Was bringt Smart Home fürs Haustier?

Quatsch oder echte Hilfe?

Der Fortschritt geht auch an Haustieren nicht vorbei. Sie können überwacht, von Automaten gefüttert werden. Manche Neuerungen sind sinnvoll, andere verzichtbar.

13.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Nimmt der videoüberwachte Hund den Müll auseinander, während er allein zu Hause ist, sollte er nicht via Lautsprecher gemaßregelt werden. Die Aufmerksamkeit, die er dadurch erfährt, ist für ihn etwas Positives.

Nimmt der videoüberwachte Hund den Müll auseinander, während er allein zu Hause ist, sollte er nicht via Lautsprecher gemaßregelt werden. Die Aufmerksamkeit, die er dadurch erfährt, ist für ihn etwas Positives. © Markus Scholz/dpa

Die Corona-Krise wird auch in der Welt von Heimtieren für mehr Technik sorgen - das meint zumindest der Trendforscher Prof. Peter Wippermann. „Wir nutzen in der Krise viel mehr Technik als davor, so sind etwa Videokonferenzen selbstverständlich geworden“, erklärt der Hamburger.

Seine Prognose: Dieser Techniksprung wird uns nach Corona erhalten bleiben - und auf die Heimtiere übertragen werden. Sinnvoll sei das sogenannte Smart Home vor allem für Katzen und Hunde, sagt er.

Smarthome für Haustiere: Es gibt bereits heute etliche Angebote

„Man kann die Fütterung automatisieren und eine Videoüberwachung installieren“, zählt Wippermann zwei Beispiele auf. Zudem gibt es Katzenklappen, die nur der eigenen Katze Zutritt gewähren. Hunde und Katzen können per GPS geortet werden, und für die Hinterlassenschaften der Stubentiger werden selbstreinigende Katzenklos angeboten.

Videoüberwachung wirkt beruhigend - auf Hundehalter

Fachleute begrüßen diesen technischen Fortschritt durchaus - vor allem die Möglichkeit, das Tier per Video jederzeit sehen zu können. „Das wirkt sehr beruhigend auf die Psyche des Halters und kann auch zum Training genutzt werden“, sagt die Hundetrainerin Chris Maron aus Neu-Anspach.

Sie setzt selbst auch auf Videotechnik, um ihren Welpen langsam das Alleinebleiben beizubringen. Dazu nimmt sie die Kamera mit vor die Tür und beobachtet das Verhalten ihres Jungspunds im Haus.

„Man sollte aber nur beobachten und nicht mit dem Welpen reden“, rät sie. Denn damit werde eine Erwartungshaltung bei dem Tier aufgebaut, dabei solle das Weggehen und Wiederkommen seines Halters für ihn unspektakulär sein. Sinnvoll kann dagegen das Reden über Lautsprecher beim Training der Hunde sein, die alleine zu Hause Angst haben.

Wenn sie sich entspannen, werden sie gelobt. Dieses Training wird langsam aufgebaut. Zunächst geht der Besitzer ganz kurz aus dem Zimmer, lobt über das Mikrofon und kommt sofort wieder. „Aber es gibt auch Tiere, die drehen am Rad, wenn plötzlich die Stimme erklingt. Das muss man ausprobieren“, so Maron.

Hund lieber nicht per Lautsprecher maßregeln

Gar nichts hält sie davon, die Hunde per Lautsprecher zu maßregeln - etwa wenn sie die Abwesenheit ihres Menschen dazu nutzen, sich verbotenerweise auf der Couch niederzulassen, den Mülleimer zu leeren, die Tapeten von der Wand zu reißen oder Pflanzen auszutopfen. „Für den Hund ist das Aufmerksamkeit und damit was Positives“, gibt sie zu bedenken.

Zwar kann es durchaus sein, dass sensible Hunde auf einen rauhen Ton wunschgemäß reagieren. Doch wenn nicht, hat der Halter keine Möglichkeit, weiter auf seinen Hund einzuwirken. Wenn es ganz schief läuft, lernt der Hund sogar, dass er auf eine Ansprache seines Besitzers nicht reagieren muss - schließlich folgt keine Konsequenz und daraus ziehen Hunde sehr schnell ihre Schlüsse. „Man sollte von einem Hund nur das verlangen, was man auch durchsetzen kann“, sagt Maron.

Katzenexpertin Michaela Asmuß aus Bad Homburg sieht die Erziehung per Video kritisch. Im besten Fall reagiere das Tier gar nicht, im schlimmsten werde es verängstigt, sagt sie. „Wir wollen im Training immer positiv arbeiten, dem Tier also zeigen, was es darf“, erklärt sie. Das sei nur über Lautsprecher kaum möglich. Zudem gebe es unter den Katzen sehr lärmempfindliche Tiere, die sich bei einem plötzlichen Geräusch erschrecken.

Kamera hilfreich bei Katzenzusammenführung

Sinnvoll sei die Möglichkeit einer Videoüberwachung jedoch etwa bei einer Zusammenführung von mehreren Katzen. „Da kann man vor die Tür gehen und zur Not schnell eingreifen, falls sie sich bekriegen.“ Auch bei einer kranken Katze oder im Urlaub sei es sehr beruhigend, auf diese Weise nach dem Tier sehen zu können.

Eine Katze per GPS überwachen zu können, sei einerseits auch sinnvoll, sagt sie. „Man kann verschwundene Tiere wiederfinden und es ist auch spannend, weil man sehen kann, wo sich die Katze so rumtreibt.“ Doch die GPS-Tracker sind an Halsbändern angebracht - es besteht die Gefahr, dass sich die Katzen damit strangulieren können.

Daher müsse das Halsband auf jeden Fall einen Sicherheitsverschluss haben, so die Katzenexpertin. Sie räumt jedoch ein: „Damit können sie das Halsband natürlich verlieren und der GPS-Tracker hilft dann gar nichts.“

Katzenklappen, die über einen in den Katzennacken injizierten Chip gesteuert würden, seien dagegen „goldwert“. So kann kein unerwünschter Besuch eindringen. Zudem lassen sich die Freigang-Zeiten bestimmen - etwa, dass die Katze abends ab acht Uhr nicht mehr raus darf. Sinnvoll sind für Katzen auch Futterautomaten. Diese sorgen dafür, dass die Tiere - wie sie es am liebsten haben - den Tag über verteilt immer mal wieder was fressen können.

Tücken bei selbstreinigenden Katzenklos

Gar nichts hält Asmuß dagegen von selbstreinigenden Katzentoiletten. Diese meist großen Kästen sind innen eng und haben einen hohen Einstieg. Damit seien sie für eine Katze maximal unattraktiv. Manche Katzenklos fangen zudem mit der Reinigung sehr früh an und rütteln, wenn die Katze noch auf dem Klo ist.

Ein Hersteller wirbt sogar damit - auf diese Weise würden auch die Krallen der Katze gesäubert, heißt es. „Ein sicherer Weg, um seine Katze unsauber zu kriegen“, sagt die Katzenexpertin lakonisch und benennt einen weiteren Nachteil dieser Toiletten: Der Halter bekommt auf diese Weise nicht mit, falls sein Tier unter Durchfall oder Verstopfung leidet.

Weitere Tipps für Tierfreunde unter:

www.ruhrnachrichten.de/leben

dpa