der „Hang zur“ mehr wurde. „In Deutschland sind knapp 20 Millionen Menschen und damit jeder Vierte hiervon betroffen. Selbst bei zehn Prozent der Kinder wird heute bereits eine Fettleber diagnostiziert“, so der Mediziner.

Im schlimmsten Fall könne es zu einer Diabetes-Typ-2-Erkrankung kommen. Ohne mich! Meine Strategie geht übrigens auf - auch wenn der Drang, hin und wieder in die Süßigkeitenschublade zu greifen, doch manchmal groß ist. Trotzdem stelle ich mir die Frage: Was ist denn jetzt mit Weihnachten? Schließlich läuft der Countdown.

Weihnachtsessen: Lecker, aber ungesund

An Heiligabend und den darauffolgenden Tagen kommen bei uns Deutschen ja eigentlich ausschließlich nur Kalorienbomben auf den Tisch. „Ein Wunder, dass wir Weihnachten jedes Jahr aufs Neue überleben“, schreibt Jakob Simmank in einer Glosse in Die Zeit. Klar, die Feiertage werden von Fett, Zucker und Bewegungsarmut bestimmt. Fast ein Kilo nimmt Otto Normal im Durchschnitt während der Weihnachtstage zu.

Wie wäre es also mit Veggie-Weihnacht oder Rohkost-Christmas? Wirsing statt Würstchen, Gartensalat statt Gans, Sellerie statt Sahnesoßen. Wir machen unseren Liebsten an Weihnachten gern Geschenke. Schenken wir unserem Körper doch ein bisschen mehr Gesundheit. Ohne das fiese Völlegefühl nach dem Schlemmen könnte man sogar noch einen schönen Spaziergang machen. Süßer die Pfunde nie purzeln. Ich berichte, ob ich es geschafft habe.

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